text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

SELfservice Ein Südtiroler Skandal von Franceschini, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2014
  • Verlag: Edition Raetia
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

SELfservice

Haben auch Sie den Überblick verloren? SEL-Skandal, Stein an Stein, Betrug, Erpressung - und das alles im öffentlichen Interesse? Die Affäre um die Landesenergiegesellschaft SEL ist ein Lehrstück in Sachen Politik. Der Journalist Christoph Franceschini legt die dubiosen Machenschaften hinter der vielgepriesenen 'Heimholung der Energie' offen: Wettbewerbsunterlagen wurden ausgetauscht, Konkurrenten erpresst, Verwaltungsräte getäuscht, Beteiligungen über Treuhänder verschwiegen, Geschäfte für die eigene Tasche geplant. Das hat System. Einige Drahtzieher wurden verurteilt, doch wie tief der Sumpf wirklich ist, zeigt erst dieses Buch. Nach Sichtung Hunderter Seiten Gerichtsakten und Beweismaterial, nach jahrelangen Recherchen und Interviews mit Beteiligten kann der Autor endlich das ganze Ausmaß aufzeigen: Südtirol ist ein Selbstbedienungsladen!

Geboren 1964 in Eppan, italienischer Journalist und Dokumentarfilmer. Studierte Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck, reichte Diplomarbeit aber nie offiziell ein. Autor mehrerer Fernsehdokumentationen (Claus-Gatterer-Preis für die Doku 'Bombenjahre') und einer der am besten vernetzten politischen Journalisten Südtirols. Seit 1984 freier Mitarbeiter des Rai Senders Bozen. 1996 bis 2013 Redakteur bei der Neuen Südtiroler Tageszeitung. In Eppan seit zehn Jahren in der Bürgerliste aktiv.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 356
    Erscheinungsdatum: 17.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788872835173
    Verlag: Edition Raetia
    Größe: 22409 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

SELfservice

Der erste Stein

"Pass auf, was du schreibst. Ich habe gute Anwälte."

SEL-Generaldirektor Maximilian Rainer (Oktober 2009)

Maximilian Rainer

Es ist kein Zufall und keine Marotte, sondern es ist eine bewusste Strategie. Maximilian Rainer kommt grundsätzlich immer zu spät. Der Generaldirektor der Südtioler Landeselektrizitätsgesellschaft SEL lässt alle, mit denen er zu tun hat, erst einmal warten. Bei Aussprachen, Sitzungen oder Verhandlungen: Rainer ist immer der Letzte, der auf der Bildfläche erscheint.

Rainer will damit nicht nur signalisieren, dass er eigentlich wichtigere Dinge zu tun hat, sondern er geht davon aus, dass das Warten Machtverhältnisse etabliert. Mit der Arroganz der tickenden Uhr demonstriert der SEL-Direktor, wer am Steuerrad steht.

Es ist deshalb keine Überraschung, dass Maximilian Rainer mich an diesem Vormittag im Oktober 2009 erst einmal warten lässt. Nicht etwa in seinem Büro, sondern im großen Besprechungszimmer am Sitz der SEL AG.

Ich habe den SEL-Generaldirektor wenige Tage zuvor angerufen und um einen Termin gebeten. Es gehe um eine brisante Recherche für einen Artikel, der auch ihn betreffe. Auf seine Nachfrage hin muss ich genauer werden. "Es geht um ein Kleinkraftwerk in Mittewald", präzisierte ich am Telefon.

Den Namen "Stein an Stein", der drei Jahre später in Südtirol zum Symbolbegriff für einen politischen Skandal werden soll, kennen zu diesem Zeitpunkt in Südtirol kaum ein Dutzend Personen. Ich selbst habe den Namen erst ein halbes Jahr zuvor zum ersten Mal gehört. Es ist der Rechtsanwalt Anton von Walther, der mich auf das Thema aufmerksam gemacht hat. Er erklärt mir im Frühjahr 2009 in wenigen Worten, was er zu diesem Zeitpunkt weiß: Eine Wiener Pflastersteinfirma mit dem Namen Stein an Stein GmbH, die einer gewissen Petra Anna Windt gehört, hat ein Kleinkraftwerk in Mittewald in der Gemeinde Franzensfeste erworben. Die neue Besitzerin wolle jetzt unbedingt eine Erweiterung des Kraftwerks durchsetzen.

Petra Anna Windt hat an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien studiert, genauso wie Maximilian Rainer. Beide haben 1988 im Fach Kulturtechnik und Wasserwirtschaft promoviert. "Ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist", sagt von Walther und stachelt damit meine journalistische Neugierde an.

Auch das Interesse des Rechtsanwalts an der Sache ist kein Zufall. Der Anwalt praktiziert nach dem Studium in einer Bozner Anwaltskanzlei, arbeitet dann jahrelang im Rechtsamt des Landes Südtirol, bevor er sich 2005 selbstständig macht. Von Walther gilt als Verwaltungsrechtsexperte und vertritt als Anwalt unter anderem die Eisackwerk GmbH des Bozner Unternehmers Hellmuth Frasnelli, die sich 2005 als einziges privates Unternehmen an der Ausschreibung der Südtiroler Großkraftwerke beteiligt. Die Eisackwerk GmbH legt außerdem ein Konkurrenzprojekt zu dem von der SEL bei Franzensfeste geplanten neuen Großkraftwerk am Eisack vor.

Titel der Tageszeitung und erste Artikelseite (22. 10. 2009): Beginn einer Affäre .

Weil im Einzugsbereich dieses geplantes Großkraftwerks vier kleinere Kraftwerke liegen, die nach den geltenden Bestimmungen entschädigt oder beim Großprojekt beteiligt werden müssen, befasst sich Anton von Walther im Auftrag seines Klienten auch mit den Besitzverhältnissen dieser Kleinkraftwerke. Dabei stößt er in Mittewald auf die Stein an Stein GmbH und Petra Anna Windt.

Das ist der Ausgangspunkt. Eine einfache Internetrecherche im Katalog der Boku in Wien ergibt, dass Maximilian Rainer und Petra Anna Windt am selben Institut und im selben Semester ihr Studium abgeschlossen haben. Ein Auszug aus dem österreichischen Handelsregister und die Bilanzen der Stein an Stein GmbH lassen klar erke

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen