text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein unmögliches Leben Die außergewöhnliche Geschichte einer Frau, die die Regeln der Männer brach und ihren eigenen Weg ging von Shirley, Stephanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2020
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein unmögliches Leben

Als eine der ersten Frauen weltweit gründet Stephanie Shirley 1962 in ihrem Wohnzimmer eine Softwarefirma, lange bevor Computerprogramme alltäglich wurden. Mit der Idee Software zu verkaufen, ging sie neue Wege. Doch niemand reagiert auf ihre Angebote - weil sie eine Frau ist. Sie wird verspottet und ausgelacht. Erst als sie ihre Briefe mit ?Steve? unterschreibt, erhält sie nach und nach gewinnbringende Aufträge. Die Firma, in der sie nur Frauen anstellt, floriert bald und ermächtigt eine ganze Generation Programmiererinnen in einer Männerdomäne. Ihre Biografie erzählt eindrucksvoll vom steinigen Weg zum Erfolg, ihrem Kreuzzug für die Frauen und gibt auch sehr persönliche Einblicke in ihr Leben: in ihre Flucht im Zweiten Weltkrieg mit dem jüdischen Kindertansport von Wien nach England, in ihre Familiengeschichte und in den tragischen Verlust ihres autistischen Sohnes Giles. Eine inspirierende Geschichte über eine außergewöhnliche Frau!

Dame Stephanie Shirley ist eine britische Geschäftsfrau, IT-Pionierin und Philanthropin. Sie gründete in den Sechzigern die Softwarefirma "Freelance Programmers". Den größten Teil ihres Lebens widmete sie der Autismusforschung und den MINT-Fächern. Shirley zählt zu den 100 mächtigsten Frauen Großbritanniens.
Richard Askwith arbeitete als Redakteur für "The Independent" und ist preisgekrönter Autor von sieben Büchern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 21.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641257491
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Let it Go: My Extraordinary Story - From Refugee to Entrepreneur to Philanthropist
    Größe: 7221 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein unmögliches Leben

1.
Eine merkwürdige Reise

Meine erste Erinnerung an England ist die Ankunft am Bahnhof Liverpool Street. Es war ein grauer Tag im Juli, wenige Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ich weiß nicht mehr, ob es geregnet hat und wie spät es war, als ich aus dem Zug gestolpert und auf dem Bahnsteig gelandet bin. Ich erinnere mich nur an Schatten, an große gusseiserne Säulen, an lange Gänge und an meine Füße, die wehtaten.

Ich war fünf Jahre alt und zusammen mit meiner neun Jahre alten Schwester vor mehr als zwei Tagen in Wien zu dieser trostlosen, tränenreichen Fahrt aufgebrochen. Wir kannten kaum ein halbes Dutzend englische Wörter, und ich zumindest hatte nur eine sehr vage Ahnung davon, wohin die Reise gehen sollte und warum.

Wir zählten etwa tausend Kinder, alle jüdisch - abgesehen von zwei (!) jungen Frauen, die auf alle aufpassen sollten - und fast alle verstört. Um den Hals hatte man uns nummerierte Karten gehängt, als wären wir Fundsachen, was wir ja irgendwie auch waren.

Zweieinhalb Tage vorher hatten wir unseren Eltern (bei mir war es nur meine Mutter) Lebewohl sagen müssen, und die meisten von uns sahen sie nie wieder. Wir gehörten zu den letzten - und ich war fast das jüngste - von etwa zehntausend Flüchtlingskindern, die Hitlers Terror zwischen Hoffnung und Verzweiflung mithilfe dieses großen Glücksspiels namens Kindertransport entkommen konnten. Millionen von Juden in Deutschland und Österreich (und später in der Tschechoslowakei und in Polen) hatten sich lange Zeit gesträubt und das Undenkbare nicht glauben können: dass die zivilisierte Nation, in der ihr Leben verwurzelt war, in tödliche Barbarei verfallen war. Viele fügten sich in ihr Schicksal und beschlossen, auszuharren und darauf zu hoffen, dass sich alles zum Guten wenden würde. Andere wiederum schätzten die Situation richtigerweise so ein, dass Bleiben so viel hieß, als würde man das Todesurteil für seine Familie unterzeichnen. Aber die übrige Welt hatte ihre Grenzen für Flüchtlinge weitgehend geschlossen. Als sich dann im Vereinigten Königreich besorgte Gruppen zur Kindertransportbewegung Movement for the Care of Children from Germany zusammenschlossen (die später Refugee Children's Movement genannt wurde) und offiziell die Erlaubnis bekamen, bis zu zehntausend jüdische Kinder als Flüchtlinge ins Land zu holen, entschlossen sich einige Familien, die keinen anderen Ausweg mehr wussten, ihre Kinder nach Großbritannien in eine Pflegefamilie zu schicken. Meine Familie gehörte zu ihnen.

Im Rückblick und die behütete Sicherheit von heute als Selbstverständlichkeit betrachtend, kann man sich kaum mehr die seelischen Qualen vorstellen, die diese Eltern erdulden mussten. Ihnen wurde ein Übermaß an Vertrauensvorschuss und Vorstellungskraft abverlangt - Vertrauen auf die Freundlichkeit noch nie gesehener Fremder und eine Vorstellung davon, wozu der Nationalsozialismus letztendlich fähig wäre. Die Zweifel und die Verzweiflung müssen unerträglich gewesen sein.

Für uns Kinder war es einfacher. Das Leben, so wie wir es bisher kennengelernt hatten, war schon wieder zu Ende, kaum dass es begonnen hatte.

Längst nicht alle von uns hatten das volle Ausmaß des Schrecklichen erfasst, denn es schien ja so, als ob unsere Familien sich aus freien Stücken aufgelöst hätten. Ich vermute, dass sich meistens nicht einmal die Eltern der nackten Wahrheit gestellt, geschweige denn mit ihren Kindern unmissverständlich darüber gesprochen hatten. Aber die Abschiedsszenen auf dem Bahnsteig in Wien waren herzzerreißend. Es gab zu viele wehklagende Erwachsene und weinende Kinder, als dass die um Tapferkeit ringenden Gesichter noch hätten Hoffnung machen können. Vielleicht war noch das ein oder andere Kind unter uns, das tatsächlich glaubte, dass wir nur zu einem aufregenden Abenteuer aufbrachen. Aber es war schwer, die Wahrheit zu ignorieren, die aus den Au

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen