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Armut in einem reichen Land Wie das Problem verharmlost und verdrängt wird von Butterwegge, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2016
  • Verlag: Campus Verlag
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Armut in einem reichen Land

Vermehrte Fluchtmigration, Angst vor gesellschaftlichem Abstieg und soziale Ungleichheit: Obwohl diese Themen viele Menschen umtreiben, wird Armut in Deutschland, so Christoph Butterwegge, nicht konsequent bekämpft, sondern verharmlost und 'ideologisch entsorgt'. In der aktualisierten Auflage seines Standardwerks diskutiert er auch, was getan werden muss, um die Kluft zwischen Arm und Reich wieder zu schließen. 'Dieses Buch besticht durch analytische Klarheit und präzise politische Urteile. Wer sich über alle Aspekte von Armut informieren möchte, kommt an ihm nicht vorbei.' Süddeutsche Zeitung Christoph Butterwegge ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593434766
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2736 kBytes
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Armut in einem reichen Land

1. Armut in der Bundesrepublik - Begriffsdefinition und Bestandsaufnahme

Aufgabe dieses Kapitels ist es, einen stichwortartigen Überblick zum Thema "Armut" zu geben, anders gesagt: wissenschaftliche Definitionen, relevante forschungsrichtungen, wichtige Erscheinungsformen, damit verbundenene funktionen und Betroffenengruppen zu umreißen. Bisher existiert weder eine überzeugende, das Phänomen der Armut plausibel erklärende Theorie noch eine umfassende, es sowohl qualitativ wie auch quantitativ bestimmende Empirie. Sogar der Begriff ist selbst unter fachleuten umstritten und wird es auch bleiben, weil keine Armutsdefinition für alle Länder und alle Zeiten gleichermaßen Gültigkeit beanspruchen kann. Umso wichtiger ist es, sich mehr Klarheit darüber zu verschaffen, welche Alternativen einer Armutsdefinition es gibt, warum es zu teils sehr unterschiedlichen Auffassungen darüber kommt und wie man damit in Zukunft produktiv umgeht. Armut und Reichtum: Begriffe, Geschichte und Kontroversen

Armut in einem reichen Land - das ist eine mehr oder weniger extreme Ausprägung der sozialen Ungleichheit. Deshalb muss geklärt werden, was darunter zu verstehen ist und in welchem Verhältnis sie zum Reichtum als begrifflichem Pendant steht. Zunächst soll der Armutsbegriff erörtert werden, um eine terminologische Grundlage für die kommenden Ausführungen zu schaffen. Wenn möglich, dürfen keine Missverständnisse im Hinblick auf die frage mehr aufkommen, was Armut und ihr Kontrastbegriff: Reichtum bedeuten. Versuch einer Arbeitsdefinition: Was man unter dem Begriff "Armut" versteht Jede/r glaubt zu wissen, was "Armut" ist, versteht darunter allerdings etwas anderes. Umso notwendiger erscheint eine wissenschaftliche Begriffsklärung - gerade auch angesichts der unzähligen mehr oder weniger unvermittelt nebeneinander stehenden Versuche von fachwissenschaftler(inne)n, den Begriff "Armut" zu definieren. Um nicht abgehoben zu wirken, sondern auch für Laien verständlich und überzeugend zu sein, darf sich eine Armutsdefinition allerdings nicht allzu weit vom Alltagsbewusstsein entfernen. 1 "Armut" ist kein Begriff wie jeder andere, sondern seit jeher höchst umstritten und immer noch heiß umkämpft. Machen wir uns nichts vor: Wer ihn benutzt, betritt ein ideologisch vermintes Gelände, auf dem über die sozioökonomische Architektur und die Machtstruktur unserer Gesellschaft verhandelt wird. Obwohl seit Jahrhunderten fest im Alltagssprachgebrauch verankert, ist "Armut" ein mehrdeutiger, missverständlicher sowie moralisch und emotional aufgeladener Terminus, welcher in der hiesigen Öffentlichkeit vorsichtiger und seltener als im Ausland verwendet, manchmal falsch aufgefasst und z.T. auch bewusst fehlinterpretiert wird. Da die Armut nie im luftleeren Raum vorkommt, sondern von den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen abhängt, unter denen sie herrscht, kann kein Wissenschaftler ein für alle Mal festlegen, was darunter fällt und was nicht. "Es gibt keine allgemeingültige Definition von Armut, sondern nur eine jeweils zu einem gewissen Zeitpunkt in einer gegebenen Gesellschaft herrschende Definition. Sie prägt die Politik gegenüber den Armen, entscheidet darüber, ob sie das Etikett Armut erhalten, die zur Unterstützung berechtigt, oder ob sie anders etikettiert werden." 2 Auch existiert keine objektive, über den gesellschaftlichen Lagern, Politikern wie Parteien stehende Sozialwissenschaft, die eine "ideologiefreie" Definition liefern und damit den Konfliktstoff, welchen das Thema bietet, entschärfen kann. Nein, was Armut ist, muss immer wieder im öffentlichen bzw. im fachdiskurs - und das heißt: möglichst kontrovers - erörtert werden. Denn eine "sterile" Behandlung des Armutsproblems ist undenkbar: "Der Rückzug der Wissenschaft, insbesondere der Soziologie, auf die Position wertneutraler Beobachtung ebnet am

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