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Digitalisierung der Arbeitswelt Zur Neuordnung formaler und informeller Prozesse in Unternehmen

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
36,99 €
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Digitalisierung der Arbeitswelt

Viele Veränderungen betrieblicher Arbeitszusammenhänge und der unternehmensinternen Kommunikation stehen im Zusammenhang mit der Einführung digitaler Informations- und Kommunikationsmedien. Mit den hinzugewonnenen informationstechnischen Möglichkeiten der Steuerung und Kontrolle von Arbeitsabläufen geht eine Formalisierung von Entscheidungswegen und Weisungsstrukturen einher. Zugleich aber werden neue Formen informeller Kooperation möglich. Gleiches gilt für die neuen digitalen Kommunikationsmedien (E-Mail, Intranet, Instant Messaging). Für die innerbetriebliche Kommunikation eröffnen sie einerseits neue Möglichkeiten der Formalisierung (z.B. des Berichtswesens). Sie stellen andererseits aber auch neue elektronische Formen des informellen Austauschs 'zwischen Tür und Angel' bereit, mit denen Dienstwege abgekürzt und Zuständigkeiten umgangen werden können. Verändert die Nutzung digitaler Medien die jeweils eingespielten Verhältnisse zwischen formalen und informellen Abläufen? Die Publikation führt Befunde aus der Technik- und Medienforschung und der Arbeits- und Organisationsforschung zu dieser Frage zusammen.

Dr. Christiane Funken ist Professorin für Medien- und Geschlechtersoziologie an der Technischen Universität Berlin.

Dr. Ingo Schulz-Schaeffer ist Privatdozent für Soziologie an der Technischen Universität Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Techniksoziologie an der Technischen Universität Dortmund.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 27.09.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531910987
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 1491 kBytes
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Digitalisierung der Arbeitswelt

Jenseits des Mythos vom "gläsernen Fahrer": Die Rolle der Telematik im Transportprozess (S. 69-70)

Daniela Ahrens

1. Einleitung

Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten bzw. zu steigern, sehen sich Speditionsunternehmen zunehmend herausgefordert, ihre Tätigkeit nicht länger auf den Gütertransport selbst zu begrenzen, sondern den Umfang und die Qualität ihrer Dienstleistungen zu erhöhen. Brancheninsider sprechen mit Blick auf den umkämpften Transport- und Gütermarkt bereits von einer Bedeutungsverschiebung vom reinen (austauschbaren) Frachtführer, der Güter von A nach B transportiert, zum Full Service Provider, der im Rahmen einer Kontraktlogistik Lagerhaltung, kundenspezifische Verpackung und unmittelbare Zustellung zum Kunden in sein Angebotsspektrum übernimmt. Speditionen stehen somit gegenwärtig den konfligierenden Zielen der "Kosteneffizienz", "Flexibilität" und "Dienstleistungsarbeit" gegenüber. In diesem Zusammenhang wird im Transport- und Logistikbereich die Einführung von Telematik derzeit mit hoher Emphase diskutiert.

2 Angesichts eines wachsenden

Verkehrsaufkommens und einer steigenden Bedeutung der Kundenorientierung wird die effiziente Planung und Steuerung von Transport-, Umschlags- und Lagerprozessen durch Telematik auch für mittelständische Speditionen unausweichlich. Im Beitrag geht es um die Frage, wie sich durch den Einsatz von Telematik Arbeitsabläufe und Kommunikationsprozesse in der Organisation wandeln. Betriebswirtschaftliche und logistische Rationalisierungskalküle versprechen sich viel von der neuen Technologie, unterschätzen aber die strukturbildenden Wechselbeziehungen zwischen Technik und sozialen Handlungs- und Kommu nikationsprozessen. Telematik schafft zwar in der Tat die Voraussetzungen für innovative Logistikprozesse. Dies ist aber keine hinreichende Erklärung für ihr erfolgreiches Funktionieren.

Der Bias auf betriebswirtschaftliche und logistische Rationalisierungskalküle überschätzt die Rolle der Technik und unterschätzt die strukturbildenden Wechselbeziehungen zwischen Technik und sozialen Handlungs- und Kommunikationsprozessen. Die Auftragsabwicklung in Transportprozessen erfolgt hochgradig arbeitsteilig: Auftragsannahme, Preisermittlung, Routen- und Tourenplanung, Fahrer- und Fahrzeugeinsatz sind eigenständige Aufgabenbereiche.

Zudem ist die Leistungserfüllung durch die räumlich und zeitlich voneinander getrennten Arbeitsorte des LKWs und des Speditionsbüros gekennzeichnet. Der Einsatz von Telematik zielt in erster Linie darauf ab, die resultierenden Koordinationsprobleme durch ein höheres Maß an Kontrolle und Standardisierung von Abläufen zu bewältigen. Diese Betrachtung von Telematik als Mittel der Kontrolle und Überwachung geht stillschweigend von einem Dualismus aus, nach dem menschliche Handlungen als potenzielle Störungsquellen zunehmend durch Technik zu ersetzen seien, um ein Höchstmaß an Effizienz und Effektivität zu erreichen.

Der vorliegende Beitrag zeigt, dass diese Betrachtungsweise nicht nur unzutreffend ist, sondern auch deutlich zu kurz greift. Denn Telematik eröffnet durchaus auch die Möglichkeit neuer kooperativer Arbeitsbeziehungen, die quer zur vorherrschenden funktionalen und hierarchischen Arbeitsteilung liegen. Zu diesem Zweck knüpft der Beitrag an Überlegungen der pragmatischen Techniktheorie (vgl. Rammert 1998) an und untersucht den Telematikeinsatz unter der Perspektive des "verteilten Handelns" (Rammert 2003: 292). Während jedoch bei dem auf der Begriffsebene ambitionierten Ansatz von Rammert/Schulz- Schaeffer (2002) unterschiedliche Grade der Handlungsfähigkeit von Technik im Vordergrund stehen, konzentrieren sich die folgenden Überlegungen auf die Frage nach den Konsequenzen für die Arbeitswelt, wenn bestimmte Tätigkeiten an die Technik delegiert bzw. soziale Kommunikationsprozesse durch Technik digitalisiert und standard

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