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Al-Qaidas deutsche Kämpfer Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus von Steinberg, Guido (eBook)

  • Verlag: edition Körber-Stiftung
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Al-Qaidas deutsche Kämpfer

Die Dschihadisten-Szene in Deutschland gilt als die dynamischste Europas. Nirgendwo sonst in der westlichen Welt ist die Zahl der Rekruten für al-Qaida und andere Terrororganisationen ähnlich schnell gewachsen wie hier. Deutsche Glaubenskrieger aus Berlin, Hamburg und Bonn - Konvertiten ebenso wie Immigranten - reisen in Länder wie Pakistan, Tschetschenien und Somalia, werden dort militärisch ausgebildet und im terroristischen Kampf eingesetzt. Mittlerweile verfügen viele von ihnen über Kampferfahrung, erworben etwa in Afghanistan und seit einigen Jahren auch in Syrien. Guido Steinbergs umfassende, niemals alarmistische politische Analyse zeichnet die Radikalisierung dieser Kämpfer für Gott und al-Qaida nach und ordnet das Phänomen in die internationale Entwicklung des islamistischen Terrorismus ein. Um die drohende Terrorgefahr in den nächsten Jahren auch hierzulande abzuwehren, fehlen Deutschland bis heute starke und wirksame Sicherheitsmaßnahmen. Eindringlich warnt der Terrorismusexperte daher vor einer Entwicklung, die aus Deutschland kommend auch wieder dorthin zurückkehren kann.

Guido Steinberg ist promovierter Islamwissenschaftler und arbeitet bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin über die Politik des Nahen und Mittleren Ostens mit den Schwerpunkten Arabische Halbinsel, Dschihadismus, Politischer Islam und islamistischer Terrorismus. Steinberg war bis Oktober 2005 Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt, er ist Wissenschaftler und tritt regelmäßig als Gutachter für die Bundesstaatsanwaltschaft in Terrorismusverfahren auf und ist ein in den Medien gefragter Nahost- und Terrorismusexperte. In der edition Körber-Stiftung erschien 2009 "Im Visier von al-Qaida".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896844743
    Verlag: edition Körber-Stiftung
    Originaltitel: German Jihad
    Größe: 2787 kBytes
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Al-Qaidas deutsche Kämpfer

Anschläge von Einzeltätern und der Europlot

Am 2. März 2011 erlebte Deutschland seinen ersten Terroranschlag seit den Tagen der linksextremistischen Rote Armee Fraktion (1970-1998) und die erste von einem Dschihadisten durchgeführte Attacke. Am Frankfurter Flughafen tötete ein junger kosovarischer Muslim aus Frankfurt zwei amerikanische Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. Der einundzwanzigjährige Arid Uka agierte offenbar als "einsamer Wolf" - ein Begriff, den die Sicherheitsdienste manchmal für einen Terroristen verwenden, der allein und unabhängig von einer größeren Organisation vorgeht. Er war 1994 mit seiner Familie nach Deutschland gekommen und zeigte Berichten zufolge vor den Anschlägen keine dschihadistischen Neigungen. Doch seit dem Spätsommer 2010 radikalisierte sich Uka in ganz kurzer Zeit. Wie auf seiner Facebook-Seite unter dem Pseudonym "Abu Reyyan" (Abu heißt "Vater von") ersichtlich, pflegte er in den zwei bis drei Wochen vor seinem Anschlag Online-Kontakte zu bekannten salafistischen Predigern, woraus Experten schlossen, seine Radikalisierung sei zum Zeitpunkt des Anschlags noch nicht abgeschlossen gewesen. Der prominenteste unter seinen Kontaktleuten war der marokkanische Aktivist Abdallatif Rouali, der in Frankfurt als wichtiger dschihadistischer Ideologe gilt. 1 Der Prediger leugnete den Kontakt mit dem Mörder. Die Polizei hatte jedoch in der Woche vor dem Anschlag Roualis Wohnung und die mehrerer seiner Gefolgsleute durchsucht, weil sie vermutete, der Prediger habe Freiwillige für den bewaffneten Kampf in Afghanistan rekrutiert. Weil Uka Berichten zufolge versuchte, an den Hindukusch zu gelangen, warf Roualis mögliche Rolle einige Zweifel auf. Dennoch wurden bis Mitte 2014 keine Beweise für die Existenz eines größeren Netzwerks zutage gefördert.

Seit Januar 2011 hatte Uka als Sortierer im internationalen Briefzentrum der Deutschen Post am Flughafen Frankfurt gearbeitet. So konnte er leicht herausfinden, wo die Busse des US-Militärs hielten, die zum Luftwaffenstützpunkt Ramstein rund 130 Kilometer südwestlich von Frankfurt pendelten. Er ging auf einen Bus zu, vor dem Mitglieder eines Teams der Air Force Security Forces, einer Art Militärpolizei, auf die Abfahrt nach Ramstein warteten, bat einen amerikanischen Soldaten um eine Zigarette und fragte, ob die Soldaten im Bus tatsächlich nach Afghanistan unterwegs seien. 2 Als der Soldat das bestätigte, zog Uka seine Waffe und schoss einem anderen vor dem Bus wartenden Militärpolizisten zweimal in den Hinterkopf. Dann bestieg er den Bus, wo er den Fahrer niederstreckte und einem dritten Soldaten in den Kopf schoss. Das vierte Opfer wurde durch einen Schuss in die Brust lebensgefährlich verletzt. Als Uka versuchte, einen fünften Soldaten in den Kopf zu schießen, blockierte seine Pistole trotz zweier Schussversuche. Daraufhin versuchte er zu fliehen, wurde aber von dem fünften Soldaten verfolgt und schließlich von der deutschen Polizei festgenommen. Hätte die Pistole nicht blockiert, hätte Uka vermutlich noch viel mehr Menschen getötet, denn er führte noch eine Menge Reservemunition mit sich.

Bei der ersten Vernehmung versuchte Uka seine Tat als präventive Selbstverteidigung zu rechtfertigen. Seiner Aussage zufolge hatte er am Abend vor dem Anschlag einen von der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) produzierten Propagandafilm gesehen, der angebliches Doku-Material zu sexuellen Übergriffen von Amerikanern auf irakische und afghanische Frauen zeigte. Das Video war für den deutschen Markt hergestellt worden und enthielt eine längere deutschsprachige Sequenz, in der der Deutschmarokkaner Yassin Chouka (alias Abu Ibrahim al-Almani) Muslime aufrief, muslimische Frauen im Irak und in Afghanistan gegen Vergewaltiger aus den Reihen der Amerikaner und ihrer Verbündeten zu verteidigen. Uka erklärte den Vernehmungsbeamten, zu seiner Tat veranlasst habe ihn eine Sz

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