text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Blindgänger Das gewagte Leben des Steven Mack von Walter, Niels (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (PDF)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Blindgänger

Als Jugendlicher verbringt Steven Mack (25) jede freie Minute draußen in der Natur. Nur wenn er Wind und Wetter ausgesetzt ist, an Felswänden und über Abgründen hängt und unter freiem Himmel schläft, fühlt er sich lebendig. Steven klettert auf Gipfel, springt an Seilen von Bäumen und Brücken, taucht in vereisten Seen, lebt im Wald und übernachtet im Schnee. Auf seiner Suche nach Freiheit findet er fast den Tod. Bei einem Pendelsprung von der Ganterbrücke im Wallis reißen die Seile. Steven stürzt 150 Meter in die Tiefe. Ein Baum rettet ihm das Leben. Stevens Kopf ist schwer verletzt, sein übriger Körper übersteht den Aufprall auf wundersame Weise fast unverletzt. Als Steven Mack langsam aus dem Koma erwacht, ist er blind. Und - entdeckt eine neue Welt. 'In den Bergen sah ich immer die Sonne. Auch bei Wolken und Nebel, auch wenn es schneite und stürmte. Immer schien die Sonne für mich. Das kann ich erst jetzt sehen.' Steven Mack, zwei Jahre nach seinem Unfall.

Niels Walter, geb. 1972, ist Journalist. Mit zwanzig zog er nach Lateinamerika und arbeitete in Ecuador als Fischer auf hoher See. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz schrieb er für verschiedene Zeitungen. Von 1998 bis 2008 war er Redaktor und Reporter beim 'Tages-Anzeiger'. Seit drei Jahren ist er freischaffend tätig. Niels Walter lebt und arbeitet in Winterthur und immer wieder auch in Kuba, seiner zweiten Heimat.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635575
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 2124 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Blindgänger

Es war der 28. Mai 2006. Ein Sonntag. Steven und sein Bruder Brian standen um sieben Uhr morgens auf. Der Himmel über dem Zürcher Oberland war leicht bedeckt, die Luft war frisch. Ein gewöhnlicher Frühlingstag. Sie waren allein in der Wohnung in Volketswil. Die Mutter war mit ihrem Partner übers Wochenende ins Tessin gefahren.

Steven zog wie immer nur das Nötigste an. Shorts mit praktischen Beintaschen, ein blaues T-Shirt, leichte Trekkingschuhe. Die Brüder packten ein bisschen Proviant in einen Rucksack, Karabinerhaken, einen Klettergurt.

Vor dem Haus wartete Heinz, Brians Kollege aus der Nachbarsiedlung. Sie hatten schon im Sandkasten miteinander gespielt. Die drei gingen zu Fuß an Wohnblöcken, Schrebergärten und dem Dorfbach entlang zum Bahnhof Schwerzenbach, wo sie in den Zug nach Zürich stiegen. Dort, auf einem Parkplatz beim Hauptbahnhof warteten in einem dunkelgrünen Land Rover Defender fünf Kollegen, alle zwischen siebzehn und neunzehn Jahre alt. Stefan saß am Steuer. Der Geländewagen gehörte Jans Vater. Jan, Steven und andere aus der Clique waren in den letzten Jahren schon Tausende Kilometer mit diesem Auto gefahren. In die Schweizer Berge, an Felsküsten in Sardinien, Kroatien, Südfrankreich. Der Wagen bietet mit seinen längs im Heck eingebauten Sitzbänken Platz für acht Personen und viel Material.

Diesmal saß nicht Stevens übliche Clique im Auto, sondern eine zusammengewürfelte Gruppe: die zwei Brüder Steven und Brian Mack, Freunde und Kollegen von Kollegen. Ihr Ziel: das Wallis. Simplongebiet. Ganterbrücke. Abseilen, vielleicht Brückenspringen. Einfach einmal losziehen. Einen guten Tag in den Bergen erleben. Keiner wusste, was ihn an diesem Tag erwartete. Was der andere wagen, wer wie mutig sein würde. Steven, vor zwei Monaten zwanzig geworden, war der Älteste. Und der Einzige, der schon von Brücken gesprungen war. In den Bergen gilt: Wer am meisten Erfahrung hat, trägt die Verantwortung. Steven war an diesem Tag also verantwortlich für sieben Teenager. Er versuchte es locker anzugehen, machte die Sprüche, die er immer machte, wenn sie in die Berge fuhren, vor einem Abenteuer standen: "Ist euch bewusst, dass wir heute alle sterben können?" "Habt ihr euer Testament geschrieben?" Gelächter und Buhrufe im Wagen. Brian witzelte: "Steven, wenn du heute stirbst, will ich deine Stereoanlage erben."

Die Stimmung auf der Fahrt ins Wallis war eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung. Jeder im Auto kannte diese Gefühle: Man geht aus dem Haus, fährt los. Raus aus dem Dorf, der Stadt. Raus aus dem Alltag, weit weg vom Gymnasium, von der Lehre, der Berufsschule. Raus aus dem "zubetonierten Leben", wie Steven gerne sagte.

Raus. In die Natur. In die Welt, wo der Mensch ganz klein ist. Wo Berge den Himmel berühren, wo Steilwände in Schluchten enden, Wind und Wetter unberechenbar sind. Wo es unbeschreiblich schön ist, wild auch, und gefährlich. Wo man Berge bezwingen, Wände "rocken", sich abseilen und in die Tiefe stürzen kann. Die Macht der Natur hautnah spüren. Sich ihr aussetzen. Entgegenstellen. Sich mit ihr messen. Wer bezwingt wen? Es ist das Spiel um Kalkül und Risiko. Leben und Tod. Adrenalin pur. Die körpereigene Glücksdroge. Das war es, was die acht jungen Männer liebten.

In Kandersteg steuerte Stefan den Land Rover auf einen Waggon des Autoverlads der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn. Auf der anderen Seite des Tunnels, im Wallis, war das Wetter schöner. Ein starker Wind trieb einzelne große weiße Wolken vor sich her. Das Tal und die Bergflanken auf der anderen Seite leucht

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen