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Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern Band 2: Fachdidaktiken

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2010
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
24,99 €
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Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern

Band 1 dieses zweibändigen Lehrbuchs erarbeitet die Grundlagen einer Didaktik für den Unterricht mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern. Band 2 liefert die Ausdifferenzierung in Fachdidaktiken und fächerübergreifende Bildungsanliegen. Thematisiert werden hierbei folgende Unterrichtsbereiche: Lesen und Schreiben; Mathematisches Lernen; Veranschaulichung in historischen, geografischen und naturwissenschaftlichen Kontexten; Musik; Bewegungserziehung; Kunst und Gestalten; Informationstechnologie; Selbst- und Sozialkompetenzen. Die dargestellten Fachdidaktiken beziehen sich ausdrücklich auf Unterrichtssituationen in heterogenen Lerngruppen und schließen die Zielgruppe mehrfachbehinderter sehgeschädigter Schülerinnen und Schüler mit ein. Dr. Markus Lang vertritt eine Professur für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Dr. Ursula Hofer ist Bereichsleiterin Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich. Dr. Friederike Beyer ist Sonderpädagogin, Hermann-Herzog-Grundschule Berlin, und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik der Universität Leipzig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 276
    Erscheinungsdatum: 02.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170277564
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 12104 kBytes
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Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Schülerinnen und Schülern

Kapitel 1 Lesen und Schreiben

Markus Lang

Blinde Kinder und Jugendliche sind hinsichtlich der Schriftsprache auf ein taktiles Schriftsystem angewiesen. Hieraus ergeben sich grundlegende und spezifische didaktische Entscheidungen und Vorgehensweisen.

Bei der nachfolgenden Darstellung der didaktischen Besonderheiten im schriftsprachlichen Lernen wird besonderes Gewicht auf den Schriftspracherwerb gelegt. Daneben finden der Computereinsatz in verschiedenen Lerngruppen und die Problematik der Schriftentscheidung bei hochgradig sehbehinderten Kindern und Jugendlichen intensive Berücksichtigung.
1 Das System der Deutschen Blindenschrift

Louis Braille (1809-1852) entwickelte als blinder Schüler der Pariser Blindenanstalt 1825 eine Punktschrift, die sich aufgrund ihrer hervorragenden Tastbarkeit und des relativ einfachen Schreibprozesses international als Blindenschrift durchsetzen konnte (vgl. Lang 2010). Sämtliche der heute gebräuchlichen Brailleschriften für Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften etc. gehen auf Brailles Erfindung zurück, dessen Grundmuster aus 6 frei kombinierbaren Punkten innerhalb einer festen Matrix besteht (s. Abb. 1.1). Insgesamt lassen sich in diesem System 64 verschiedene Punktkombinationen (incl. Leerzelle) bilden, die für die Zeichendarstellung zur Verfügung stehen. Da selbst innerhalb einer Sprache für die Verschriftlichung von Literatur, Mathematik, Musik oder naturwissenschaftlichen Sachverhalten mehr als 64 verschiedene Zeichen benötigt werden, sind die einzelnen Punktkombinationen mehrfach belegt. Die Kennzeichnung des für die Identifikation der Zeichen notwendigen Kontextes erfolgt über vorangestellte Ankündigungszeichen (z.B. kündigt die Punktkombination 3, 4, 5, 6 an, dass das nachfolgende Zeichen nicht als Buchstabe, sondern als Zahl interpretiert werden muss).

Abb. 1.1: Braillezelle mit Punktnummerierung

Im System der Deutschen Blindenschrift werden die Vollschrift und die Kurzschrift als Literaturschriften eingesetzt. Für das Erstellen von Texten am Computer spielt Eurobraille (Computerbraille) eine wesentliche Rolle.

In der Vollschrift existieren sämtliche Buchstaben als Kleinbuchstaben. Die Großschreibung wird durch ein vorangestelltes Ankündigungszeichen (Punkte 4 und 6) gekennzeichnet. Definierte Zeichen existieren darüber hinaus beispielsweise für Satzzeichen und für häufige Buchstabenkombinationen (au, äu, eu, ei, ie, ch, sch, st) (s. Tabelle 1).

Tab. 1.1: Zeichenauswahl der Deutschen Vollschrift

Die Kurzschrift verfolgt primär das Ziel, das Volumen der Braillebücher zu reduzieren. Das heute gültige System besteht aus ca. 300 Kürzungen (vgl. Tab. 1.2). Es ist in einem umfassenden und komplexen Regelwerk zusammengefasst (s. Brailleschriftkommission der deutschsprachigen Länder 2005).

Tab. 1.2: Beispiele aus dem System der Deutschen Kurzschrift

Eurobraille (Computerbraille) definiert die Gestalt der Zeichen, die benötigt werden, um Texte 1:1 von Schwarzschrift in Punktschrift übertragen zu können. Hierfür musste die Braillezelle auf 8 Punkte erweitert werden (s. Abbildung 2). Auf diese Weise entstanden 256 Kombinationsmöglichkeiten der Punkte, so dass jedem Schwarzschriftzeichen (des erweiterten ASCII-Zeichensatzes) ein eindeutiges Punktschriftzeichen zugeordnet werden kann. Per Computer angefertigte Texte stehen folglich unmittelbar sowohl in Schwarzschrift (Bildschirm/Ausdruck) als auch in Punktschrift (Braillezeile/Brailledruck) zur Verfügung.

Abb. 1.2: Braillezelle im 8-Punkte-Format mit Punktnummerierung

Die Kleinbuchstaben in Eurobraille sind bis auf wenige Ausnahmen mit denjenigen der Vollschrift identisch (s. Anhang 1). Eurobraille verfügt über Großbuchstaben und eigene Ziffernzeichen. Grundsätzlich existieren in Eurobraille keine Ankündigungszeichen und Kürzungen.

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