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Die Privatisierung der Deutschen Bahn Über die Implementierung marktorientierter Verkehrspolitik von Engartner, Tim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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Die Privatisierung der Deutschen Bahn

Das Buch analysiert den Prozess der Bahnprivatisierung in Deutschland und vergleicht diesen mit den britischen Entwicklungen. Damit liefert das Buch einen wichtigen und aktuellen Beitrag zur Debatte. Dr. Tim Engartner arbeitet am Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften und Didaktik der Wirtschaftslehre an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 332
    Erscheinungsdatum: 17.06.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531909677
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 2166 kBytes
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Die Privatisierung der Deutschen Bahn

3 Privatisierung und Liberalisierung - Strategien staatlicher Selbstentmachtung (S. 79-80)

3.1 Struktureller und institutioneller Wandel

Die ökonomische Entwicklung in der Bundesrepublik nahm zu Beginn der 90er- Jahre einen ähnlichen Verlauf wie jene in Großbritannien mehr als ein Jahrzehnt zuvor: Das negative Leistungsbilanzsaldo bei einem sich verschärfenden Haushaltsdefizit, die im historischen Vergleich hohe Inflationsrate und die stetig steigenden Sozialausgaben erinnerten an das nach allgemeiner Lesart erstarrte Vereinigte Königreich vor der Amtsübernahme durch die Regierung Thatcher im Jahre 1979.

In dieser Situation gerieten zahlreiche Güter und Dienstleistungen, die aufgrund ihrer ökonomischen Besonderheiten und gesellschaftlichen Funktionen der Steuerung durch Angebot und Nachfrage entzogen waren, in den Bannstrahl staatlicher Wirtschaftstätigkeit. Zwar hatte es bereits im Zeitraum zwischen 1959 und 1965 partielle Privatisierungen bei Preussag, Volkswagen und der VEBA gegeben, aber erst im Zuge der politischen Wende 1982/83 galt die Krise der staatlichen Ordnungs-, Gestaltungs- und Wohlfahrtssicherungsfunktionen als ausgemacht.

Zur Ursache der Performanzkrise wurde die "mangelhafte Problemlösungskapazität nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik" erklärt, was eine Erosion des keynesianischen Konsenses und damit eine Abkehr vom interventionistischen Wohlfahrtsstaat inklusive staatlicher Betätigung bedeutete. Die Implementierung von Markt- und Wettbewerbsmechanismen sollte neue Wachstumspotenziale erschließen und überdies als Preis- und Qualitätsregulativ fungieren. Fortan wurde die Reduzierung zentralstaatlicher Steuerungsansprüche aber nicht mehr ausschließlich als zentrales (theoretisches) Leitmotiv neoliberaler Politikkonzeptionen begriffen, sondern seit der Übernahme der Amtsgeschäfte zunächst von der konservativliberalen, später dann auch von der rot-grünen Regierungskoalition mit Beharrlichkeit praktiziert, sodass die Anzahl der staatlichen Beteiligungen auf Bundes ebene von 985 im Jahre 1982 auf den historischen Tiefstand von 109 zum Jahresende 2005 sank.

Spätestens mit dem durch den Beitritt der DDR sichtbar gewordenen Tertiarisierungsrückstand war die strukturelle Überlastung des Staates unverrückbar in das öffentliche Bewusstsein gedrungen. Die historische Sondersituation der Deutschen Vereinigung, die den wirtschaftlichen und sozialen Problemlösungsdruck offen zu Tage treten ließ, begünstigte das konzeptionell minutiös ausgearbeitete und in der Praxis mit Verve durchgefochtene Privatisierungsprogramm insofern, als der ehemals beträchtliche Widerstand innerhalb der Bevölkerung merklich schwand.

Der damalige Minister für Post und Telekommunikation, Christian Schwarz-Schilling, hatte in einem Interview mit Blick auf die von ihm geleitete Bundespost zu Beginn der 90er-Jahre verlauten lassen, dass es erklärtes Ziel der CDU/CSU-geführten Bundesregierung sei, "das Unternehmen (...) in Zukunft von den Einflüssen der Politik" zu befreien, "die Fesseln des öffentlichen Dienstrechts [zu] sprengen" und die für eine Privatisierung der Behörde erforderlichen (grund)gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Nachdem die Bundespost mit dem zum 1. Juli 1989 umgesetzten Poststrukturgesetz ("Postreform I") eine sektorale Neugliederung der Organisationsbereiche erfahren hatte, aber noch bevor 1994 die "Postreform II" - aus der Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG und Postbank AG hervorgingen - abgeschlossen war, wurde diese Argumentationslinie mit der Privatisierung und Deregulierung des deutschen Bahnwesens aufgegriffen. Als nicht minder bedeutend für die nachhaltige Veränderung der deutschen "regulativen Kultur"180 ist die wachsende Integrationstiefe der EU zu werten, ging doch eine zentrale Entscheidung "in Richtung mehr Marktwirtschaft"181 im Verkehrssektor mit dem Untätigkeitsurteil vom 22. Mai 1985 von europäischer

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