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Von der Zwangssterilisation bis zur Euthanasie im Nationalsozialistischen Deutschland Massenmorde in den Tötungsanstalten - Fertigkeiten für die Shoah. von Schönmetzler, Mario (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2015
  • Verlag: GRIN Verlag
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Von der Zwangssterilisation bis zur Euthanasie im Nationalsozialistischen Deutschland

Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2013 im Fachbereich Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik, Note: 1,0, Ludwig-Maximilians-Universität München (Geistigbehindertenpädagogik und Verhaltensgestörtenpädagogik), Veranstaltung: Geistigbehindertenpädagogik und Verhaltensgestörtenpädagogik, Sprache: Deutsch, Abstract: Der afroamerikanische Soziologe, Journalist und Philosoph W.E.B. Du-Bois reiste durch Deutschland und schrieb 1937 Artikel über Nazi-Deutschland für die Zeitung Pittsburgh-Harrior. Diese unabhängigen Zeitzeugenberichte von Journalisten zeigen ein Bild von Deutschland unbeeinflusst von propagandistischen Einflüssen. Deshalb sind diese von unschätzbar großem Wert: 'Deutschland steht in seiner übergroßen Mehrheit hinter Adolf Hitler. In Deutschland gibt es Essen und Wohnung. Im Großen und Ganzen ist es ein zufriedenes und blühendes Land. Binnen vier Jahren ist die Arbeitslosigkeit von sieben Millionen auf zwei Millionen oder weniger gesunken. Das ganze Land ist überzogen mit neuen Häusern für die einfachen Leute, mit neuen Straßen, neuen öffentlichen Gebäuden und neuen Arbeitsbeschaffungsmaßnamen aller Art. Lebensmittel sind gut, sauber und billig. Die öffentliche Ordnung ist perfekt, es gibt kaum sichtbare Kriminalität. Und doch. Es ist paradox. In direktem Widerspruch zu alldem ist Deutschland schweigsam, nervös, gehemmt. Es spricht flüsternd, es gibt keine öffentliche Meinung, keine Opposition. Nichts wird diskutiert. Es gibt Wellen der Begeisterung aber nicht den geringsten Protest.'1 Der jüdische Dichter Paul Celan wurde in zahlreichen Konzentrations- und Arbeitslagern des NS-Regimes in Rumänien festgehalten. Er verfasste 1943 das Gedicht 'Todesfuge'. Ein berühmtes Zitat des Gedichts ist: 'Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.' Diese Arbeit soll zeigen, dass Paul Celan Recht behalten sollte. Die 'Euthanasie', die in Deutschland in erschreckend professioneller, auf Effizienz getrimmter und durchdachter also 'meisterlichen' Art und Weise durchgeführt wurde, ist eine weltweit einmalige Aktion... Wie kam es zur Zwangssterilisation? Wie wurde die 'Euthanasie' durchgeführt? War die Herabwertung bestimmter Menschengruppen eine Erfindung des Dritten Reichs? Es soll geklärt werden, wer die Opfer der Sterilisierungen und des 'Gnadentods' waren. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, wer die Täter waren. Waren alle beteiligten Menschen barbarische Bestien, die aus Mordlust handelten? Diese Arbeit soll einen Überblick verschaffen, wie die Tötungsanstalten aufgebaut waren und wie sie arbeiteten. Es soll auch untersucht werden, wie sich die Bevölkerung und die Kirchen verhielten. Die Tötung der Menschen, die man als 'Ballastexistenzen' bezeichnete, wurde schlichtweg als Arbeitsvorgang angesehen. Welche Kraft oder Macht befähigte die Täter so zu denken?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 106
    Erscheinungsdatum: 24.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656904588
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V293095
    Größe: 1052kBytes
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Von der Zwangssterilisation bis zur Euthanasie im Nationalsozialistischen Deutschland

3. Vom Sozialdarwinismus zum Nationalismus

Der Naturforscher Charles Darwin veröffentlicht in London am 24. November 1859 Das Buch "Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der begünstigsten Rassen im Kampf ums Dasein."

Im Kampf ums Überleben werden die schlecht Angepassten durch natürliche Auslese, durch Selektion, ausgemustert. Bei Darwin geht es um verschiedene Pflanzen und Tiere wie z.B. um Purzeltauben und Misteldrossen. Spätere deutsche Interpretationen begründen die Sterilisierung und Ermordung von Menschen mit dem Kampf ums Dasein.

Der Arzt Alfred Ploetz veröffentlicht 1895 sein Hauptwerk: "Die Tüchtigkeit unserer Rasse und der Schutz der Schwachen. Die Grundlinien einer Rassenhygiene." Die Begriffe Eugenik ("wohlgeboren") und Rassenhygiene werden synonym benutzt. [3] Laut Alfred Ploetz ist es nur Paaren mit bester Erbmasse erlaubt, Kinder zu zeugen. Die Züchtung von Menschen ist staatlich zu regeln. [4] Schwache Menschen sind minderwertige Menschen, Hilfe ist reine Gefühlsduselei:

"Wer sich dann in dem Ökonomischen Kampf als zu schwach erweist und sich nicht erhalten kann, verfällt der Armuth ihren ausjätenden Schrecken. [...] Solche und andere humane Einstellungen

wie Pflege der Kranken, der Blinden, der Taubstummen, überhaupt aller Schwachen, hindern oder verzögern nur die Wirksamkeit der natürlichen Zuchtwahl. Besonders Dinge wie Krankheits- und Arbeitslosen- Versicherung, wie die Hülfe des Arztes, hauptsächlich des Geburtshelfers, wird der strenge Rassenhygieniker nur ein missbilligendes Achselzucken haben. Der Kampf um's Dasein muss in seiner vollen Schärfe erhalten bleiben." [5]

Ab 1904 gab Alfred Ploetz eine Zeitschrift heraus mit dem sehr komplizierten Titel: "Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie einschließlich Rassen- und Gesellschafts-Hygiene. Zeitschrift für die Erforschung des Wesens von Rasse und Gesellschaft und ihres gegenseitigen Verhältnisses, für die biologischen Bedingungen ihrer Erhaltung und Entwicklung, sowie für die grundlegenden Probleme der Entwicklungslehre."

Der Psychiater Ernst Rüdin dessen Schwester Pauline mit Ploetz verheiratet ist, gestaltete ab 1905 die Zeitschriften. Eine vielversprechende Ehe: Rassenhygiene und Psychiatrie verschwägern sich. [6] Darüber später mehr.

Alfred Ploetz gehört 1905 zu den Mitbegründern der "Gesellschaft für Rassenhygiene." Die Gesellschaft wird fünf Jahre später in "Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene" , umbenannt. Unter den Mitgliedern sind: Der Erbbiologe Fritz Lenz, der Rassenforscher Eugen Fischer, der Autor Gerhart Hauptmann, der sozialdemokratische Hygieniker Alfred Grotjahn, der Verleger Julius Friedrich Lehmann, der Botaniker Erwin Baur. Dies ist die erste Rassenhygienische Gesellschaft der Welt. [7]

Emil Kraeplin, einer der berühmtesten Psychiater des Zwanzigsten Jahrhunderts, veröffentlicht 1909 sein Hauptwerk: "Psychiatrie. Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte ." Hierin veröffentlicht der Münchner ein verhängnisvolles Krankheitsbild: Geisteskrankheiten sind vererbt und degenerativ. Die "dementia praecox" ( "Jugendirresein"), später Schizophrenie genannt, würde gesetzmäßig zur Verblödung, zum geistigen Tod führen.

Das Lehrbuch von Emil Kraeplin hat fatale Folgen.

Beispielsweise wurde die Tochter von Johanna Neuhaus, eine der ersten deutschen Zahnärtinnen, Luise, 1922 in die Psychiatrie in Merxhausen eingewiesen. Im Aufnahmeprotokoll ist vermerkt: "Pat. leidet an Dementia praecox, eine Heilbarkeit ist ausgeschlossen." Luise Neuhaus endet später in der Vergasungsanstalt Hadamar. Zuwendung und Therapie hat sie nie e

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