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Karl Mannheims Kultursoziologie Eine Einführung von Corsten, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2010
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Karl Mannheims Kultursoziologie

Karl Mannheim gilt als Klassiker der Soziologie. Dass seine Kultursoziologie aber auch auf die aktuellen Gesellschaftswissenschaften großen Einfluss hat, zeigt Michael Corsten in seiner Einführung in das Mannheim'sche Werk. Das wechselseitige Verhältnis von Kultur und Gesellschaft sieht er dabei als Schlüssel zum Denken des Soziologen. Der von Mannheim entwickelte 'dynamische Relationismus' dient auch heute noch dazu, die Beeinflussung von Kultur und Gesellschaft durch ihre Zeit und den sie umgebenden Raum zu analysieren. So hilft beispielsweise seine Definition von Generationen zu verstehen, warum diese einen jeweils eigenen Stil ausprägen. Michael Corsten nimmt sich mit dieser Einführung der überfälligen Aufgabe an, die Arbeiten Karl Mannheims in ihrer Gesamtheit zu betrachten und ihre internen Zusammenhänge nachzuweisen. Michael Corsten ist Professor für Soziologie an der Universität Hildesheim.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 222
    Erscheinungsdatum: 08.03.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593408354
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3274 kBytes
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Karl Mannheims Kultursoziologie

4. Dynamischer Relationismus - Ideologie und Utopie (S. 115-116)

"Ich bin ferner nicht gegen, sondern ausdrücklich für Metaphysik und Ontologie, lehre sogar ihre Unentbehrlichkeit für die seinsverbundene Art der Empirie und bin nur dagegen, dass sie unerkannt ihr Wesen treibt und Partialgeltungen verabsolutiert."

In den bisherigen Kapiteln haben wir uns mit Argumentationsfiguren Mannheims aus seinen frühen Arbeiten Anfang bis Mitte der 1920er Jahre beschäftigt. Dabei erwies sich sein Verständnis von "Weltanschauung " als eine Totalität beanspruchende Substanz als erkenntnisleitend sowohl für die Profilierung der kultursoziologischen Grundkategorien als auch für die Entfaltung methodischer Regeln der Sozial- und Kulturforschung.

Mit seiner Studie zu Ideologie und Utopie wird Mannheims Verständnis der Kategorie der Weltanschauung abgerundet. Ausgangsproblem ist die zu seiner Zeit "fraglich gewordene Lebenslage" (IU: 49), die für ihn weniger in den politischen und ökonomischen Krisen der 1920er Jahre ersichtlich wurde als in einer "Krisensituation des Denkens" (IU: 51). In den geistigen Phänomenen der Ideologie und der Utopie drückt sich für Mannheim das fraglich gewordene Denken seiner Zeit aus. Daher setzt er sich zwei Aufgaben: (1) Die Ideologiehaftigkeit des Denkens in ihrer vorliegenden Fassung präzise zu erfassen. Diesem Aspekt widmet sich Mannheim mit dem Abschnitt zu der Frage, ob "Politik als Wissenschaft möglich" sei. (2) Er rekonstruiert die utopischen Elemente im sozialen und politischen Bewusstsein, um die sinngenetischen Voraussetzungen des gesellschaftlichen Strukturwandels offenzulegen. Dies geschieht in dem Abschnitt zum "utopischen Bewusstsein".

Die heute geschlossen wirkende Monographie "Ideologie und Utopie" ist insofern - ähnlich wie die meisten anderen Beiträge Mannheims - eine Zusammenstellung verschiedener Abhandlungen, die eben kein in sich geschlossenes Werk darstellt. Zudem liegt sie heute nicht in der Originalfassung von 1929, sondern in der Übersetzung der englischsprachigen Fassung von 1937 vor. Ursprünglich erschienen 1929 lediglich die Kapitel zwei bis vier der heute bekannten Version. Erst 1952 wurde eine deut sche Fassung des Buches wiederaufgelegt, allerdings einschließlich einer Übersetzung der englischen Einleitung und dem Handbucheintrag "Wissenssoziologie" aus dem Jahr 1931.

Seitdem ist sie in acht Auflagen erschienen. Im Zentrum der drei Kapitel der ursprünglichen Fassung stehen die oben schon genannten Abhandlungen zur "Politik als Wissenschaft" und zum "utopischen Bewusstsein". Gerahmt werden diese beiden empirisch angelegten historisch-soziologischen Einzelstudien durch die allgemeinen Überlegungen zu "Ideologie und Utopie", in denen Mannheim seinen Standpunkt des "Dynamischen Relationismus" erstmals in geschlossener Form erörtert und verteidigt. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns nun vor allem mit den rahmenden, grundlagentheoretischen Überlegungen zu "Ideologie und Utopie", die vorwiegend im heutigen zweiten Kapitel und teils im vierten Kapitel aufzufinden sind. Auf den Handbuchartikel zur Wissenssoziologie gehe ich lediglich in Definitionen prüfender Absicht und rekapitulierend ein.

4.1 Denkkrisis und der Verdacht der "totalen Ideologie"

Die Krise des Denkens ergibt für Mannheim aus der Diskreditierbarkeit von Ideen. Die aus seiner Sicht 'naive' Vorstellung von Ideen als "unbezweifelbare " Voraussetzungen der Erkenntnis und des Seins werde durch die "Möglichkeit des 'falschen Bewusstseins'" tangiert. Schon im 19. Jahrhundert liegt mit der Marx-Engelschen Kritik an der "Deutschen Ideologie" der Junghegelianer eine Argumentation vor, die einen weltanschaulichen Standpunkt als "Ideologie" systematisch fehlerhaft und in dem Sinn als "falsches Bewusstsein" entlarvt. Wie können wir Ideologie als falsches Bewusstsein zunächst einmal alltäglich verstehen? Gelegentlich tref

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