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Abflug Transplantation Letzter Aufruf von Bischoff, Anika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Abflug Transplantation

'Frau Bischoff, Frau Bischoff, wir haben ein Organ für Sie. In zehn Minuten werden Sie abgeholt zum Waschen und Rasieren. Sollen wir Ihre Mutter anrufen?" Die Worte rissen mich aus dem Schlaf. Die Stimme klang so weit weg, die Worte aber umso klarer. Was habe ich in diesem Moment gedacht? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, was ich fühlte und das war Angst. Mein Schicksal hatte sich gegen das Sterben und für das Überleben entschieden. Was das bedeutete, wie schwer dieser Weg werden sollte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen.

Anika Bischoff, gelernte Bürokauffrau und Marketing-Referentin, kam 1984 mit einem genetischen Defekt zur Welt. 2014 veröffentlichte sie ihr erstes Buch: Hamburger Safari Tipps & Tricks für deine 1. USA Reise und berichtete dort über ihr Lieblingsurlaubsland Amerika. Die 2. Auflage erschien 2017. Im Dezember 2014 erlitt sie eine schwere Lungenentzündung, konnte aber durch großes Glück und eine Organspende gerettet werden. Diese Erfahrung wurde in ihrem Buch: Abflug Transplantation Letzter Aufruf (erschien 2016) verarbeitet. Frau Bischoff lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 116
    Erscheinungsdatum: 06.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741202094
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 598 kBytes
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Abflug Transplantation

Januar-Februar 2015

Die nasale Beatmung reichte nicht mehr aus. Ich wurde nun per CPAP Maske beatmet. Die Maskenbeatmung wurde meine Fessel. Ich bekam unter der Maske zwar Luft, aber ansonsten konnte ich nichts mehr machen. Nahm ich die Maske ab, bekam ich sofort einen Hustenanfall und meine Luft blieb weg. Niemals zuvor kannte ich derartige Atemnot oder hatte nur die leiseste Ahnung, wie sich diese anfühlte. Nun konnte ich ein Lied davon singen, wie es sich anfühlte zu ersticken und von welcher Panik dieses Gefühl begleitet wurde. Leider musste ich die Maske auch mal abnehmen. Wie sollte ich sonst essen und trinken? Das Essen verging mir recht schnell, ich wurde dünner und dünner. Mein Durstgefühl blieb, aber ich reduzierte das Trinken nur auf das Nötigste. Immer wieder keine Luft zu bekommen und diese Panik zu ertragen, hielt ich einfach nicht aus. Nachts lag ich wach, ich war durstig, meine Lippen trocken und dennoch verkniff ich mir zu trinken. Ich wollte die Maske nicht abnehmen. Man weiß gar nicht, wie viel Kraft und Atemluft man benötigt um zu trinken, bis sie einen genommen wird. Das Sprechen viel logischer Weise unter der Beatmung auch flach, also hatte meine Familie die Idee, dass ich per Block mit ihnen kommuniziere. Sie brachten mir ein kleines Ringbuch mit. Es hatte einen fröhlichen Delfin auf dem Blockdeckel. Dieses Ringbuch wurde nun zu meiner Stimme. So langsam begann ich den Ernst der Lage meines Zustandes zu verinnerlichen. Eine Embolie war kein Thema mehr. Ich hatte eine Lungen- und Leberentzündung. Und meine Lunge arbeitete gezielt auf ein Lungenversagen hin. Ich bekam von den vielen Untersuchungen und Arztgesprächen wenig mit. Durch die ständige Luftnot, bekam ich täglich allerhand Mittel gespritzt. Morphin wurde zu meinem besten Freund. Immer wenn ich es brauchte, hielt ich meine Hand ähnlich wie eine Pistole an meinen Kopf. Dort war der Zugang. Dann wusste der Pfleger, was ich von ihm wollte. Morphin half mir bei der Luftnot, ließ mich aber auch immer wieder einschlafen und sofort träumen. Ich hörte oft Stimmen vom Personal oder von Frank, wenn ich wach wurde, war aber niemand da. Ich träumte von meinem Leben, wie ich mit Mandy Schuhe kaufen ging und wie viel Spaß wir hatten. Als ich erwachte und realisierte, dass dies nur ein Traum gewesen war, ich in Wirklichkeit sterbenskrank war und mit Maschinen am Leben erhalten wurde, hätte ich heulen können. Aber auch zum Heulen braucht man Kraft und Atemluft, welche ich nicht mehr hatte. Mein Arzt Dr. S. von der Mukoviszidose Station kam oft vorbei. Er war bisher immer ein freundlicher, netter Arzt, der einen immer Hoffnung machen konnte. Jetzt betrat er mein Zimmer und lächelte nicht mehr. Ich fragte ihn jedes Mal, ob die Antibiotika anschlugen. Jedes Mal schüttelte er langsam den Kopf und sagte, dass sie die Medikamente erneut umstellen müssten, weil nichts half. Die gute Seele des Hauses, die Psychologin Frau W. kam mich regelmäßig besuchen. Bei ihr fühlte ich mich wohl, auch wenn sie nicht viel mehr für mich tun konnte, außer mir Mut zuzusprechen. Meine Mama und Frank kamen jeden Tag. Ich sah oft die Fragezeichen und die Verzweiflung in ihren Gesichtern. Irgendwas musste passieren, aber was? Nicht nur meiner Lunge ging es schlecht, auch meinem Darm. Ständig war ich aufgebläht, hatte keinen Appetit und bekam so allerhand Abführmittel. Husten und Abführmittel sind eine schlechte Kombination. Es endet damit, dass man hustet und dabei einmacht. Man kann es nicht verhindern. Mittlerweile machte ich also regelmäßig ins Bett und wurde dann vom Pflegepersonal - was auch noch Mitte 20 war - frisch gemacht. Ich wäre gern im Erdboden versunken. Ich schämte mich so. Täglich wurde ich trotz ECMO mobilisiert. Das sah dann so aus, dass mich bis zu vier Leute aus dem Bett zogen, ich mit Hilfe ein paar Mäuseschritte lief und auf einen Stuhl gesetzt wurde. Dort blieb ich dann 1-3 Stunden sitzen und wurde dann wieder ins Bett getragen

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