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Zuhause in Fukushima Das Leben danach: Porträts von Brandner, Judith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2014
  • Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
eBook (ePUB)
16,99 €
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Zuhause in Fukushima

Kei Kondo hat seinen Bio-Bauernhof verloren. Sadako Monma musste ihren Kindergarten schließen. Der Arzt und Diplomat Ryohei Suzuki kehrte nach der Katastrophe nach Fukushima zurück, um im dortigen Krankenhaus zu arbeiten. Judith Brandner erzählt in diesem Buch in sensiblen Porträts, wie sich die Katastrophe von Fukushima auf die dort lebenden Menschen auswirkt. Manche haben aus diesem gravierenden Einschnitt neue Energien und Lebenskraft geschöpft, andere sind nahe daran, an der Situation zu zerbrechen. Sie sind Flüchtlinge im eigenen Land, persönliche und berufliche Einschränkungen gehören heute zu ihrem Alltag. Manche sind KünstlerInnen, die ihre Bekanntheit dafür einsetzen, um den Menschen in der Region zu helfen. Auch Journalisten sind unter den Porträtierten, einer arbeitet heute als Undercover-Journalist, u.a. als Arbeiter im Kraftwerk Fukushima, um über die tatsächliche Situation berichten zu können. Es sind Geschichten, die man nicht so schnell vergisst. Judith Brandner, Japanologin, Journalistin und Autorin. Seit 1984 Radiojournalistin und Radiomacherin, hauptsächlich für ORF/Ö1, aber auch für SRF/DRS2, SWR2, Deutschlandradio und HR. Moderiert regelmäßig die Ö1-Sendung 'Radiokolleg' und gestaltet Sendungen für Wissenschaft, Politik, Kultur und Feature. Inhaltliche Schwerpunkte: Japan, Gesellschaft, Zeitgeschichte/Aufarbeitung der NS-Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783218009164
    Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
    Größe: 476 kBytes
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Zuhause in Fukushima

F U K U S H I M A

DIE BIOBÄUERIN SACHIKO SATO

Wir sitzen in ihrem ungeheizten Büro, ebenerdig in einem abweisenden Betonbau in Fukushima-Stadt, und wärmen uns bei einer Tasse Tee. Welch ein Kontrast zu dem schönen alten Bauernhof, auf dem Sachiko Sato vorher gelebt hat, ein Holzhaus, wie es nicht mehr oft zu finden ist in Japan, mit dunkel glänzenden Fußböden, umgeben von Reis- und Gemüsefeldern und einem Garten. Felder und Garten sind nun von Unkraut überwuchert.

Yamanami heißt der Bauernhof von Sachiko Sato, ein Ort, an dem sich die Berge wie Wellen aneinanderreihen. Sie hat es geliebt, in der Natur und mit der Natur zu leben und auf ihrem Hof den Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten: die Blüte der Bergkirschen im Frühling und das sich täglich verändernde zarte Grün auf den Feldern und Wiesen. "Mein Herz machte Freudensprünge über die Früchte der Erde, die da heranzuwachsen begannen", schreibt sie in ihrem im Frühjahr 2013 erschienen Buch "Unter dem Himmel von Fukushima". Es beginnt mit einer Ode an die Jahreszeiten. "Im Sommer aßen wir täglich das Gemüse, das wir im Garten ernteten. Ich bereitete Köstlichkeiten wie Misosuppe mit Auberginen und grünen Bohnen oder eingelegte Gurken zu." (Übersetzung J.B.) Den Herbst, schreibt sie, verbinde sie mit den reifen Reisähren, vor allem aber mit dem Duft von Osmanthus fragrans , der gelbblühenden Duftblüte aus der Familie der Ölbaumgewächse. So süß und betörend ist deren Duft, dass er die heftigen Beschwerden mindern konnte, unter denen sie am Anfang ihrer ersten Schwangerschaft litt. Die Chinesen, die die Duftblüte seit mehr als zweitausend Jahren kultivieren, mischen die Blüten grünem Tee bei und erhalten so eine besonders edle Sorte. Im Winter schließlich, wo in der Tohoku-Region im japanischen Norden viel Schnee liegt, ruhen die Reisfelder. Da gilt es, für ausreichenden Vorrat an Brennholz zu sorgen, Reparaturarbeiten an Haus und Hof zu machen und die Vorbereitungen für Neujahr zu treffen: Reis wird gestampft und zu mochi verarbeitet, zu klebrigen Reisküchlein, die traditionell zu Neujahr gegessen werden. Das ist der Zyklus des einfachen bäuerlichen Lebens, das Sachiko Sato Jahr für Jahr geführt hat, mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern. "Es war ein Leben inmitten der Natur, und ich konnte täglich auf meiner Haut spüren, wie wichtig das Leben ist", schreibt sie.

Der 11. März 2011 war eine Zäsur, die diesen Kreislauf unterbrochen hat. Bald danach habe sie die Veränderungen bemerkt, mit denen die Natur auf die Katastrophe reagierte, schreibt Sachiko Sato in ihrem Buch: "Es war Frühling, doch nur wenige Schwalben waren gekommen! Es war Sommer, doch ich hörte den Ruf der Zikaden kaum. Und im Herbst blieben auch die Spatzen aus, die sich sonst in den abgeernteten Reisfeldern tummelten." So ähnlich, assoziiert Sachiko Sato, sei es auch damals gewesen, als die Bucht von Minamata mit Quecksilber vergiftet war (siehe auch Seite 115 ff.): "Zunächst erkrankten die Katzen, dann litt ein großer Teil der Bevölkerung an der Minamata-Krankheit." Und so ähnlich wie die Regierung seinerzeit in den 1950er- und 1960er-Jahren verhalte sich das offizielle Japan auch heute im Fall Fukushima: Die Regierung verleugne, dass die Menschen massiv geschädigt worden sind. "Japan ist ein Land", sagt Sachiko Sato, "das immer und zu jeder Zeit die Wirtschaft und ihre Interessen über das Wohl der Menschen stellt. Japan ist ein Land, das sich für die Gewinne der Großkonzerne stark macht, anstatt das Leben der Bevölkerung zu schü

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