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Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2015
  • Verlag: mikrotext
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Willkommen!

Die persönlichsten Online-Texte, etwa von Sarah Connor, Stefanie Sargnagel, Anke Domscheit-Berg, Jaafar Abdul Karim, Margarete Stokowski, Karim Hamed oder Michael Seemann, in einem E-Book: bei der Spendenausgabe am Bahnhof, beim Mitnehmen von Syrern im Auto über die Grenze, mit einer irakischen Familie im Wohnzimmer. Ein Beweis für die vielfältige neue Willkommenskultur in Europa. Herausgegeben von Katharina Gerhardt, Caterina Kirsten, Ariane Novel, Nikola Richter, Frank O. Rudkoffsky, Eva Siegmund. Die Blogger Paul Huizing, Nico Lumma, Karla Paul und Stevan Paul riefen Ende August 2015 die Crowdfunding-Aktion Blogger für Flüchtlinge ins Leben, um Spendengelder zu sammeln und Aufmerksamkeit für die vielen Menschen, die in Not nach Europa kommen, zu generieren. Seitdem haben sich zahlreiche Blogger für diese Aktion engagiert, über sie berichtet, das Thema Flucht reflektiert und den Hashtag #BloggerfuerFluechtlinge viral verbreitet. Gestartet mit einem Spendenziel von 5.000 Euro sind inzwischen weit über 130.000 Euro für die Flüchtlingshilfe zusammengekommen. Das E-Book soll eine Sichtbarmachung dieser Solidarität sein, ein deutliches Zeichen, dass die Hetzer nicht die Mehrheit sind. Sämtliche Erlöse aus dem Verkauf des E-Books werden gespendet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 02.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944543284
    Verlag: mikrotext
    Größe: 11599 kBytes
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Willkommen!

Mama Bibis geduldete Söhne. Von Jessica Sabasch

In einem kleinen schwäbischen Dorf ohne Lebensmittelgeschäft und ohne Gastwirtschaft werden sechs schwarze Flüchtlinge einquartiert. Es gibt Vorbehalte. Und doch finden sich Menschen, die nicht nur helfen, sondern ihre Freundschaft anbieten.

In den ersten Wochen sitzt Mustapha in seinem Zimmer und schaut in den Fernseher wie eine Wüste. Er fürchtet sich. Vor der Vergangenheit, vor der Zukunft und vor der Lage in seinem Land. Ein paar Häuser weiter sitzt Brigitte an ihrem Küchentisch, lernt einen Theatertext und fragt sich, wie sie Mustapha die Furcht nehmen kann. Für die 76-Jährige sind er und die fünf anderen Flüchtlinge aus Gambia vom ersten Tag an Schützlinge. Seit einem halben Jahr leben sie jetzt hier im Dorf.

Die Männer kennen sich nicht, bis sie an einem Julitag in zwei Taxis sitzen, auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Haus, und die Landschaft an ihnen vorbeizieht. Wald und Hügel, Obstwiesen, Feldwege. Ackerland. Ein Steinbruch. Sie sprechen verschiedene Sprachen ihres Landes. Alle bis auf einen sprechen auch Englisch, Gambias Amtssprache. Der jüngste ist Mitte 20, der älteste 54.

Ihr neues Dorf hat einen Sportplatz, ein Feuerwehrhaus, eine Mehrzweckhalle, einen Schützenverein, eine Narrenzunft und keinen Supermarkt. 1.200 Einwohner leben in Familienhäusern mit gepflegten Gärten. Viele alte Höfe und Scheunen stehen leer. Hühner gackern. Das örtliche Gasthaus wurde im Dezember geschlossen - aus Altersgründen. Der Handyempfang ist schlecht. Der letzte Bus in die Stadt fährt wochentags um 19 Uhr.

Am Tag ihrer Ankunft ist Brigitte nicht da. In Empfang genommen werden die Männer von der Zuständigen des Landratsamts und von Brigittes Nachbarin. Monika wohnt auf der anderen Straßenseite und kannte das Haus schon, als darin noch eine alte Frau lebte. Seit sie starb, hat sich scheinbar nichts verändert. Vergilbte Blümchentapete, Linoleumboden, karger Flur. Eine knarrende Treppe führt zur Küche. Auf dem Tisch stehen eine Obstschale und Brot von Brigitte. Die Zimmer zweckmäßig: sechs Betten, ein paar Tische und Stühle. Im Treppenhaus ein Notfallknopf zur Polizei. Daneben eine laminierte Liste mit Notfallnummern. Wenn es ein Problem gibt, klingeln die Männer oft an Brigittes oder Monikas Tür.

Die Nachbarinnen kennen sich seit 30 Jahren, flüchtig. Erst ihr gemeinsames Engagement hat sie verbunden. Monika ist 62 und kommt von hier. Kurzhaarfrisur, fester Händedruck, ruhige Stimme. Brigitte, Jahrgang 1938, weißes Haar, war ihr Leben lang Schauspielerin. Mit ihrem Lebensgefährten Manfred wohnt sie in einem alten Bauernhaus. Obwohl sie schon lange Zeit hier leben, sind sie keine alteingesessenen Dorfbewohner, nehmen zum Beispiel nicht am Vereinsleben teil. Die Frage, wie man sich in einer Notsituation verhalten würde, "wenn es drauf ankäme", beschäftigt das Paar schon lange.

Viele ältere Leute im Dorf wunderten sich anfangs darüber, dass die Männer immer ihre Handys am Ohr haben. Oder mit dem Handy draußen an der Grillstelle hinter dem Sportplatz sitzen. Weil der Empfang dort besser ist. "Das Handy ist ihre wichtigste Verbindung zu Freunden und Familie", sagt Brigitte. "Mama Bibi" sagen die Männer zu ihr. "Weil Bibi leichter auszusprechen ist." Sie hat zwei Söhne.

Vor einem halben Jahr schrieb Brigitte einen Leserbrief. Sie war erschrocken über die Reaktion mancher Leute am Informationsabend des Bürgermeisters, fühlte sich an die 1990er Jahre erinnert, als Fremdenfeindlichkeit weit verbreitet war. Monika saß im Publikum. "Es wurden skeptische Stimmen laut", erzählt sie. "Das Dorf eigne sich nicht als Flüchtlingsunterkunft. Vorgeschobene Gründe wie die schlechte Verkehrsanbindung wurden genannt und dass es keine Geschäfte gibt." Am Ende der Veranstaltung sei sie aufgestanden: "Ich möchte, dass die Menschen willkommen geheißen werden. Wir müssen warten, wer kommt, und dann auf sie eingehen

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