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Architekten der Arbeit Positionen, Entwürfe, Kontroversen von Rahner, Sven (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2014
  • Verlag: edition Körber-Stiftung
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Architekten der Arbeit

Die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten werden, beschäftigt wohl jeden, der Arbeit nicht nur als Broterwerb begreift. Arbeit dient längst nicht mehr nur dem Lebensunterhalt, sie ist auch Teil der eigenen Identität. Arbeit soll sich wieder lohnen, Erfüllung bieten und den eigenen Wohlstand ebenso wie den des Landes mehren - ein hoher Anspruch, allzu selten eingelöst. Prekäre und entwürdigende Arbeitsverhältnisse sind auch in Deutschland keine Seltenheit. Das digitale Zeitalter verändert die Arbeitswelt radikal, schafft neue Freiheiten ebenso wie neue Zwänge: Burnout ist auch die Krankheit einer Gesellschaft, in der immer alles möglich sein muss. Sven Rahner wagt mit 18 Gesprächspartnern einen Blick in die Zukunft der Arbeit. Er hat die Architekten einer neuen Arbeitswelt getroffen, die beobachten, planen und gestalten, wie sich unsere Arbeit verändern wird: Vordenker aus dem In- und Ausland - wie Richard Sennett, Mercedes Bunz und Matthias Horx -, Praktiker - wie Thomas Sattelberger, Henning Kagermann und Detlef Wetzel - sowie Spitzenpolitiker aller Parteien stellen ihre Entwürfe der neuen Arbeitswelt vor. Der Wettbewerb um die besten Ideen ist eröffnet! Sven Rahner studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Psychologie in Heidelberg und Toronto. Er bewegt sich seit Jahren zwischen den Welten von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Derzeit promoviert er an der Universität Kassel zum Thema Fachkräftesicherung. Zuvor war er mehrere Jahre als Fachreferent für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im Deutschen Bundestag tätig. Seit 2010 ist er zudem Online-Redakteur in einer Berliner Internetagentur. Rahner ist Mitglied unterschiedlicher Forschungsgruppen und Expertengremien zu Fragen der Zukunft von Bildung und Arbeit sowie nachhaltigen Strategien für die Digitalisierung der Arbeitswelt. Er veröffentlicht zu diesen Themen regelmäßig in Fachzeitschriften, u.a. in "Aus Politik und Zeitgeschichte".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 14.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896844620
    Verlag: edition Körber-Stiftung
    Größe: 3903 kBytes
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Architekten der Arbeit

Richard Sennett ist einer der bekanntesten und einflussreichsten Theoretiker der modernen Arbeits- und Lebenswelt. Die Bandbreite seiner Forschungsgebiete und Betätigungsfelder ist beeindruckend: Sennett sprengt mit seinem vielfältigen Wirken die traditionellen Grenzen der Fachdisziplinen. Der viel gefragte Intellektuelle und Kosmopolit bewegt sich dabei elegant zwischen der Soziologie, Philosophie, Geschichts- und Kulturwissenschaft.

Die Geschichte und Zukunft der Arbeit im "neuen Kapitalismus" bildet dabei seit mehr als 30 Jahren eines seiner Hauptthemen. Mit seinem Befund, dass an die Stelle der planbaren, kontinuierlichen Lebens- und Arbeitsbiografie der "flexible Mensch" tritt, hat er bereits Ende der 1990er Jahre eine der herausragenden Debatten der letzten Jahre angestoßen, die bis heute anhält. Richard Sennetts besonderes Talent zur Zuspitzung aktueller Themen und sein anschaulicher, essayistischer Schreibstil ließen ihn zu einem Bestsellerautor mit Weltruhm avancieren, dessen Sozial- und Gesellschaftsanalysen weit über die eigene Fachgemeinde hinausstrahlen und von einer breiten Öffentlichkeit rezipiert werden. Die Titel seiner Veröffentlichungen wurden in diesem Zuge häufig zu Schlagwörtern in der öffentlichen Diskussion.

Richard Sennett wurde 1943 in Chicago geboren und studierte zunächst Musikwissenschaften und Violoncello, anschließend Soziologie und Geschichte, u.a. bei Talcott Parsons und Hannah Arendt. Heute lehrt er Soziologie und Geschichte sowie Sozial- und Kulturtheorie sowohl an der New York University als auch an der London School of Economics. Seine letzten viel beachteten Werke sind "Zusammenarbeit" (2012) und "Handwerk" (2008). Auch noch im fortgeschrittenen Alter treiben ihn die Fragen nach der Zukunft der Arbeit und einer humanen Vision für eine bessere Welt jenseits sozialer Schranken um. Wir treffen uns in unseren jeweiligen Wohnzimmern zum digitalen Video-Interview.

Rahner: Welche entscheidenden Entwicklungen prägen den europäischen Arbeitsmarkt, und welche zentralen Herausforderungen werden sich daraus ergeben?

Sennett: Die drängendste Herausforderung für Europa ist, dass es auf absehbare Zeit schlicht und einfach mehr Arbeitsuchende als Arbeit geben wird. Und das nicht, weil die meisten Leute auf Anhieb Familien mit zwölf oder 14 Kindern gründen. Die Frage ist also, wie wir die vorhandene Arbeit organisieren, um den Bürgern zumindest eine Teilzeitarbeit anbieten zu können. Meiner Auffassung nach wäre die Einführung eines existenzsichernden Grundeinkommens eine Erfolg versprechende Herangehensweise, die genau an diesem Punkt ansetzt. Man versucht, die vorhandene Arbeit zu bestimmen, um sie dann unter zwei oder drei Leuten zu verteilen. Diese werden als Teilzeitkräfte bezahlt. Der Staat gibt ihnen dann zusätzlich ein Grundeinkommen, um den Unterschied auszugleichen.

Ich denke, wir haben es in Europa weniger mit zyklischer Arbeitslosigkeit als mit einem strukturellen Mangel an Arbeit zu tun. In den 1980er und 1990er Jahren exportierten wir eine ganze Menge Arbeit in die Entwicklungsländer, und diese machten etwas aus relativ gering qualifizierten Arbeitskräften. Sie entwickelten die Arbeit weiter und machten sie anspruchsvoller. Diese werden sie uns aber nicht wieder zurückgeben. Nun gibt es die Wunschvorstellung, dass wir die guten Jobs behalten und die ganz schlechten exportieren können. Aber so funktioniert der Arbeitsmarkt einfach nicht. Das ist eine selbst zugefügte Wunde, und das Resultat ist der strukturelle Arbeitsmangel in Europa. Ich glaube, was wir jetzt brauchen, um mit diesem Problem fertigzuwerden, ist eine ziemlich starke Medizin.

Rahner: Welche Art der Medizin könn

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