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Nichts als die Wahrheit von Bohlen, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Nichts als die Wahrheit

Dieter Bohlen kennt nicht nur die ganze Wahrheit, sondern auch keine Tabus: In seinem Buch erzählt er das Abenteuer seines Lebens und enthüllt die bestgehüteten Geheimnisse der Promi-Szene. Herrlich ehrlich, äußerst aufschlussreich und ausgesprochen amüsant!

Dieter Bohlen, Musiker, Produzent und Buchautor, hat weltweit mehr als 160 Millionen Tonträger verkauft. Neben den legendären Modern Talking produzierte er unter anderem Mark Medlock, Yvonne Catterfeld, Alexander Klaws, Bonnie Tyler und Dionne Warwick. Seit 2002 ist er Chef-Juror bei Deutschland sucht den Superstar und Supertalent, den beiden erfolgreichsten TV-Formaten im deutschen Fernsehen. Für seine Leistungen erhielt er die Goldene Kamera, den Bambi, die Goldene Stimmgabel, den Goldenen Löwen, mehrfach den Deutschen Musikpreis ECHO, die Goldene Feder für sein erstes Buch 'Nichts als die Wahrheit' sowie als erster deutscher Musiker den BRAVO Platin-Otto.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 13.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641122034
    Verlag: Heyne
    Größe: 9415 kBytes
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Nichts als die Wahrheit

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Also ich sag mal so: Wenn andere mit dem goldenen Löffel im Mund geboren werden, dann sind's bei meinen Ahnen Mistgabel und Sahnespritztüte. Oma und Opa Bohlen waren Schweine- und Kuh-Bauern in der dunkelsten Ecke von Ostfriesland, irgendwo an einem Kanal. Außer Schweinen und Kühen hatten sie noch elf Kinder. Ich kann von Glück sagen, dass mein Vater ein echter Sturkopp ist und unbedingt Abi machen wollte. Sonst würde ich jetzt vielleicht auch mit Gummistiefeln hinterm Deich rumhopsen und an Kuheutern rummachen. Oder ich wäre Otto Waalkes geworden, auch ein Absturz.

Der wichtigste Mensch, die allergrößte Liebe meines Lebens ist Mamas Mama: meine Oma Marie. Alles was ich bin, bin ich durch sie. Sie war etwas absolut Einmaliges. Dass ich ihr Enkel war, gab mir schon früh das Gefühl, auch etwas Besonderes zu sein. Sie ist die Person, die in mir den Keim gepflanzt hat, meinen Träumen zu folgen. Dazu muss man wissen: Oma Marie war Hausfrau in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, und flüchtete nach dem Krieg mit Opa Wilhelm, einem Konditormeister, fünf Kindern und einem megamäßig leckeren Rezept für Erdbeertorte in die Nähe von Oldenburg. Opi starb früh an Leberkrebs, Oma Marie war Oma Courage, strickte, häkelte, machte morgens, mittags, abends Essen. Sie konnte das beste Kaninchen auf diesem Planeten, das spickte sie mit Knoblauchzehen, bis es aussah wie ein Igel. Immer wenn der kleine Dieter ein Jahr älter wurde, steckten seine Kerzen quasi nicht im Kuchen, sondern im Karnickel, ihr Geburtstagsgeschenk für mich. Für mich war sie die schönste Frau der Welt, sie schnitt sich nie die Haare und hinten am Kopf, weiß ich noch, hatte sie so eine Schnecke aus geflochtenem Haar kleben. Von ihr kriegte ich dieses Antennenmäßige, was ein Mensch haben muss, um Komponist zu sein. "Vor den Erfolg hat der Heiland den Schweiß gesetzt", "Du sollst immer ehrlich sein" – ihre Schnacks waren meine Werte, ich sag immer: Mein Neues Testament stammt nicht von Gott, sondern von Omi.

Wenn sie mal was geschenkt bekam, was in unserer Familie zweimal in fünf Jahren passierte, bunkerte sie es gleich in der Kommode, "für schlechtere Tage", wie sie meinte. Ich halte es seit Kindheit genauso: Anzüge erst mal in den Schrank, alles Teure schnell ab in den Safe. Und später, wenn ich alles wieder vorholen will, merke ich manchmal: "Ist ja schon total out, das Teil." So liegt zum Beispiel seit Jahren eine 18-Karat-Cartier-Uhr – so mit dickem Gold drum rum – in meinem Tresor. Die kann man eigentlich nur noch anziehen, wenn man Dealer in Herne-Süd werden will und Sätze sagt wie: "Ey, du voll fett der krasse Macker!"

Omi hatte eine russische Seele: erdig, schwermütig, melancholisch, dieses ganze Moll-Feeling in meiner Musik habe ich von ihr. "Herrr, gäh vorrann auf derrr Lebbensbahn!", sang sie immer mit zittriger Stimme in ihrem Memel-Ecke-Ostpreußen-Akzent, der so angenehm rollt und so ein Wohlfühlen und eine Gemütlichkeit im Bauch macht. Und den ich noch heute im Ohr habe. Oder sie schimpfte: "du Lorrrrbass", "du fetterrrr Borrrrcher", was so viel heißt wie "du Lümmel", "du Wutz". Damit meinte sie mich, ihren Enkel. Vor einem Konzert in Danzig drückte ich mal einer bettelnden alten Mutti einen Tausender in die Hand, nur weil sie mich so an Omi erinnerte. Als sie vor ein paar Jahren starb, meine Omi, war das Am-Grab-Stehen für mich, wie fünfzig Prozent von mir mit einzubuddeln. Könnte ich jetzt wie E. T. in den Himmel telefonieren, wo sie sicherlich dem lieben Gott

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