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Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem von Schöpcke, Melanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2007
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
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Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem

Diplomarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Sozialpädagogik / Sozialarbeit, Note: 2,0, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Pädagogik (Fachbereich Erziehungswissenschaften)), 53 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Fachliteratur bezeichnet die 'Welt der multiplen Persönlichkeiten' heute vorwiegend mit dem Begriff Dissoziative Identitätsstörung (DIS). Es handelt sich um eine klinisch anerkannte, psychische Störung, bei der sich nicht etwa reale Personen einen gemeinsamen Körper teilen, sondern verschiedene Anteile eines Menschen sich als so sehr voneinander getrennt erleben, daß sie jeweils über eine eigene Identität verfügen... Die Diplomarbeit soll zum einen wichtiges Grundwissen über DIS vermitteln. Im Besonderen wird der Zusammenhang zwischen dem Erleben extremster Gewalt und der psychischen Verarbeitung durch Dissoziation hergestellt sowie das Störungsbild selbst und daraus resultierende (störungs-)spezifische Probleme aufgezeigt. Menschen mit DIS wurden bereits in frühester Kindheit physischer und/oder psychischer und/oder sexueller Mißhandlung ausgesetzt, die über das Maß menschlicher Vorstellungskraft hinausreicht. Um das physische, wie psychische Überleben zu sichern, wurden sie gezwungen ihre intimsten Körpergrenzen aufzugeben und dissoziative Mechanismen als einzige Möglichkeit zu nutzen, um ihre überwältigenden Ängste und Schmerzen zu bewältigen. Im Erwachsenenalter sind die 'Überlebenskünstler' allerdings mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert, die ihr Überleben erneut gefährden, so daß diese Arbeit auch den Umgang und die Behandlungsmöglichkeiten Betroffener aufzeigt. Beachtung finden sowohl der psychologisch- therapeutische, wie auch der sozialpädagogische Unterstützungsrahmen... Im 2. Kapitel stehen das Konzept der Dissoziation, dissoziative Phänomene und Störungen, einschließlich der DIS, im Vordergrund. Begriffe, das dissoziative Kontinuum und Diagnosekriterien der Störungen werden vorgestellt. Anschließend erfolgt neben einem geschichtlichen Rückblick, die Hinwendung zur Prävalenz und der kontrovers geführten Diskussion über das Phänomen DIS. Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit den ätiologischen Bedingungen. Es wird der Zusammenhang zwischen Dissoziation, Mißbrauch und Trauma dargestellt, Formen und TäterInnen zu Missbrauch beschrieben sowie die DIS- Entstehung als Strategie der Bewältigung dargelegt. Im Anschluß daran, erhält der Leser einen Einblick in Diagnostik, Symptomatologie und Komorbidität des Störungsbildes sowie in das 'normal- verrückte Leben eines multiplen Systems'... Möglichkeiten und Grenzen, die Psychologie und Sozialpädagogik für die Behandlung Betroffener anbieten, stellt das abschließende, 4. Kapitel heraus...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 123
    Erscheinungsdatum: 15.08.2007
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783638799898
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V79609
    Größe: 414kBytes
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Die Dissoziative Identitätsstörung als sozialpädagogisches Problem

2 Konzept der Dissoziativen Identitätsstörung

Um DIS als komplexe psychische Störung in ihren Ursprüngen zu begreifen führt das anfängliche Kapitel in konzeptionelle Grundlagen zu Dissoziation und darüber hinaus in Klassifikationskriterien dissoziativer Störungen ein. Anschließend erhält der Leser einen Einblick über die geschichtliche Entwicklung der Störung und wird überdies zur Prävalenz informiert. Die brisant geführte Diskussion über existentielle und ätiologische Annahmen zu DIS soll dieses Kapitel zum Abschluss bringen.

2.1 Dissoziation als psychischer Prozess

2.1.1 Begriffsdefinition

Im weitesten Sinne bezeichnet Dissoziation das Gegenteil von Assoziation, dass heißt Spaltung oder Trennung. Spiegel und Cardena (1991) betrachten Dissoziation differenzierter, als "... eine strukturierte Separation mentaler Prozesse (von Gedanken, Körperempfindungen, Bedeutungen und Erinnerungen oder der Identität) [...], die zuvor in die ganzheitliche Wahrnehmung integriert waren.". Weiter heißt es bei Putnam (1989, S.9), dass sich der ursprünglich "normale Prozess", anfangs vom Individuum als Abwehr und zur Protektion eingesetzt, "... mit der Zeit in einen schlecht angepassten oder pathologischen Prozess verwandelt".

Im "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder" (DSM, anglo- amerikanisch geprägt), dem Handbuch zur Klassifikation psychischer Störungen, wird Dissoziation daher als Unterbrechung oder zumindest Veränderung der normalerweise integrativen Funktion des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität und der Wahrnehmung definiert (vgl. Saß et al. 2003, S.586).

Deistler und Vogler (2002, S.42f.) fassen Dissoziation als allgemein menschlichen, psychisch internalisierten Verarbeitungsprozess mit extremer Spannbreite unterschiedlicher Phänomene zusammen, bei dem Anteile eines ursprünglich

zusammengehörigen Vorgangs (Erleben, Handeln) voneinander fern gehalten werden. Das heißt es sind spezifische Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsprozesse aktiviert, welche die Informationsteile eines Gesamtgeschehens nicht mehr assoziieren, obwohl Teilbereiche ins Bewusstsein, dem Gedächtnis oder Selbstbild integriert wurden. Das Gesamterleben im Ursprung, das heißt mit Gedanken, Erinnerungen, Gefühlen, Bewegungsabschnitten oder Handlungsimpulsen, ist nicht mehr oder nur teilweise bewusstseinsfähig.

2.1.2 Dissoziationsfähigkeit als Grundvoraussetzung

Die Fähigkeit zur Dissoziation ist in jedem Menschen vorhanden, kann allerdings in ihrem Ausprägungsgrad individuell variieren. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Dissoziationsvermögen wurden bislang nicht gefunden.

Studien (z.B. Morgan/ Hilgard 1973) belegen, dass Kinder generell stärker in der Lage sind zu dissoziieren (bspw. aufgrund größerer Phantasiefähigkeit), als Erwachsene, denn mit zunehmenden Lebensalter lässt das Dissoziationspotential nach. Forscher (Kluft 1984; Hilgard 1977) gehen davon aus, dass Kinder und DIS- Betroffene bereits prädispositionell besonders suggestibel für Dissoziationen sind. Ihnen fällt es leichter in andere Bewusstseinszustände, fremde oder innere Welten zu wechseln und das Außen zu vergessen. Unter extrem belastenden Umweltbedingungen, wie DIS- Betroffene sie vorfanden, kann die eigene Dissoziationsfähigkeit im gleichen Maße zunehmen, wie sich die Suggestibilität zu Dissoziieren und die Absorptionsneigung erhöht. Voraussetzung für ein erhöhtes Dissozia

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