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Der Umgang mit Autismus in den USA Schulische Praxis, Empowerment und gesellschaftliche Inklusion. Das Beispiel Kalifornien von Theunissen, Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.12.2013
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (ePUB)
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Der Umgang mit Autismus in den USA

Die USA sind nicht nur in Sachen Computer-, Informations- und Kommunikationstechnologie ein Pionier-Land. Auch im Bereich der Sozialen Arbeit und Behindertenhilfe bieten sie wichtige Innovationsimpulse, die richtungsweisend sind. Für das Gebiet des Autismus kommt Kalifornien eine Führungsrolle hinsichtlich Forschung, Dienstleistungen und Best Practice für Menschen im Autismus-Spektrum zu. Das Buch stellt jene erprobten und funktionierenden Elemente amerikanischer Behindertenhilfe vor, die zur Verbesserung hiesiger Verhältnisse beitragen können. Es werden neben den wegweisenden Instrumenten und Programmen für gesellschaftliche Inklusion, Partizipation und Emporwerment auch die Unterschiede in den Systemen der Behindertenhilfe im Auge behalten und dadurch der Blick auf die eigenen Schwächen und Stärken geschärft. Prof. Dr. päd. Georg Theunissen ist Ordinarius für Geistigbehindertenpädagogik und Pädagogik bei Autismus am Institut für Rehabilitationspädagogik der Philosophischen Fakultät III Erziehungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 12.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170255524
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 2290 kBytes
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Der Umgang mit Autismus in den USA

1 Regional Center

Im Unterschied zu allen anderen US-Staaten gibt es in Kalifornien sogenannte Regional Center, deren prominente Aufgabe darin besteht, alle Dienstleistungen und Unterstützungsformen für Menschen mit developmental disabilities zu koordinieren. Dieses System der Regional Center wird von nicht wenigen Fachleuten als vorbildlich und nachahmenswert für die gesamten USA eingeschätzt.
1.1 Historisches

Bis vor wenigen Jahrzehnten war es in den USA, ja weltweit Gepflogenheit, Menschen mit developmental disabilities in großen Institutionen zu hospitalisieren. So gab es zum Beispiel in Kalifornien 1966 sieben staatliche Institutionen, in denen 13 200 Personen unter menschenunwürdigen Bedingungen ein tristes Leben fristen mussten (FDLRC 2006). Diese Situation stand seit den späten 1950er Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Ähnlich wie in Deutschland, wo es seinerzeit zur Gründung der Elternvereinigung Lebenshilfe gekommen war, hatte sich damals in Kalifornien eine Gruppe an Eltern behinderter Kinder und Professionellen (überwiegend Hochschullehrer) formiert, die die Zustände in den Institutionen nicht länger hinnehmen wollten und sich für die Verbesserung der Lage behinderter Menschen politisch engagierten:

"Around the state, groups such as the Exceptional Children's Foundation in Los Angeles, San Francisco Aid to Retarded Children, and others were providing support for families and programming for persons with mental retardation by operating private schools, activity centers, sheltered workshops and residential services. In response to parent requests, church groups and other charities also began offering similar programs" (FDLRC o. J. b, 2) .

Der elterliche Protest, der zu selbstorganisierten Empowerment-Gruppen und Vereinigungen führte, fand in Kalifornien politisches Gehör, was dazu führte, dass unter der Regie von Frank D. Lanterman, einem einflussreichen Landespolitiker, mit der Gründung von zwei sogenannten Regional Centern in San Francisco und Los Angeles ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Lage behinderter Menschen auf den Weg gebracht wurde. Diesbezüglich ließen sich die Reformer von der Überzeugung leiten, dass statt einem medizinisch-psychiatrischen Leitmodell (dazu Theunissen 2012a) ein sozialpädagogisches Priorität haben sollte: "The great majority of the population of our hospitals require non-medical services – training in self-help and social adjustments [...] schools, social services , [...] vocational rehabilitation [...] very much the same services that are furnished without question to the rest of our society " (FDLRC o. J. b, 3).

Zentrale Aufgaben der beiden Regional Center bestanden darin, Bedürfnisse von Menschen mit developmental disabilities zu erschließen und entsprechende Dienstleistungssysteme zu entwickeln, ihren Aufbau zu fördern und zu unterstützen sowie die Maßnahmen zu koordinieren und zu evaluieren. Dabei ergab sich die Präferenz für ein gemeindebezogenes ( community-based ) Unterstützungssystem, die mit dem sogenannten Normalisierungsprinzip Hand in Hand ging, welches in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre durch seine Repräsentanten N. Bank-Mikkelson und B. Nirje in Kalifornien bekannt gemacht wurde (FDLRC o. J. b, 3 f.). Angesichts der positiven Entwicklung und Ergebnisse ( positive outcomes ) wurde daraufhin von F. D. Lanterman ein Gesetzentwurf in die kalifornische Landesversammlung eingebracht, der vorsah, flächendeckend 21 Regional Center (jeweils für ein

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