text.skipToContent text.skipToNavigation

Das Normalisierungsprinzip und die Selbstbestimmung im Hinblick auf Wohnmodelle für Menschen mit geistiger Behinderung von Jung, Friederike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.10.2014
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
29,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Normalisierungsprinzip und die Selbstbestimmung im Hinblick auf Wohnmodelle für Menschen mit geistiger Behinderung

Akademische Arbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik, Note: 1,4, Justus-Liebig-Universität Gießen, Sprache: Deutsch, Abstract: Ein Rückblick in die Geschichte der Umsetzung verschiedener Denkmodelle über geistige Behinderung ab 1933 eröffnet diese Arbeit. Zentraler Gegenstand ist dann die Schilderung des Normalisierungsprinzips in seiner Entstehung und weiteren Ausformulierung. Abschließend wird seine Rezeption in Deutschland geschildert. Ausgewählte Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung werden unter dem Aspekt von Normalisierung und Selbstbestimmung im nächsten Kapitel betrachtet, wobei Wohnbedürfnisse zur Beurteilung hinzugezogen werden. Der Schwerpunkt dabei soll auf dem Normalisierungsprinzip als Grundvoraussetzung für ein normalisiertes und integriertes Leben von Menschen mit geistiger Behinderung liegen. Während drei Formen des Wohnens vorwiegend anhand von Literatur dargestellt werden, erfolgt die Betrachtung der vierten im Rahmen einer eigenen Beobachtungsstudie. Diese fällt im Vergleich zu den übrigen etwas umfangreicher aus. Das darauffolgende Kapitel beinhaltet eine Interpretation und Reflexion der gewonnenen Ergebnisse. Das letzte Kapitel bildet das Fazit der Arbeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 79
    Erscheinungsdatum: 29.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656826606
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd. V283403
    Größe: 515kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Normalisierungsprinzip und die Selbstbestimmung im Hinblick auf Wohnmodelle für Menschen mit geistiger Behinderung

3. Das Paradigma der Selbstbestimmung

Wie bereits festgestellt wurde, löst das Paradigma der Selbstbestimmung das Normalisierungsprinzip nicht ab. Dessen Forderungen verlieren nicht an Bedeutung. Rudi Sack ist der Ansicht, daß sie im Gegenteil durch die Leitidee der Selbstbestimmung sogar noch unterstrichen werden. [79]

Anhand einiger Definitionen soll zunächst erläutert werden, was der Begriff der Selbstbestimmung beinhaltet.

3.1. Das Verständnis von Selbstbestimmung

Das heutige Alltagsverständnis von Selbstbestimmung ist nach Theo Klauß charakterisiert durch

- das Anrecht auf möglichst viel Freiheit und wenig äußeren Einfluß bei individueller Selbstverwirklichung

- Unabhängigkeit von äußeren Vorgaben und Begrenzungen bei der Realisierung eigener Wünsche und Bedürfnisse

- die Wahl zwischen möglichst vielen Alternativen

- die Möglichkeit, tun und leben zu können, was und wie man möchte. [80]

Gleiches läßt sich auch bei Heinz Mühl nachlesen. Nach ihm bedeutet der entsprechende Gegenbegriff "Fremdbestimmung", "tatsächlich oder zumindest nach der eigenen Befindlichkeit von anderen bestimmt oder überstimmt zu werden" [81] .

Selbstbestimmung ist nie absolut, sondern relativ. Sie kann eingeschränkt sein durch existenzielle, institutionelle, gesellschaftliche oder persönliche Rahmenbedingungen, ebenso durch Mit- und Selbstbestimmung anderer. [82] Daher liegen die Grenzen der Selbstbestimmung dort, wo sie diejenige anderer in Frage stellt. [83] Doch durch die bloße Abwesenheit externer physischer oder gesetzlicher Hindernisse ist nach Klauß noch keine Selbstbestimmung gegeben. [84] Sie kann nach ihm

"als Prozess verstanden werden, bei dem ein Mensch sich an dem orientiert, was ihm insgesamt, als "Selbst", das Wichtigste ist, was aber nie ganz eindeutig zu erkennen ist, so dass Selbstbestimmung immer einen prozesshaften, aktiven, suchenden Charakter hat" [85] .

Selbstbestimmung ist nicht gleichzusetzen mit Selbständigkeit. Den Unterschied beschreibt Urs Haeberlin wie folgt:

"'Selbständigkeit' als optimale Unabhängigkeit von Unterstützung ist ein objektiver Tatbestand und als solcher beobachtbar und meßbar. 'Selbstbestimmung' hingegen ist ein subjektives Lebensgefühl und als solches nicht beobachtbar und meßbar. 'Selbständigkeit' ist durch geplante Ausbildung optimierbar... 'Selbstbestimmung' hingegen als individuell erfaßbares Lebensgefühl ist nicht im gleichen Sinne durch (sonder-) pädagogische Maßnahmen machbar. Denn diese haben notwendigerweise immer eine fremdbestimmte Komponente, die im Widerspruch von Selbstbestimmung steht." [86]

Selbständigkeit ist auch keine Vorbedingung für Selbstbestimmung. [87] Ein Mensch kann zur selbständigen Durchführung eines Anliegens aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sein. Wird dem Wunsch aber durch andere entsprochen, kann man dennoch von Selbstbestimmung sprechen. Genauso wenig wird Selbstbestimmung durch Selbständigkeit garantiert. Menschen können selbständig, aber auf Anweisung anderer handeln. In dem Moment sind sie fremdbestimmt. Dementsprechend betrachtet Klauß Selbständigkeit als günstige, aber eben nicht hinreichende Voraussetzung für Selbstbestimmung. [88]

Selbstbestimmung ist bei Abhängigkeit möglich, wenn diejenigen, von denen man abhängig ist, sie zulassen und ermöglichen. Dar

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.