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Herbstblond Die Autobiographie von Gottschalk, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.04.2015
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Herbstblond

Vom Wettsofa auf Ihre Couch! "Wollen Sie mir unter die Schminke schauen? Wollen Sie wissen, was ich von Geld, Glamour, Gott und Gottschalk halte? Dann folgen Sie mir hinter die Kulissen meines Lebens. Dieses Buch ist mein Dank dafür, dass Sie mich fast vierzig Jahre in Ihr Wohnzimmer gelassen haben." Thomas Gottschalk Thomas Gottschalk brachte frischen Wind ins Radio und prägte einen neuen Stil der Fernsehunterhaltung. Als Kinostar und Werbefigur wurde er Kult, als Showmaster ist er Legende - zwei ganze Generationen sind mit ihm aufgewachsen. Aber auch wenn 98 Prozent der Deutschen sagen, dass sie Thomas Gottschalk kennen, hat sich doch nur ein winziger Teil seines Lebens im Licht der Scheinwerfer abgespielt, und vieles, was backstage abgelaufen ist, war spannender, lustiger und ehrlicher als das, was die Kameras eingefangen haben. Zum ersten Mal erzählt Thomas Gottschalk jetzt aus seinem Leben: von der Kindheit und Jugend im fränkischen Kulmbach, von seinem Aufstieg zum Medienstar und seinen Begegnungen mit den Großen dieser Welt, von Rückzugsorten und Glücksvorstellungen, von Familie und Freunden, tragischen und glanzvollen Momenten. So nah wie in diesem Buch ist Thomas Gottschalk uns noch nie gekommen: nachdenklich, selbstironisch, lebensklug und ehrlich. Thomas Gottschalk wurde am 18. Mai 1950 in Bamberg geboren. Er startete seine Karriere beim Bayerischen Rundfunk. Mit der Sendung "Na sowas!" gelang ihm der Durchbruch im Abendprogramm des ZDF. 1987 übernahm er das Unterhaltungs-Flaggschiff "Wetten, dass..?" und moderierte bis 2011 151 Sendungen. Gottschalk ist seit 1976 mit Thea verheiratet. Er hat zwei Söhne und zwei Enkel und lebt in Süddeutschland und den Vereinigten Staaten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 27.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641153076
    Verlag: Heyne
    Größe: 5720 kBytes
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Herbstblond

I n meinem Alter wäre es töricht, mir einzureden, dass die beste Zeit meines Lebens noch vor mir liegt. Man mag darüber streiten, ob ich schon durchs Ziel bin oder kurz davor, aber ich habe nicht die Absicht, mich an dieser Diskussion zu beteiligen, solange ich selber noch nicht weiß, wo ich hinwill. Was ich dagegen genau weiß, ist, woher ich komme.

Hätte ich die Wahl gehabt, wäre ich gern zur Hochblüte der Romantik oder im Zeitfenster des Sturm und Drang unterwegs gewesen. Mit dem romantischen Dichter Joseph von Eichendorff verbindet mich nicht nur Aus dem Leben eines Taugenichts - eine Biografie, der ich schon früh zu folgen beabsichtigte -, sondern auch eine gewisse schlesische Noblesse.

Die Blaublütigkeit meiner Mutter verliert sich zwar im Nebel diverser "Rittergietl", also: Rittergüter, von denen bei uns in jeder zweiten Flüchtlingsgeschichte gefaselt wurde, aber ansonsten ist die Herkunft meiner Eltern unstrittig. Mein Vater kam aus dem niederschlesischen Örtchen Kaulwitz und kaufte mir später einen riesigen Atlas nur deswegen, weil er diesen Flecken darin gefunden hatte. Meine Mutter stammte aus dem oberschlesischen Oppeln, genauer gesagt aus Groschowitz. Ich verstand mich also nicht nur als Schlesier, sondern ich verstand auch Schlesisch. Der Schemel war bei uns zu Hause eine "Ritsche" und die Pfütze eine "Lusche", ich sollte weder "rumgameln" (trödeln) noch auf dem Eis "kascheln" (rutschen). Es gab manchmal Buttermilchsuppe, die "Polifka" hieß, und ein Weihnachten ohne "Mohnkliese" (Mohnklöße) war sowieso undenkbar.

Der Oberschlesier neigt zum Maulheldentum, was dafür spricht, dass man gewisse genetische Konditionierungen bei mir nicht außer Acht lassen darf. Meine Großmutter soll die jüdischen Weinhändler, die das Restaurant ihrer Eltern, die "Villa Nova", belieferten, und die polnischen Zugschaffner, denen sie auf dem Weg zur Schule begegnete, treffsicher imitiert haben. Hildegard, die Schwester meiner Mutter, trat schon im zarten Alter von zwölf Jahren als Nachwuchspianistin im Rundfunk auf. Mein Vater hingegen trat nirgendwo auf; er fiel auch nie auf, auch dann nicht, als er als "Extranier" mit zäher Selbstdisziplin das Abitur nachholte, das ihm als Bauernsohn auf normalem Wege verwehrt geblieben war. Von ihm habe ich nur die Nase geerbt. Das flusige Haupthaar und die große Klappe kamen von Mutti, der man bereits in einem frühen Schulzeugnis bescheinigte: "Rutila neigt zum Widerspruch."

Völlig mittellos hatten sich meine Eltern 1945 im Auffanglager Hof wiedergefunden - 30 Kilometer von Kulmbach ent fernt. Sie hatten mitten im Krieg in Karlsbad geheiratet und sich danach in den Kriegswirren aus den Augen verloren. Warum sie gerade in Oberfranken gelandet waren, wusste bei meiner Ankunft niemand mehr, aber ich hatte auch nie Anlass, diese Wahl zu beklagen. Meine Eltern hatten das ebenso wenig, denn die wackeren Kulmbacher, die auf Nachnamen wie Murrmann oder Dörnhöfer hörten, mussten sich damit abfinden, dass nach Kriegsende die Trzcezioks oder Kosytorzs schwarmartig in die Kleinstadt am Zusammenfluss des Roten und des Weißen Mains einfielen.

Kulmbach war der Zerstörung weitgehend entgangen. Die Naziorganisation Todt hatte zwar auf der Plassenburg über der Stadt spa

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