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Abschied von der Solidarität? Zum Wandel der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. von Schild, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2015
  • Verlag: NZZ Libro
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Abschied von der Solidarität?

Als Zeitzeuge und Akteur plädiert Andreas Schild für eine neue Orientierung und eine breitere Abstützung der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. Staatspolitische Interessen, Werte und Eigenheiten der Schweiz sollen vermehrt mit entwicklungspolitischen Anliegen verbunden werden. Weiter fordert er von der internationalen Zusammenarbeit mehr Öffentlichkeit und Transparenz. Seine zeitgeschichtliche Analyse verbindet 40 Jahre praktischer Erfahrung mit strategischer Reflexion. Im ersten Teil beschreibt er persönliche Erfahrungen in Nepal, Ruanda, Afghanistan und Nordkorea. Im zweiten Teil behandelt er drei zentrale Themen der praktischen Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahre: Armutsbekämpfung, die Rolle der zivilgesellschaftlichen Organisationen und Erfolg und Misserfolg der Arbeit. Der dritte Teil verbindet Entwicklungszusammenarbeit mit innen- und aussenpolitischen Überlegungen. Er beschreibt den Wandel von solidarischer Entwicklungshilfe zu staatspolitischer Interessenvertretung und Profilierung.

Andreas Schild, Dr. phil., Historiker. Delegierter Rotes Kreuz in Nigeria (1968) und Bangladesch (1972). Teamleiter Entwicklungshelfer (1973) und DEZA-Koordinator (1974-1978) in Nepal. Regionaler Koordinator DEZA in Ruanda und Burundi (1979-1982). Leiter Auslandprogramm Helvetas (1983/84, 1987/88). Berater ländliche Entwicklung Bolivien (1985/86), Direktor INTERCOOPERATION (1988-2000), selbstständiger Konsulent und Berater UNDP in Nordkorea (2000-2004). Teamleiter National Solidarity Program in Afghanistan (2004-2007). Direktor International Centre for Integrated Mountain Development (2007-2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 16.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783038100805
    Verlag: NZZ Libro
    Größe: 1469kBytes
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Abschied von der Solidarität?

1. Nepal - Wiege der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit

Neben meiner Tätigkeit als Teamleiter des Entwicklungshelferprogramms (Swiss Technical Assistants Programme) war ich Koordinator für die Vorbereitung des Integrated Hill Development Programme ( IHDP ) 1973/74 und von 1974 bis 1978 Leiter der SATA (Koordinator DEH und Teamleiter Helvetas).

Zwischen 1982 und 2000 besuchte ich Nepal wiederholt im Auftrag von Helvetas und INTERCOOPERATION.

Von März 2007 bis Ende 2011 leitete ich ICIMOD (International Centre for Integrated Mountain Development) mit Sitz in Kathmandu.

1.1 Nepal als Schweizer Land und Land der Schweizer

Keinem sogenannten Entwicklungsland hat die Schweiz so viel Sympathie entgegengebracht wie Nepal. Für viele Schweizer und Schweizerinnen war es das erste Land, das sie ausserhalb Europas kennenlernten. Es war das erste Land, in dem die Schweiz Entwicklungshilfe leistete, bevor diese überhaupt ein Thema war.

Einige betrachten Nepal als eigentliche Wiege der Schweizer Entwicklungshilfe. Weshalb?

Da nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 in Südasien ein neuer Wind wehte, glaubte das damalige Regime in Nepal, die hermetische Abriegelung zugunsten einer vorsichtigen Öffnung des Landes aufgeben zu müssen. Weshalb ausgerechnet die Schweiz als Türöffner eingeladen wurde, ist nicht ganz klar. Die verschiedenen Erklärungsmodelle sind interessant, weil sie in einen bestimmten historischen Kontext passen: Einig ist man sich, dass der nepalesische Botschafter in London eine wichtige Vermittlerrolle spielte. Ob er nun seinen Vorgesetzten die Schweiz empfahl, weil er sie wie die englischen Touristen kannte oder weil er das Geld der Ranas, der damaligen Herrscher, über Schweizer Banken verwalten liess, ist nicht klar.

In der Schweiz waren verschiedene Kreise erpicht, der Einladung Nepals Folge zu leisten. Wem sollte das Privileg zukommen, in das geheimnisvolle Land zu reisen? Die Alpinisten um den Schweizer Alpen-Club und Vertreter der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) machten sich die Expedition streitig. In Bern war Aussenminister Petitpierre damit beschäftigt, die schweizerische Neutralität in die Nachkriegszeit zu retten. Mit der Mission nach Nepal konnte ein kleines Fenster der Solidarität ausserhalb des europäischen Kontinents geöffnet werden. Den Zuschlag für die erste Reise und für das, was später als Swiss Forward Team bezeichnet wurde, erhielt 1949 die ETH.

So befand sich die Schweiz in Nepal gewissermassen in der Poleposition, und Nepal wurde geradezu zum Prototyp, wenn von den armen Entwicklungsländern die Rede war. Dies war sicher zu einem wesentlichen Teil den ersten Everest-Expeditionen 1952 und 1956 zuzuschreiben. Die Schweizer Expeditionen hinterliessen nicht nur alpinistisch prägende Eindrücke. Sie rüsteten die Sherpas alpin aus und machten damit die Kulis der Engländer zu Alpinisten und Partnern. Das registrierten die Sherpas sehr wohl, und es entstanden persönliche Freundschaften zwischen Bergkameraden, die späteren Expeditionen wie den Engländern unter Hunt verwehrt blieben.

Von grosser entwicklungspolitischer und historischer Bedeutung sollte aber die Arbeit des Swiss Forward Team ab 1949 sein. Das aus vier ETH-Experten bestehende Team formulierte erstmals konkrete Vorschläge, wie sich die Landwirtschaft und andere Sektoren der Wirtschaft Nepals entwickeln könnten. Eine ganz besondere Anerkennung verdient der frühe Nepal-Kenner und Geologe Toni Hagen. Er schuf mit seinen Fotos und einem Nepal-Buch ein bleibendes Bild eines armen Gebirgslandes mit phantastischen Landschaften, einer unversehrten Gebirgskultur und einer gastfreundlichen Bevölkerung. Dieses Nepal-Bild entsprach den positiven Werten, mit denen sich die Schweizer in der Nachkriegszeit identifizierten. Die schweizerischen Pioniere konnten die Lebensumstände der

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