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Schüler mit herausforderndem Verhalten im inklusiven Unterricht Praxistipps für Lehrkräfte. Mit Online-Zusatzmaterial von Breuer-Küppers, Petra (eBook)

  • Verlag: ERNST REINHARDT VERLAG
eBook (ePUB)
20,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Schüler mit herausforderndem Verhalten im inklusiven Unterricht

Jede Lehrkraft macht die Erfahrung: Es gibt SchülerInnen, deren Verhalten eine besondere Herausforderung ist. Dies beeinträchtigt deren eigenen Lernerfolg, aber oft auch den der MitschülerInnen. Normaler Unterricht ist z.T. nicht mehr möglich. Der neue Band aus der Reihe 'Inklusiver Unterricht kompakt' gibt wichtige Informationen zu Begrifflichkeit, Diagnostik, Ursachen und Auswirkungen von herausforderndem Verhalten. LehrerInnen bekommen praktische Hinweise, wie sie Unterrichtsstörungen vorbeugen können - sowohl durch langfristig erfolgsversprechende Handlungsmöglichkeiten als auch durch Interventionen für den sofortigen Einsatz im Schulalltag. Sie behalten so den Überblick und können Zwischenfälle im Klassenzimmer erfolgreich managen. Petra Breuer-Küppers, Sonderpädagogin, ist seit vielen Jahren im Schuldienst sowie in der universitären Lehrerausbildung tätig. Aktuell arbeitet sie im Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen. Prof. Dr. Anna-Maria Hintz, Sonderpädagogin, lehrt an der Universität Oldenburg im Bereich Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 59
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783497610570
    Verlag: ERNST REINHARDT VERLAG
    Größe: 10087 kBytes
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Schüler mit herausforderndem Verhalten im inklusiven Unterricht

2 Diagnostik

Die Frage, ob Diagnostik bei herausforderndem Verhalten überhaupt notwendig ist, mag von manch einer Lehrkraft intuitiv verneint werden. Schließlich ist das Verhalten oft so auffällig, dass es sich ohnedies weder überhören noch übersehen lässt. Dennoch bzw. genau deshalb soll hier aufgezeigt werden, wieso Diagnostik sinnvoll und notwendig ist, um die Ursachen sowie die Bedingungen, die zur Verstärkung bzw. Aufrechterhaltung von herausforderndem Verhalten beitragen, zu analysieren. Erst danach kann sich die Lehrperson begründet aus der Vielzahl der Möglichkeiten an Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für die beste Option entscheiden. Eine Überprüfung der Effekte einer Intervention kann ebenfalls sinnvoll sein, um unwirksame Bemühungen auszuschließen bzw. wirksame Herangehensweisen beizubehalten und zu optimieren.

2.1 Kind-Umfeld-Analyse

"Das ist doch klar, bei den Eltern ... " oder "Guck dir mal die Freunde an, dann weißt du Bescheid!" sind Aussagen, die man auch als Lehrkraft häufiger hört. Sie zeigen, dass SchülerInnen oft nicht unabhängig von ihrem Umfeld gesehen werden. Wird beim Einbezug der Informationen über das jeweilige Umfeld allerdings unsystematisch vorgegangen, ist es möglich, dass z. B. die eigenen Vorurteile die Aspekte, die in Betracht gezogen werden, in starkem Maße beeinflussen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, bietet sich eine systematische Analyse, wie z. B. die Kind-Umfeld-Analyse (KUA) an.

ökosystemischer Ansatz

Die KUA hat sich aus dem ökosystemischen Ansatz entwickelt (z. B. Bronfenbrenner 1981 ) und wurde immer wieder überarbeitet. Im Kontext der ökosystemischen Sichtweise wird nicht mehr (nur) gefragt, wie sich das Kind verändern müsste, damit es ins (Schul-)System passt. Die KUA zielt darauf ab, die individuellen Bedingungen einer Person zu erkunden (z. B. Freundeskreis, Familie, Schule, weitere Felder wie ggf. Hobbys und Interessen), um mögliche Ressourcen und Risiken zu erfassen.

Celeste fehlten meist die Hausaufgaben und alle Maßnahmen, die in der Schule realisiert wurden, damit sie ihre Hausaufgaben zukünftig wie erwünscht zu Hause erledigt, blieben erfolglos. Im Rahmen der KUA zeigte sich, dass Celeste zu Hause keinen Platz hatte, an dem sie in Ruhe arbeiten konnte, und dass sie häufig von Freundinnen auf ihrem Handy kontaktiert wird, sodass es ihr bei den gelegentlichen Versuchen, sich ihren Aufgaben zu widmen, schwerfiel, sich zu konzentrieren. Die durch die KUA erkannte Situation wurde von der Lehrkraft mit den Eltern und Celeste besprochen. Die Eltern richteten einen Arbeitsplatz in der Küche ein, an dem Celeste nach dem Mittagessen in Ruhe ihre Hausaufgaben machen konnte. Zudem legte sie vor den Hausaufgaben freiwillig für eine Stunde ihr Handy weg. Alle Akteure des Systems arbeiteten zusammen und das Problem der regelmäßig fehlenden Hausaufgaben konnte gelöst werden.

Abb. 7: Mögliche Aspekte einer Kind-Umfeld-Analyse (in Anlehnung an Formblätter des Kultusministeriums Sachsen-Anhalt 2011 )

systematische Analyse

Der Gesamtprozess der KUA umfasst neben der systematischen Analyse verschiedener Umweltfaktoren (für eine Auswahl Abb. 7 ) auch die Suche nach geeigneten Handlungsstrategien und die optimierende Umgestaltung von Rahmenbedingungen sowie ggf. die Ableitung nützlicher Unterstützungsmöglichkeiten für das Kind (für eine Auswahl: z. B. Literaturtipp der Autorengruppe Vielfaltstableau 2014).

Kind als Akteur der eigenen Entwicklung

Das Individuum sollte in der KUA und den daraus abzuleitenden Handlungsmöglichkeiten als AkteurIn der eigenen Entwicklung gesehen und in den Prozess miteinbezogen werden. Das Fallbeispiel von Celeste zeigt, dass das Einholen von Informationen und die Optimierung der Situation mehr Erfolg mit sich brachten als vermeintlich strafende Maßnahmen, wie z. B. das Nacharbeiten

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