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Die Primaten von der Park Avenue Mütter auf High Heels und was ich unter ihnen lernte von Martin, Wednesday (eBook)

  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Die Primaten von der Park Avenue

Sozialforschung mit Glamour

Was passiert, wenn eine passionierte Sozialforscherin nach Manhattan zieht, um dort, mitten unter den Reichen und Schönen New Yorks, ihre Kinder zu erziehen? Sie betreibt Feldforschung: Mit dem geschulten Blick der Anthropologin hat Wednesday Martin über hundert Frauen in ihrer Nachbarschaft befragt und spart nicht mit Details, wenn sie die exotisch anmutende Spezies rund um den Central Park beschreibt: Sie beobachtet Frauen, die das eigene Penthouse führen wie ein Vorstandsvorsitzender ein Unternehmen. Sie trifft Absolventinnen renommierter Elite-Universitäten, die sich von ihren Millionen schweren Ehemännern einen "Hausfrauen-Bonus" diktieren lassen. Und sie erzählt von Müttern, die ihre Kinder zu Bestnoten pushen und die Organisation eines Kindergeburtstags zum Weltereignis erklären. Das (Selbst-)Diktat, als Mutter stets perfekt und sexy zu sein, kennen auch deutsche Frauen – härter als im New York der Upper East Side aber sind die Regeln nirgendwo.

"Eine unterhaltsame und scharfzüngige Demontage der New Yorker Upper Class von einer Außenseiterin mit Sitz in der ersten Reihe." The New York Times

"Eine bitterböse, urkomische Sozialstudie." InStyle

Wednesday Martin ist Anthropologin und Sozialforscherin, studierte in Yale und lehrte an der New School for Social Research in New York. Sie ist verheiratet, hat zwei eigene und zwei Stiefkinder und lebt mit ihrer Familie in New York City. Als Journalistin und Autorin schreibt sie vor allem über Themen wie Familie, Gender und Popkultur. Ihre Beiträge erscheinen u. a. in The New York Times, The Daily Telegraph und Psychology Today.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827078834
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 1556 kBytes
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Die Primaten von der Park Avenue

EINLEITUNG



Unter den ersten Geschenken zur Geburt meines älteren Sohnes befand sich auch ein Babybuch von einer alten Freundin, selbst Mutter zweier Kinder, die noch immer in dem kleinen Nest in Michigan wohnt, wo wir gemeinsam aufwuchsen. Mit dem Geschenk wurde mein Sohn willkommen geheißen, zugleich aber der Umstand gewürdigt, dass ich mittlerweile an einem Ort lebte, der so ganz anders war als die Stätte unserer Kindheit: New York City. Urban Babies Wear Black ist ein launig illustriertes Pappbilderbuch, das mit der Prägnanz einer fünfminütigen Soziologievorlesung darlegt, inwiefern sich Großstadtbabys von anderen Babys unterscheiden - vom Outfit (schwarz und stylish statt rosa oder blau und auf niedlich getrimmt) über die Ernährung (Sushi und Café Latte statt Hot Dogs und Milch) bis hin zur Freizeitgestaltung (Opern- und Galeriebesuche statt Spielplatzfreuden). Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Buch mir selbst deutlich besser gefiel als meinem Kind. Während unserer ersten gemeinsamen Wochen zu Hause las ich es ihm immer wieder vor. Manchmal ertappte ich mich sogar bei der Lektüre, wenn es gerade schlief.

Irgendwann dämmerte mir, dass der Reiz des Buches darin lag, dass es auch über die Mütter der Babys etwas zu sagen hatte. Wenn diese Wesen ihre Knirpse quer über die Buchseiten schoben, schubsten, schleppten oder chauffierten und ihnen städtischen Schick verpassten - ganz die Mama -, erhaschte man stets nur kleine, verführerische Ausschnitte von ihnen: hier High Heels, dort eine modische Hundeleine. Ob Nageldesign oder pelzbesetzte Babytragen, all das nahm ich, während ich meinem Sohn vorlas, genauestens unter die Lupe. Wer waren sie wirklich, diese glamourösen, mondänen Frauen mit ihren weltgewandten Babys? Was taten sie da eigentlich? Und vor allem: Wie taten sie es?

Ich wollte mehr über diese Großstadtbabymamis in Erfahrung bringen, denn ich wollte mehr über meine eigene Gesellschaftsgruppe wissen: Mütter in Manhattan. Als Frau im industrialisierten Westen bemutterte ich meinen Nachwuchs ganz anders als die Menschen, die ich im Rahmen meiner Arbeit als Sozialforscherin jahrelang studiert und beschrieben hatte (Schwerpunkt unter anderem: evolutionäre Geschichte und Vorgeschichte des Familienlebens). Jäger und Sammler oder Wildbeuter, die heute noch so leben wie einstmals unsere Vorfahren, ziehen ihre Kinder in der Gemeinschaft groß, in einem dichten sozialen Netzwerk von Müttern, Schwestern, Nichten und anderen Geschlechtsgenossinnen, die die Kinder anderer Frauen so zuverlässig versorgen (ja sogar stillen), als wären es ihre eigenen. Als meine Brüder und ich in Michigan aufwuchsen, konnte meine Mutter auf eine Variante dieses Unterstützungssystems zurückgreifen: Wenn sie Besorgungen erledigen oder ein Nickerchen machen wollte oder wenn sie sich schlicht und einfach nach der Gesellschaft von Erwachsenen sehnte, stand ein gutes Dutzend Nachbarinnen, allesamt Vollzeitmütter, als Quasi-Verwandtschaft bereit, um uns zu hüten. Für uns bedeutete es: mit anderen Kindern zusammen zu sein. Die Hinterhöfe, durch die Wohnungen, Mütter und Kinder miteinander verbunden waren, brachten ein Geflecht aus reziprokem Altruismus hervor: Hilfst du mir, so helf ich dir. Heute habe ich vom Küchenfenster aus ein Auge auf die Kinder, morgen bist du an der Reihe. Danke fürs Mehl; wenn der Kuchen gar ist, bring ich dir ein, zwei Stück vorbei.

In krassem Gegensatz dazu lebten mein New Yorker Großstadtbaby und ich trotz unserer Nähe zu so vielen anderen Menschen völlig isoliert. Meine Nachbarn in Downtown Manhattan waren so sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, dass ich sie fast nie zu Gesicht bekam. Ihre sämtlichen Aktivitäten spielten sich in geschlossenen Räumlichkeiten ab: in Büros, Apartments und Schulen, abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Meine Geburtsgruppe hatte ich verlasse

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