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Axel Cäsar Springer Ein deutsches Feindbild von Jens, Tilman (eBook)

  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Axel Cäsar Springer

'Enteignet Springer' war eine der zentralen Forderungen der 68er-Bewegung. Die Abneigung gegen Springer und die Springer-Presse eint 68er wie politische Linke bis heute, die alten Reflexe funktionieren noch immer. In der DDR war Springer einer der bestgehassten Protagonisten des Westens. Auf Springer-Seite wird hingegen gerne jede Kritik an Axel Cäsar Springer ausgeblendet. Entweder Verdammung oder Heiligsprechung. Tilman Jens porträtiert einen großen, aber auch zutiefst zerissenen Menschen. Vor allem aber interessiert Jens, welche Rolle das Feindbild Springer für die politische Identitätsbildung der 68er wie ihrer Gegner spielte. Ein Lehrstück darüber, wie Helden und Bösewichte gemacht werden, und über die deutsche Unfähigkeit, die Ambivalenz großer Persönlichkeiten zu akzeptieren.

Tilman Jens, geb. 1954, ist Buchautor und Journalist. Er produziert regelmäßig für das ARD Fernseh-Reportagen. Seine erfolgreichen Bücher führen immer wieder kontroversen und wichtigen Debatten. Sein Buch "Demenz" stand wochenlang auf den Bestseller-Listen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 180
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451339233
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 5580 kBytes
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Axel Cäsar Springer

2. Intermezzo in den Schweizer Bergen

DAS JAHR HÄTTE kaum anmutiger beginnen können. Glasklarer Himmel. Fernsicht bis auf den Wildstrubel hinauf. Die Alpenkette rund um Rougemont ist tief verschneit, als ein junger Architekt auf die zuvor sorgsam mit Fell umwickelten Skier steigt, um, begleitet von seiner großen Jugendliebe, die Reinheit der stolzen helvetischen Gipfel zu bewahren. Wie oft hat ihn die Freundin mit den grünen Augen als kleinbürgerlichen Stubenhocker verspottet, der immer und ewig nur zaudere. Nun aber wird er endlich zeigen, was lang schon in ihm schlummert: ein ganzer Kerl, ein Untergrundpionier . Jetzt, an diesem 5. Januar 1975, ruft der Dienst am Vaterland. An einem schönen Sonntag im Kalten Krieg habe ich oben auf einem Schweizer Berg Axel Caesar Springers Chalet in Brand gesteckt.

An diesem schönen Sonntag verschafft er sich mit Axt und Brecheisen Zutritt zu dem entlegenen Feriendomizil, einige Kilometer abseits von Gstaad, der höhenluftumwehten Steuer- und Urlaubsoase. Der Hausherr ist abwesend. Nicht einmal Personal bevölkert das mit Granitstein gemauerte, hochmütige Bauwerk , das ihn mehr an die Bergstation einer Seilbahn erinnert als an ein Refugium, das man aufsucht, um über die Geschicke der Welt nachzusinnen . Immerhin, aufs schieferne Dach hat sich der in Gottesfurcht lebende Eigner ein weithin sichtbares Glockentürmchen gesetzt, um dort, fernab der geteilten Heimat, seinen inneren Frieden zu finden. Die Selbsteinkehr wird ihm das brandschatzende Pärchen ein für allemal vergällen. Die junge Frau, mit Fernglas und Trillerpfeife bewaffnet, steht Schmiere vor der gepanzerten Haustür, derweil der Freund drinnen die Gardinen und Decken aus der guten Stube zum Fidibus macht.

In einem kriminologischen Lehrbuch hat er sich in die Finessen der Pyrotechnik eingelesen. Alles wird sorgsam mit Brandpaste verkleistert. Zuletzt entzündet er zwei rote Kerzen. Die sollen, die werden beim Niederbrennen an einem Punkt das große Feuer entfachen. Gründliche Arbeit. Die Residenz des Verachteten aus der Fremde brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die Polizei argwöhnt, die ruchlose Tat habe Methode. Da wollen Feuerteufel einem geistigen Brandstifter das Handwerk legen. 18 Monate zuvor hatte am Sylter Watt – keineswegs durch Blitzschlag! – das Reetdach des "Klenderhof" in Flammen gestanden, die "Springerburg", die Kampener Nobelherberge mit eigenem Hubschrauberlandeplatz. Hier wie dort scheinen Gesinnungstäter – vermutlich dieselben! – das perfekte Verbrechen zu verüben. Auch im Berner Oberland sind sie unerkannt entkommen. Keine Spuren im Schnee. Alles zerstört. Springer, der, wie die Fahnder, von einem terroristischen Anschlag auf seine Person ausging, hat vor einem verbliebenen Mauerrest eine kupferne Gedenktafel anbringen lassen, auf der ein Spruch seines Hausmystikers, des Schweizer Einsiedlers Nikolaus von Flüe, verewigt ist. "Was die Seele für den Leib ist, ist Gott für den Staat. Wenn die Seele aus dem Körper weicht, dann zerfällt er. Wenn Gott aus dem Staat vertrieben wird, ist er dem Untergang geweiht." Von Alpengipfeln umkränzt eine letzte Kampfansage an die ungläubigen Feinde der bestehenden Ordnung. Dann wird die Akte des Falls, der viel Aufsehen erregt hat, für immer geschlossen.

Auf dem Chalet in den Schweizer Alpen durfte der Glockenturm nicht fehlen

Sage und schreibe 31 Jahre hat Daniel de Roulet, der mit Literaturpreisen wohldekorierte Autor aus Genf gebraucht, bis er sich 2006 in einem kleinen, sehr emotionalen Erinnerungsbuch an einen Sonntag in den Bergen , die Gesc

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