text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Heimat-Lust Meine schwäbische Liebeserklärung von Wörner, Natalia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.06.2015
  • Verlag: Riemann
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Heimat-Lust

Endlich Heimkommen 18 Jahre alt ist Natalia Wörner, als sie ihre schwäbische Heimat verlässt. Sie bricht auf, um der Enge zu entfliehen. In Paris, Mailand, New York und Berlin macht sie Karriere als Model und Schauspielerin. Sie dreht mit international renommierten Regisseuren, erhält zahlreiche Auszeichnungen und wird von Ken Follett als attraktivste Frau bezeichnet, die ihm je begegnet sei. Was kann da noch passieren? Richtig: die Auseinandersetzung mit der Heimat. Schließlich muss man wissen, woher man kommt, um zu entscheiden, wohin man will. Dazu ist jetzt die richtige Zeit: Natalia Wörner nimmt uns mit zu ihrer persönlichen Heimkehr ins "Ländle", illustriert durch bisher unveröffentlichtes privates Fotomaterial. Natalia Wörner wurde 1967 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur ging sie nach Mailand, Paris und New York, wo sie als Model arbeitete. Am bekannten Lee Strasberg Institute in New York absolvierte sie ihre Schauspielausbildung. Heute lebt Natalia Wörner in Berlin und ist eine renommierte, international gefragte Schauspielerin (u.a. 'Die Säulen der Erde', 'Unter anderen Umständen', 'Die Kirche bleibt im Dorf'). 'Heimatlust' ist ihr erstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 15.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641158842
    Verlag: Riemann
    Größe: 9623 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Heimat-Lust

Mein Auftritt im ZDF-Dreiteiler "Tannbach" ist kurz: Zum Ende des Zweiten Weltkriegs rücken Amerikaner ins Dorf Tannbach ein, dessen Name frei erfunden ist, doch an ein reales Vorbild angelehnt wurde, dem Ort Mödlareuth zwischen Bayern und Thüringen. Die Gemeinde wurde 41 Jahre durch die innerdeutsche Grenze geteilt, was ihr den Namen "Little Berlin" eintrug. In "Tannbach" spiele ich die Gräfin Caroline von Striesow, deren Mann Georg an der Front desertiert ist und sich verborgen hält. Als das rauskommt, weigere ich mich, sein Versteck preiszugeben, worauf mich ein noch immer vom Endsieg überzeugter Nazi hinrichten lässt.

Nach meinem Filmtod wird erzählt, was in Geschichtsbüchern lückenhaft abgedeckt ist. Die Amerikaner ziehen ab, dafür kommen Russen. Sie vergewaltigen Frauen, erschießen Einwohner, etablieren ihr politisches System. Dann wechseln auf beiden Seiten der neuen Grenze Altnazis flugs die Uniform, schlüpfen nahtlos in neue Ämter. Bei der Aktion "Ungeziefer" werden Menschen ohne Rücksicht zwangsumgesiedelt, Familien auseinandergerissen. Von einem menschlichen Sozialismus, auf den nach dem Sündenfall des Tausendjährigen Reiches viele ihre Hoffnung setzten, ist nichts zu spüren. In diesem Film geht es um Schuld, Sühne und Heimat, drei Begriffe, die nicht voneinander zu trennen sind. Die Heimat der Menschen von Tannbach wird durch die Grenze zwischen den deutschen Staaten geteilt: Auf der einen Seite herrscht von nun an der Kommunismus, auf der anderen Seite der Kapitalismus, hier Ostblock, dort Westen. Selten ist ein Heimatkonflikt eindringlicher gezeigt worden und die Hilflosigkeit derer, mit diesem Schicksal fertig zu werden. Für mich war es nicht leicht, die Rolle der Gräfin an der Seite von Heiner Lauterbach als Georg zu spielen, da eine persönliche Erinnerung geweckt wurde. Auch der Vater meiner Mutter hieß Georg. Er fiel zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf rätselhafte Art und Weise, und Gerüchte und Wahrheit vermischten sich in den Erzählungen über ihn. Wahrscheinlich wurde er von rumänischen Widerstandskämpfern getötet, doch niemand weiß Genaues. Damit setzte ich mich während der Dreharbeiten auseinander und gleichzeitig mit der Frage, was Heimat an dieser willkürlich gezogenen deutsch-deutschen Grenze bedeutete.

In Mödlareuth und anderen Orten nahe der Mauer und des Todesstreifens prallten zwei verschiedene Lebensentwürfe aufeinander. Mir fiel eine Geschichte ein, die sich im Mittleren Schwarzwald zugetragen haben soll. Lange Zeit gehörte dieser Landstrich zu Österreich, wurde dann von Napoleon dem Königreich Württemberg zugeschlagen und kam nach einem Gebietstausch zum Herzogtum Baden. In einem Bauernhaus auf der wechselvollen Grenze änderte sich dadurch von Generation zu Generation die Konfession. Mal war man katholisch, mal evangelisch, dann wieder katholisch. Wenn Heimat nicht nur bedeutet, an einem Ort zu leben, sondern die Möglichkeit bietet, diesen zu gestalten, wirft Mödlareuth und der Schwarzwaldhof die Frage auf, welchen Einfluss wir überhaupt nehmen.

Ich erinnerte mich an die Erzählungen von Uroma Moni, die Ähnliches 2000 Kilometer weiter östlich in Kiew erlebte. Oder sollte ich Kyjiw schreiben, wie es in der Ukraine üblich ist, oder die russische Schreibweise Kijew verwenden, schließlich gilt diese Stadt seit der Zeit der Kiewer Rus als Mutter aller russischen Städte? Manche, die über Kiew berichten, ziehen die polnische Orthografie vor, weil die Stadt am Dnjepr im Mittelalter das Zentrum des Vielvölkerstaates Polen-Litauen war, in dem eine außergewöhnliche Religionsfreiheit herrschte, der viele noch heute nachtrauern. Heimatgefühl beginnt damit, welcher Sprache wir uns bedienen. Für Uroma Moni war das eine zentrale Frage: Ihr Vater, ein bedeutender Kaufmann namens Kommerell aus Tübingen, war 1879 mit seiner Frau nach Kiew ausgewandert. Dort gründeten sie einen großbürgerlichen russisch-schwäbischen Haushalt, in dem die Sprache s

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.