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Amos - Hitlers Schlachter von Danzig Erinnerungen an meinen Vater. von Amos, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Amos - Hitlers Schlachter von Danzig

September 1939, der Zweite Weltkrieg ist einige Tage alt. Herbert Amos, Großschlachter in Zoppot, besichtigt den Gotenhafener Schlachthof. 1936 gebaut, ist dieser der modernste Schlachthof Europas. Dort wartet man schon auf ihn: 'Herr Amos, Sie kennen den Führerbefehl, die Wirtschaft in den besetzten Gebieten sofort anzukurbeln. Wir sind der Meinung, dass Sie der richtige Mann sind, um dieses Unternehmen in Bewegung zu setzen. Werden Sie Hitlers Schlachter von Danzig hier in Gotenhafen!' 'Ich danke Ihnen für das mir entgegengebrachte Vertrauen', erwidert Amos. 'Ich bin bereit, den Befehl auszuführen.' Mit dieser Szene beginnt Jürgen Amos seine Geschichte über seinen Vater, seine Kindheit in der NS-Zeit, Krieg und Flucht...

JÜRGEN AMOS wurde 1934 in Danzig Langfuhr als erstes Kind des Großschlachters Herbert Amos geboren. Nach dem Krieg erlernte er ebenfalls das Schlachterhandwerk. Seit 1962 lebt er in Berlin. 1979 eröffnete er hier das Fast-Food-Restaurant 'Starburger', 1989 folgten zwei weitere 'Starburger'-Restaurants in Ostberlin, die Amos bis 2000 leitete. Begeistert von Günter Grass, der ebenfalls aus Danzig stammt, beschloss er, seine Erinnerungen und Gedanken aufzuschreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741206979
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 479kBytes
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Amos - Hitlers Schlachter von Danzig

Kapitel 1

Ein Ausflug ins Blaue

E in wunderschöner Spätsommertag in Zoppot, 20 Grad, blauer Himmel und Sonnenschein, leichte Ostseebrise, die Vögel zwitschern in den Bäumen, ein Tag wie geschaffen für einen Ausflug mit einem offenen Wagen. September 1939, der Zweite Weltkrieg ist einige Tage alt. Mein Pappa, Großschlächter in Zoppot, holt sein Adler Cabriolet aus der Garage, klappt das Verdeck zurück, fährt vier Häuser weiter die Heinrichsallee hinunter, holt dort seinen Freund Heribert Kammer, Polizeichef in Gotenhafen, ab. Sie setzen ihre Lederkappen auf und fahren über die Franziusallee in die Südstraße am Südbad vorbei, dann am Kurhaus und Casinohotel entlang, beides jetzt Hitlers Führerhauptquartier, in die Nordstraße, die Strandpromenade, links an den Tennisplätzen vorbei Richtung Polen, das jetzt besetzte Polen, eine Einfahrt ist nur mit Passierschein möglich. Diesen Passierschein hat Heribert Kammer für Pappa besorgt. Sie passieren den Kontrollposten ohne Probleme. Richtung Schlachthof. 1936 gebaut, der modernste Schlachthof Europas. Das weiß Pappa. In Chicago werden nach diesem System 12 Millionen Tiere jährlich geschlachtet. Dabei wird bereits eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 15 Minuten für die Schlachtung eines Rindes bis zu seiner Zerlegung erreicht, ausgeführt von ungelernten Einwanderern. Ein deutscher ausgebildeter Schlächter schafft das bestenfalls in acht Stunden. Ein Verhältnis von 15 Minuten zu acht Stunden pro Mitarbeiter. Unglaublich, seit über 80 Jahren arbeiten die amerikanischen Großschlächtereien schon nach diesem System. Europa wird erst ab 1960 danach arbeiten. Außer in Gotenhafen, einzig in Europa.

Henry Fords Ingenieur Taylor führte nach einem zufälligen Besuch Chicagoer Schlachthäuser deren Fließbandsystem in der Autoindustrie ein. Es war um 1900. Es waren die Schlächter, die das Fließband erfanden und nicht die Autobauer, die kopierten es nur, aber erfolgreich und global.

Pappa wollte das sehen. Nicht mehr und nicht weniger. Dort angekommen entstiegen sie dem Wagen und betraten den scheinbar verlassenen und leer stehenden Schlachthof. Es war doch jemand da. Es kam ihnen der ehemalige Technische Leiter, Aaron Kratzenstein, entgegen. Nachdem sie sich gegenseitig vorgestellt hatten, bot Herr Kratzenstein, der sehr gut deutsch sprach, wenn gewünscht, eine Betriebsführung an. Was dankend angenommen wurde. Der Rundgang begann. Sie betraten das Rinderschlachthaus und waren erstaunt über die einfache Schlachttechnik des Fließbandsystems, das die wahnsinnige Rationalisierung des Schlachtvorgangs ermöglichte. Das gleiche galt für das Schweineschlachthaus. In den USA, in Cincinnati, wurde schon um 1850 nach diesem System gearbeitet. Das gewaltige Gefrierhaus, das große Kühlhaus, die Gleisanschlüsse mit Rampen an den Viehställen für die Viehwaggons und die Viehlastwagen. An den Kühlhäusern und an den Gefrierhäusern die Rampen für Kühllastwagen und Kühlwaggons. Personalräume, Hygieneräume, Duschräume ausgelegt für 180 bis 200 Mitarbeiter. Ein Bürokomplex für die Verwaltung. Sie kamen aus dem Staunen nicht heraus. Ein Schlachthauskomplex, den es in dieser Qualität und Ausstattung in Europa sonst nicht gab. Stand die Belegschaft noch zur Verfügung? Oder war sie schon teilweise deportiert worden nach Posen? Offene Fragen. Sie bedankten sich bei Herrn Kratzenstein für die informative Betriebsführung. Dann tauschten sie Adressen und Telefonnummern aus und verabredeten sich für ein zweites Treffen am nächsten Vormittag auf dem Schlachthof. Pappa war elektrisiert und begeistert. Die Schlachthöfe in Danzig und Zoppot waren hinter dem Mond, eine Umstellung auf die Fließband-Schlachtung war dort bautechnisch unmöglich. Pappa war immer allem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen, aber was er hier so geballt an futuristischer Technik gesehen hat, hatte er sich vorher in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Er sagte zu seinem F

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