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Sozialarbeit in Europa Fachliche Dialoge und transnationale Entwicklungen von Erath, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2011
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (PDF)
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Sozialarbeit in Europa

In der deutschen Sozialarbeit war bislang die wissenschaftliche Reflexion eng national eingehegt. Ein Blick nach Europa über den deutschsprachigen Zaun hinweg fand kaum statt. Dabei bieten Theorien und Praxen aus anderen Ländern bei näherer Betrachtung überraschende Einsichten und zeigen alternative praktische Lösungen für die Probleme der Sozialarbeit auf. Die einzelnen nationalen Praxen lassen sich aufgrund ähnlicher Rahmenbedingungen (Modernisierung, Individualisierung, Ökonomisierung Europas, europäische Gemeinschaft) als gesellschaftliche Antworten auf ähnliche Fragen aufeinander beziehen, miteinander vergleichen und auf ihre Relevanz hin diskutieren. Im Mittelpunkt des Buches steht also die Frage, was die Sozialarbeit in Deutschland von Europa lernen kann. Das Buch liefert dafür nicht zuletzt einen Überblick über Beispiele von Best Practice, aber auch Bad Practice, über vorbildliche und weniger nachahmenswerte nationale Strategien und Praxen der Sozialer Arbeit.

Prof. Dr. Peter Erath lehrt Theorien der Sozialen Arbeit an der Fakultät für Soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 01.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170228801
    Verlag: Kohlhammer
    Größe: 7926kBytes
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Sozialarbeit in Europa

1 Sozialarbeit und Europa: Zur Geschichte eines komplizierten Verhältnisses

Die europäische Dimension im Bereich der Sozialarbeit in Deutschland ist bis heute im Verhältnis zu ihrer politischen Bedeutung und möglichen fachlichen Relevanz ein eher randständiges Thema gewesen. Nur wenige Wissenschaftler setzen sich mit ihr intensiv auseinander, die Mehrzahl von ihnen hält Sozialarbeit für eine vor allem national verortete professionelle Tätigkeit, deren identitärer Kern sich international formulieren, deren Praxis sich aber keinesfalls vergleichen lässt. Doch warum kann und soll Europa innerhalb dieses internationalen Kontextes der Sozialarbeit für Deutschland keine herausragende Rolle spielen? Dieser Frage soll in diesem ersten Kapitel nachgegangen werden.

Dazu wird in einem ersten Teilkapitel dargestellt, wie die ersten Lehrer und Praktiker der Sozialarbeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst einen ganz unbekümmert-neugierigen Blick auf "Ausländisches" geworfen haben (Kap. 1.1). Nach dem Dritten Reich, vor allem seit den späten 1960er Jahren entwickelte sich dann, ausgelöst durch Überlegungen hermeneutisch-kritisch orientierter Sozialpädagogen, eine Debatte zur Internationalität und Interkulturalität in der Sozialarbeit (Kap. 1.2). Seit den 1990 Jahren kann und will sich die Sozialarbeit dann nicht mehr völlig der europäischen Dimension verschließen. Trotzdem betrachtet sie diese aber weiterhin eher distanziert. Die Zurückhaltung begründet sich neben politischen und methodischen Vorbehalten insbesondere darin, dass Vertreter einer vorwiegend kritisch ausgerichteten Sozialpädagogik befürchten, dass eine europäische Sozialarbeit lediglich die gleiche affirmative und legitimatorische Funktion für einen europäischen (Super-)Staat einnehmen könnte, wie das ihrer Ansicht die nationalen Praktiken tun (Kap. 1.3). Seit 2000 und insbesondere als Konsequenz der Bologna-Reform setzt dann ein Boom europäischer Projekte vor allem in Form von Austausch- und Forschungsprogrammen ein. Doch auch jetzt noch wird der europäischen Dimension lediglich eine formale, aber keine inhaltliche Bedeutung beigemessen (Kap. 1.4). Eine Zusammenfassung schließt das Kapitel ab (Kap. 1.5).
1.1 Internationale Öffnung von Anfang an: das unbefangene Interesse der Sozialarbeit der Gründerjahre (1900-1920) am Fremden

Die Frage, seit wann im Bereich der Sozialarbeit eine internationale Perspektive entstanden ist, lässt sich nicht genau beantworten. Konkrete Spuren einer Öffnung lassen sich jedoch seit den Anfängen der professionellen Sozialarbeit, also etwa seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, finden und verfolgen (siehe zusammenfassend: Friesenhahn/Kniephoff-Knebel 2011, S. 15ff.). 11

Ein erster Austausch von internationalen Modellen lässt sich im Bereich der Sozialarbeiterausbildung nachweisen (Hamburger 2009, S. 2). Im engeren Sinne war es vor allem Alice Salomon, die in den 1920er Jahren die internationale Ausbildungsszene aufmerksam beobachtet und verschiedene Erkenntnisse curricular aufbereitet hat (Konrad 2009, S. 22).

"Wenn wir in der Sozialarbeit an besondere Aspekte der Methodenlehre oder die Theorie denken, dann kommen uns aus den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts sofort Namen wie Mary Richmond, Schweinitz u.a. in Erinnerung. (...) Die Kontakte der Zeit vor dem großen Emigrationsstrom verliefen aber nicht nur einseitig in Richtung von den USA nach Europa und Deutschland, sondern sie waren durchaus wechselseitig, wie wir etwa aus den verschiedenen Besuchen von Alice Salomon in Amerika wissen. Siddy Wronsky, eine deutsche Sozialarbeiterin, (...) war maßgeblich für die Entwicklung der Sozialarbeit und der sozialen Ausbildung in Palästina zuständig." (Pfaffenberger 2009,S. 8)

Auch Kreidenweis/Treptow (1990) weisen darauf hin, dass schon in den Anfängen der Verberuflichung der Sozialarbeit internationale Bezüge eine bedeutende Rolle gespielt haben. So war ihrer Ansicht nach in

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