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Erinnerung an zu Hause Band II Gesammeltes aus der Grafschaft Glatz von Berke, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Erinnerung an zu Hause Band II

Dieser zweite Band der Reihe Erinnerungen an zu Hause enthält Notizen, Berichte, Buchauszüge des Grieben Reiseführer, familiäre Erzählungen, romanhafter Entwurf über eine zur Festungshaft verurteilte Dame. Als Ergänzung zum Band I vermittelt diese Veröffentlichung zeitgenössische Erlebnisse besonders in der frühen Nachkriegszeit von 1945/46.

Geboren am 18.11.1930 in Bad Landeck/NS. Aufgewachsen von 1932 bis 1941 in Glatz/Schlesien, danach wieder in Bad Landeck wohnhaft. Besuchte das altsprachliche Gymnasium in Glatz. Zu Ostern im Jahr 1946 nach Ostfriesland vertrieben. Drogistenlehre ab 1949 in Lingen (Ems). Danach innerhalb eines Familienunternehmens Aufbau eines Fotogroßlabors und Reorganisation mehrerer fotografischer Betriebe. Fast 45 Jahre Tätigkeit als Prokurist in den Fachbereichen Fertigung, Organisation, Logistik und Umwelt. Seit 1993 im Ruhestand. Berke ist verheiratet mit Frau Gisela, geborene van Kampen. Zwei Kinder Sohn Stephanus und Tochter Claudia. Der Autor fotografierte in zahlreichen Ländern auf mehreren Kontinenten und veröffentlichte Erzählungen, Romane, Fachliteratur, Bildbände und Bildberichte. Werke: Beachten Sie bitte meine Internetadresse: www.berke-online.de Lesungen: Terminvereinbarung über Telefon 0591-63 601

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 104
    Erscheinungsdatum: 20.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743160583
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 6066kBytes
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Erinnerung an zu Hause Band II

Die Reise nach Landeck

P aul hing im Halbschlaf im Sessel eines Autobusses. Qualvolle Erinnerungen marterten den Heimatvertriebenen. Er ärgerte sich, in dieses Fahrzeug eingestiegen zu sein. Grete, seine Frau, hatte ihn überredet. Sie, die Westdeutsche, wollte die Heimat ihres Mannes kennen lernen. Nach Osten rollte das Vehikel, zurück in die Jugend von Paul, in seine Kindheit.

Eine Ahnung vom Morgen des kommenden Maientages hing knapp über dem Horizont spiegelnd im Betonband der Autobahn. Langsam erwachten einzelne Reisende aus ihrem Dämmerzustand. Achtundzwanzig Frauen und Männer, ein zwölfjähriger Junge und Rainer, der Reiseleiter, hatten sich Otto, dem Busfahrer, anvertraut. In der Zeit der Spendensammlung für notleidende Polen des Jahres 1988 hatten sich die Reisenden aus unterschiedlichen Gründen dieser Fahrt angeschlossen. Einige von ihnen wollten die Menschen kennen lernen, denen die mitgeführten Altkleider geschenkt werden sollten. Andere nutzten die Gelegenheit erstmals einen Ausflug in die Schrecklichkeit des Sozialismus zu machen. Manche von ihnen interessierten sich für Land und Leute und für die Historie und vielleicht auch für die Kultur. Wenige waren dabei, die ihre einstige Heimat wiedersehen wollten. Die sogenannten Flüchtlinge oder Heimatvertriebenen, die Besitzer des Vertriebenen Ausweises A, sie, die ihre verlorene Seele suchten. Der Reiseleiter Rainer Krause und dessen Mutter Anna gehörten zu den Schlesiern. Auch Krauses Sohn Markus sollte das Land der Vorfahren kennen lernen. Obwohl er auf fremder Erde, im Westen, nahe der Grenze zu den Niederlanden geboren worden war, hoffte seine Großmutter Anna, dass Klein-Markus, entsprechend der Forderungen der Vertriebenenverbände, ebenfalls in den Besitz der begehrten Urkunde, des Ausweises A, gelangen würde. Von Generation zu Generation würde so der Status weitergereicht werden. Bis in ferner Zukunft die Schlesier wieder daheim wären, dann könnten sie die Ausweise wieder abgeben. Paul, auch er besaß dieses Dokument, stellte sich den neuen Schlesier als eine Mischung von Menschen mit unterschiedlichstem Erbgut vor. Bis die Leute Kehr ich einst in meine Heimat wieder singen würden, vergingen sicher mehrere Menschenalter. Dann würden Nachkommen zurückfluten, die aus den Vorfahren der Niedersachsen-Bayern-Schwaben-Schlesier entstanden. Schweizer-Österreicher-Italiener-Türken-Schlesier wären denkbar. Nicht zu vergessen, die Amerikaner-Vietnamesen-Thailänder-Kenianer-Schlesier und die reinen, allerreinsten

Schlesien-Schlesier mit einem Hauch von polnischem, russischem oder niederländischem, vielleicht auch französischem oder brabantischem Blut. Dieses ganze Gemisch würde die Reste des alten Lebenssaftes der Horden Tamerlans und Dschingis Khans, von gotischen Kriegsmännern und slawischen Soldaten auffrischen.

Das Gehirn von Paul dämmerte in der Vergangenheit weiter. So dachte er an die Silinger, die es schon seit eineinhalbtausend Jahren nicht mehr gibt. Diese zogen damals nach Afrika und auch die Wandalen, die Krieger der Zeitenwende, die mit den Silingern das Land an der Oder bewohnten, wanderten aus. Sie zerstreuten sich und vermischten sich mit anderen Völkern. Von Osten kommend sickerten in den entstandenen Leerraum Slawen ein.

Später, im 10. Jahrhundert, gelangte das Christentum über das heutige Tschechien, in die Gebiete jenseits der Elbe. In der folgenden Zeit versuchten Böhmen und Polen in kriegerischen Auseinandersetzungen die Vorherrschaft zu erlangen. Im Jahr 1137 fiel der größte Teil des Glatzer Berglandes im sogenannten "Pfingstfrieden" an Böhmen. Eigentlich gab es damals noch keine nationalen Hoheitsgebiete. Weder kannte man die Begriffe Polen, Deutschland, noch Böhmen, Mähren oder Tschechien, sondern nur Lehngebiete von Kaiser und Königen. So wurden große Teile des heutigen Polens und Tschechiens durch die Przemyslidenherrscher Boleslav I. erst 950 unter Kaiser Otto dem Große

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