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Nichts als lose Blätter Erinnerungen. von Schweinberger-Kröll, Sabina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Nichts als lose Blätter

Sabina ist auf einem Bergbauernhof im österreichischen Neukirchen am Großvenediger geboren. Die Schulzeit begann mit dem Einzug des Hitlerregimes 1938. Das ohnehin harte Leben in diesen Regionen wurde für die Menschen in den Familien durch die fehlenden Männer, die zum Kriegsdienst eingezogen wurden, eine große Herausforderung. Doch das karge Dasein mit allen Unzulänglichkeiten bot auch etwas, wonach wir "Heutigen" uns immer mehr sehnen: die Wärme und die Geborgenheit eines mit allen Sinnen erfahrenen Lebens im Jahreskreislauf der Natur. Für die junge Sabina legten diese Lehrjahre und die anschließende Auslandszeit in einem Schweizer Unternehmerhaushalt den Grundstein für ihre spätere Selbstständigkeit als Bewirtschafterin der Zittauerhütte. Rund 80 Jahre lang hat Sabina ihre Gedanken und Erlebnisse in Schulheften, Kalendern und Zetteln in kurzen Notizen festgehalten, bis sie sich entschloss, ihre Erinnerungen zu einem Manuskript zusammenzufügen. Gewidmet hat sie das Buch nicht nur ihren Kindern, Enkelkindern und Geschwistern, sondern auch "all jenen, die am Leben vorbeieilen". Sabina Schweinberger-Kröll wurde 1931 im österreichischen Neukirchen am Großvenediger geboren, wo sie auch heute noch lebt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder sowie zwei Enkelkinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 31.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743185586
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 9799kBytes
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Nichts als lose Blätter

Kindheits-Missgeschicke

Ein Ereignis, eigentlich war es ja ein Unglück, das mir im wahrsten Sinne des Wortes Schmerzen bereitet hat, ist mir fest in Erinnerung geblieben. Nicht nur ich, sondern alle haben darunter gelitten.

Es war ein schöner Tag. Die Sonne heizte vom Himmel herunter, und die Großmutter wollte im Küchengarten Kräuter pflücken und ich sollte ihr helfen. Die Kamillen blühten und dufteten, der Wermut, der Eibisch und die Minzen waren schon in den Leinensäcken auf dem Dachboden, der Kümmel hing, in ganzen Stauden in ein schleißiges (vom vielen Waschen fadenscheinig gewordenes) Leinentischtuch gebunden, auch dort. Daneben befand sich ein großes Wespennest. Den Wespen beim Ankommen und Wegfliegen zuzusehen war abenteuerliche Neugierde und Ängstlichkeit zugleich. Seit dem Mittagessen war ich bei der Großmutter im Garten und half ihr, Kamille zu pflücken. Auf meine Frage, warum wir alle Pflanzen heute pflücken müssten, erwiderte sie, ich solle in den Himmel hinaufschauen. "Da schwimmen die Fischlein und das bedeutet Föhn, da kann das Wetter ganz schnell umschlagen, wenn der Tauernwind auslässt. Das wäre doch schade um den guten Tee." Föhnwolken sind mit ein wenig Fantasie Fischlein am blauen Himmel.

Ich hatte inzwischen einen Marienkäfer entdeckt und ließ ihn über meinen Handrücken laufen. Warum der kleine rote Käfer schwarze Punkte hatte, konnte sie mir auch nicht erklären.

Die Großmutter sagte, das seien Himmelskühe, und ich dürfe den Käfern und überhaupt den Tieren, die im Garten und auf der Wiese herumkriechen, hüpfen und fliegen, ja nichts zuleide tun! Wir bräuchten sie alle.

Ob wir wohl auch die Spinnen und den Mistkäfer brauchen?, hätte ich gerne gewusst. "Ja, ganz gewiss", war die Antwort, "der liebe Gott hat allen Tieren und Pflanzen und auch uns Menschen das Seine zugeteilt." Sie zog ein großes rotes Taschentuch aus ihrem Kittelsack und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Da bekam ich Durst.

Liebevoll, aber bestimmt sagte sie: "Beim Brunnen drunten ist ein Haferl, geh und trink."

Nach nicht allzu langer Zeit war ich müde und Hunger bekam ich auch.

"Ach, Mädchen!" Ich glaubte, auch so was wie einen Seufzer zu hören. "Geh hinauf in den Krautgarten und suche dir eine schöne Rübe."

Das ließ mich die Hitze und die Kamillen rasch vergessen. Der Krautgarten war ja auch ein paradiesischer Platz. Was es da alles gab: ein langes Beet mit großen, runden Krautköpfen, von denen wir, Markus, die Tante und ich, alle paar Tage die Krautwürmer abklauben mussten, in einen Eimer tun und in den Wald hinaustragen, für die jungen Vögel, damit diese kräftig würden für den langen Flug über die Tauern in das Winterquartier. Der Ronach (rote Rübe) war schon groß, und die Blätter glänzten. Ein Beet schwarzer Rettich und ein Fleckerl Mohn für den Scheiterhaufen (ein süßes Gericht) gab es ebenfalls, genauso wie zwei oder mehr Beete Runkelrüben für die Schweine, dann kam der "Rübenfleck", gleich daneben standen die Bohnen (Saubohnen). Diese und das Beet mit den Früh-Erdäpfeln lieferten uns um diese Zeit reichlich Nahrung zum Abendessen.

Ich untersuchte das Rübenbeet gründlich, bis ich die größte fand. So eine frisch aus der Erde gezogene weiße Rübe war etwas ganz Gutes. Das Exemplar schleppte ich zur Großmutter.

"Jetzt wundert es mich nicht mehr, dass du so lange weg gewesen bist. So eine große Rübe findet man nicht so schnell." Sie nahm die Frucht ganz eng am Strunk und drehte die Blätter ab, dann wusch sie sie im Traufenwasser, das in einem Bottich aufgefangen wurde. Aus den unergründlichen Tiefen ihres Kittelsackes holte sie einen Veitl - ein Taschenmesser, das noch in der Steiermark in Handarbeit hergestellt wird. Dieser Veitl hatte Tradition, er war billig und erfüllte seinen Zweck, sogar Veitl-Clubs gab es - und schälte die Rübe so, dass sie aussah wie eine riesige Margerite, nur mit einem schneeweißen Kopf. Sie sc

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