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Hört auf zu arbeiten! Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt von Förster, Anja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2013
  • Verlag: Pantheon
eBook (ePUB)
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Hört auf zu arbeiten!

Ich arbeite, also bin ich? - Ein Plädoyer für einen neuen Umgang mit unserer Arbeit. Hegel sah die berufliche Tätigkeit des Menschen als wesentlichen Aspekt seiner Identität und Freiheit, während Adam Smith den Beruf als einen modernen Tauschhandel sah: Der Mensch verkauft seine Arbeitskraft an das beste Angebot. Dieser Arbeitsbegriff prägt unser Verhältnis zur Arbeit bis heute, und deswegen glauben wir im tiefsten Inneren noch immer an das Versprechen der Fabrik: Wenn ich funktioniere, effizienter und erfolgreicher werde, dann werde ich durch Sicherheit belohnt. Aber kein Arbeitsplatz ist heute mehr sicher. Und was uns darüber zudem verloren ging, ist die Überzeugung, das Richtige zu tun - die Liebe zu unserer Arbeit. "Hört auf zu arbeiten!" fordern Anja Förster und Peter Kreuz und meinen damit nicht, dass wir uns alle ab sofort in die Hängematte legen sollen, sondern dass wir uns unsere Arbeit zurückerobern als Teil unserer Identität. Erst wenn wir wieder lieben, was wir tun, und aus Überzeugung arbeiten, erst wenn wir nicht mehr auf Kosten anderer Erfolg haben, werden wir das tun, was wirklich zählt. Anja Förster und Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von Vordenkern für Wirtschaft und Management. Zu ihren Kunden zählen die Führungsetagen von SAP, BMW, Siemens und vielen anderen. Sie sind gefragte Berater, Referenten und erfolgreiche Buchautoren. "Alles, außer gewöhnlich" wurde 2007 Wirtschaftsbuch des Jahres, zuletzt erschienen bei Pantheon "Hört auf zu arbeiten!" (2013), "Nur Tote bleiben liegen" (2014) und "Macht, was ihr liebt!" (2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 11.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641087425
    Verlag: Pantheon
    Größe: 1182 kBytes
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Hört auf zu arbeiten!

Kapitel 1

Das leere Versprechen der Fabrik

Als Kevin Skinner mit der Gitarre in der Hand auf die Bühne schlurft, um in der Castingshow "America's Got Talent" vorzusingen, geht ein Kichern durchs Publikum. Grob gewebter Kapuzenpulli in dumpfen Blau-Grau-Tönen. Verwaschene Jeans. Beigefarbene Baseball-Kappe mit dem Schild nach hinten. Unter dem Verschlussriemen an seiner Stirn schauen gerade noch ein paar mausbraune Haarspitzen heraus. Sein Gang erinnert an einen Jugendlichen, der an einer Tankstelle herumhängt und gerade darüber nachdenkt, den Truckfahrer um eine Zigarette anzuschnorren.

Piers Morgan, einer der Juroren, schüttelt den Kopf. Die beiden anderen, Sharon Osbourne und David Hasselhoff, wechseln einen vielsagenden Blick: Was für eine Null ... Was bekommen wir jetzt gleich wohl zu hören ... Schließlich rafft sich Hasselhoff doch zu ein bisschen Smalltalk auf.

"Singst du professionell, oder was machst du so beruflich?"

"Ich war ein paar Jahre lang Hühnerfänger", antwortet Kevin im breitesten Südstaaten-Slang.

Das Publikum wiehert. Osbourne macht sich lauthals über seinen Akzent lustig.

Kevin reibt sich verlegen das Kinn, aber er bleibt auf der Bühne stehen. So wie er aussieht, müssten sich seine Knie im Moment wie Pudding anfühlen.

In der Fernsehsendung wird im unteren Bilddrittel eingeblendet: "Kevin Skinner, arbeitsloser Bauer".

"Und wie viele Hühner hast du so pro Tag gefangen?", fragt Hasselhoff.

"Na ja, ich bin nicht so gut in Mathe." - Gelächter im Publikum. - "Aber wir haben mal zu sechst in einer Nacht sechzigtausend Hühner eingefangen." - Lautes Gelächter. - "Einer hat immer acht auf einmal gefangen." - Grölendes Gelächter.

Morgan beschließt mit einem sichtbaren Ruck, die Farce möglichst schnell hinter sich zu bringen: "Gut, dann zeig uns mal, was du uns heute mitgebracht hast."

Kevin Skinner schlägt die ersten Töne auf seiner Gitarre an. Im Publikum wird weiter getuschelt und gelacht. Er fängt an zu singen.

"The thought crosses my mind ... "

Wow.

Gar nicht schlecht. Im Saal wird es schlagartig still.

"If I never wake up in the morning ... "

Das Grinsen verschwindet von den Gesichtern der Jurymitglieder.

"Would she ever doubt the way I feel about her in my heart ... "

Fasziniert starren die Menschen im Publikum den Sänger an. Manchen bleibt der Mund offen stehen. Kevins Stimme ist warm und weich, wunderbar klangvoll. Sie umspült die Zuhörer wie eine Thermalquelle. Das hätte keiner erwartet. Aber das allein ist es nicht. Kevin singt die gefühlvollen Zeilen, die der Songwriter Kent Blazy ursprünglich dem Country-Superstar Garth Brooks auf den Leib geschrieben hatte, aus seinem tiefsten Inneren heraus.

"Wenn ich morgen nicht mehr aufwache, wird sie dann wissen, wie sehr ich sie geliebt habe?"

Im Publikum wird weiter
getuschelt und gelacht.
Er fängt an zu singen.

Der Text könnte kitschig klingen. Aber Kevin singt ihn so, dass klar ist: Er meint jedes Wort. Er fühlt das, was er singt. Er verwandelt den Song in pure, echte, durchlebte Emotion.

"Wow", sagt Hasselhoff leise.

Das Publikum hängt an Kevins Lippen. Einige haben Tränen in den Augen. Kevin scheint das zu spüren. Je länger er singt, desto mehr leuchtet er auf. Jeder im Saal hat das Gefühl, dass Kevin ihn persönlich meint, als er die letzten Zeilen singt:

"So tell that someone that you love ... just what you're thinking of ... if tomorrow never comes."

Der letzte Akkord geht im Jubel unter. Die Menschen im Saal springen auf, tosender Applaus ergießt sich auf den Hühnerfänger mit der goldenen Stimme, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Schüchtern nickt er dem Publikum zu und versucht, sein schiefes Grinsen zu kontrollieren.

Auch die Jury ist völ

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