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Mein Leben von Scholl-Latour, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2015
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Mein Leben

Das Vermächtnis des legendären Journalisten
Peter Scholl-Latour war über Jahrzehnte eine Institution im Journalismus. Mit Tod im Reisfeld schrieb er eines der bis heute weltweit erfolgreichsten Sachbücher; seine Analysen zu Konflikten und aktuellen Entwicklungen waren bis in sein hohes Alter gefragt. Seine Autobiografie hat er lange hinausgeschoben. In seinen Erinnerungen blickt er zurück auf seine Herkunft, auf frühe Erfahrungen mit Unterdrückung - als Sohn einer jüdischen Mutter -, auf die langen Wochen in einem Gestapo-Gefängnis und auf seine ersten journalistischen Abenteuer. Er berichtet von seinen unzähligen Reisen in Kriegs- und Krisengebiete, die ihn nicht selten in lebensgefährliche Situationen brachten. Politiker, Generäle, Rebellenführer - Scholl-Latour kannte viele, die an den Brennpunkten des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle spielten, und stets versuchte er, mit allen zu reden, um eine ausgewogene, realistische Sicht zu vermitteln. Im Rückblick reflektiert er viele Erlebnisse und Begegnungen vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen. Mitten in der Arbeit an diesem Buch wurde er aus dem Leben gerissen. Seine Erinnerungen bleiben unvollendet. Aber sie lassen noch einmal seinen unverwechselbaren Ton, seine packende Art zu erzählen und seine direkte, nie auf political correctness bedachte Urteilskraft lebendig werden.

Peter Scholl-Latour wurde 1924 in Bochum geboren. Neben einer Promotion an der Sorbonne und dem Diplom des Institut National des Sciences Politiques in Paris erwarb er an der Libanesischen Universität Beirut das Diplom für arabische und islamische Studien. Seit 1950 arbeitet er als Journalist, u. a. viele Jahre als Korrespondent in Afrika und Indochina, als Studioleiter in Paris, als Fernsehdirektor des WDR, als Herausgeber des 'Stern'. Zu seinen größten Erfolgen als Buchautor zählen die Bestseller 'Der Tod im Reisfeld' (1980), 'Der Wahn vom Himmlischen Frieden' (1990), 'Eine Welt in Auflösung' (1993), 'Das Schlachtfeld der Zukunft' (1996) und 'Lügen im Heiligen Land' (1998). Mit dem vorliegenden Buch schließt sich thematisch der Kreis zu einem seiner frühen und wichtigsten Werke: 'Mord am großen Fluß - Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit' (1986).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 02.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641184216
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 9946kBytes
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Mein Leben

Avant-Propos

Tourrettes-sur-Loup, Januar 2012

Welcher Dämon mag mich wohl an jenem sonnigen Nachmittag im Münchner Verlagshaus geritten haben, als ich meine Unterschrift unter den Vertrag setzte, der mich zur Niederschrift einer Autobiographie verpflichtete? Das war im Jahr 2000, wenn ich mich recht erinnere. Die finanziellen Bedingungen, die Garantiesumme, die mir zugestanden wurde, ging nicht über den bei mir üblichen Vorschuß hinaus. Ein rivalisierender Verlag, der sich offensichtlich von dieser Lebensbeichte einen sensationellen Auflageerfolg versprach, wollte mir das Doppelte bieten. Aber dann hätte ich mich unverzüglich an das Verfassen dieses Opus machen müssen, während Random House, wie sich der Buchvertrieb des Bertelsmann-Konzerns im Zuge der üblichen Verbalamerikanisierung umbenannt hatte, gar nicht versuchte, mir einen präzisen Erscheinungstermin vorzuschreiben.

Ich war damals sechsundsiebzig Jahre alt, und es mag lächerlich klingen, daß ich in diesem hohen Alter verlangte, das Projekt auf die lange Bank zu schieben, an seine endgültige Gestaltung erst heranzugehen, "wenn ich im Rollstuhl" säße, wie ich mich recht überheblich äußerte. Die Publikation einer Autobiographie, das verspüre ich auch heute noch, droht einen Schlußstrich zu ziehen unter jede schriftstellerische Kreativität. Im Unterbewußtsein könnte auch die Freude an neuen, originellen Erlebnissen erlöschen, an jenen "émotions fortes", die meinem Leben einen Sinn gegeben haben.

Während ich diese Einleitung - gemäß dem Prinzip "nulla dies sine linea - kein Tag ohne geschriebene Zeile" - zu Papier bringe, ist der dichte, feuchte Nebel aufgerissen, der das Dorf Tourrettes-sur-Loup seit zwei Wochen in ligurische Trübsal hüllt. Am späten Nachmittag kommt jenseits der Zypressen und Agaven des Gartens eine strahlende Bläue auf, der dieser Landstrich den Namen Côte d'Azur verdankt. Über dem Esterel-Massiv, das im Mittelalter erobernden Sarazenen als Bollwerk diente, verfärbt sich der Horizont zu einem Purpurstreifen. In diesem Winter trennen mich nur noch ein paar Wochen von meinem achtundachtzigsten Geburtstag. So vermessen es klingt - bis zum Abschluß dieser Memoiren, deren Präambel ich zögernd beginne, hoffe ich, meinen weltweiten Peregrinationen, die seit sieben Dekaden andauern, noch die eine oder andere Episode hinzuzufügen.

Zu Füßen der Terrasse, die Eva ausbauen ließ, damit der Blick sich in ganzer Breite auf das Mittelmeer öffnet, umsäumt eine unberührte Waldlandschaft die steile Felsschlucht des Flüßchens Loup. An der Küste, in vierhundert Meter Tiefe und gebührender Entfernung, täuscht der Hafen Antibes ein makellos weißes Stadtbild vor. Der ursprüngliche Name Antipolis erinnert daran, daß griechische Händler diesen Strand besiedelten, lange bevor er der Provincia Narbonensis des Römischen Reiches einverleibt wurde. Jenseits der Fluten des geschichtsträchtigsten aller Binnenmeere, das mit aufkommender Dämmerung zur grauen Bleiplatte erstarrt, bilde ich mir ein, die Nähe der afrikanischen, der maghrebinischen Gegenpiste zu spüren. Wenn in heißen Sommern der Schirokko aus Süden bläst, übersprüht er die Mauern des Dorfes Tourrettes, dessen verschachtelte Silhouette einer maurischen Kasbah ähnelt, mit einer dünnen Schicht roten Treibsandes, der aus der Sahara herüberweht.

Ich werde mich bemühen, den Abschluß dieses Buches so lange hinauszuzögern, bis meine Kräfte vollends erlahmen und "Freund Hein", wie man früher einmal sagte, seinen Schatten auf mich wirft. Vorbildlich hat sich in dieser Hinsicht Joachim Fest verhalten, dem ich mich stets verbunden fühlte. Sein Bericht über eine ungewöhnliche Jugend im Dritten Reich, "Ich nicht", war unmittelbar vor seinem Tod erschienen. Was die ehrenden Reden betrifft, die einem mit Erreichen des biblischen Alters, bei Preisverleihungen oder runden Geburtstagen gewidmet werden, so haben sie stets den ungewollten Klang eines

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