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Biopolitik zur Einführung von Lemke, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2016
  • Verlag: Junius Verlag
eBook (ePUB)
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Biopolitik zur Einführung

Der Begriff der Biopolitik ist in aller Munde. Das Spektrum seiner Verwendungsweisen reicht von der Asyl-Politik über die AIDS-Prävention bis hin zur Bekämpfung des Bevölkerungswachstums. Er bezeichnet die Unterstützung landwirtschaftlicher Produkte ebenso wie die Förderung medizinischer Forschung, strafrechtliche Bestimmungen zur Abtreibung und Patientenverfügungen zum Lebensende. Von "Biopolitik" reden Vertreter der Neuen Rechten ebenso wie linke Globalisierungsgegner, Kritiker des biotechnologischen Fortschritts, aber auch dessen Befürworter. Dieser Band bringt Klarheit in das begriffliche Wirrwarr. Er liefert einen Überblick über die Geschichte des Begriffs und erläutert seine Bedeutung in aktuellen politischen Auseinandersetzungen und gesellschaftstheoretischen Debatten. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Arbeiten des französischen Philosophen Michel Foucault und die an seinen Begriff der Biopolitik anschließenden Theorien von Giorgio Agamben auf der einen und Michael Hardt und Antonio Negri auf der anderen Seite. Thomas Lemke ist Professor für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 29.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960600039
    Verlag: Junius Verlag
    Größe: 742 kBytes
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Biopolitik zur Einführung

Einleitung

Der Begriff der Biopolitik hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. War er bis vor kurzem nur wenigen Fachleuten bekannt, findet er heute eine immer größere Resonanz. Das Spektrum seiner Verwendungsweisen reicht inzwischen von der Asyl-Politik über die AIDS-Prävention bis hin zu Fragen des Bevölkerungswachstums. Er bezeichnet die Unterstützung landwirtschaftlicher Produkte ebenso wie die Förderung medizinischer Forschung, strafrechtliche Bestimmungen zur Abtreibung und Patientenverfügungen zum Lebensende. 1 Aber nicht nur die empirischen Gegenstände, auch die normativen Wertungen fallen weit auseinander. Bei "Biopolitik" denken die einen an eine rationale und demokratische Gestaltung der Lebensverhältnisse, während andere sie mit Praktiken der Aussonderung, mit Krankenmord, Eugenik und Rassismus in Verbindung bringen. Der Begriff taucht bei Vertretern der Alten Rechten ebenso auf wie in neueren linksradikalen Texten, es verwenden ihn Kritiker des biotechnologischen Fortschritts, aber auch dessen Befürworter, erklärte Rassisten wie bekennende Marxisten.

Offenbar meint jeder etwas anderes, wenn von Biopolitik die Rede ist. Dabei scheint doch klar zu sein, was der Begriff bezeichnet. Dem Wortsinn nach meint Biopolitik die Politik, die sich mit dem Leben (griech.: bíos ) befasst. Aber hier fangen die Probleme schon an. Denn was für die einen wie eine Banalität klingt ("Befasst sich Politik nicht immer mit dem Leben?"), ist für andere ein Ausschlusskriterium: Politik beginne erst dort, wo das biologische Leben ende. Biopolitik gilt hier als Oxymoron, als Zusammenschluss zweier sich widersprechender Begriffe, denn Politik im klassischen Sinn ist gemeinsames Handeln und Entscheiden, eben das, was über das "nur" Kreatürliche und Körperliche hinausgeht. Auch über historische Grenzziehungen herrscht wenig Einigkeit: Reicht Biopolitik bis in die Antike, möglicherweise sogar bis zur Entstehung der Landwirtschaft zurück, oder ist sie Resultat biotechnologischer Neuerungen in der jüngeren Gegenwart und bezeichnet die "Schwelle eines neuen Zeitalters" (Mietzsch 2002, 4)?

Das vorliegende Buch soll Klarheit in das begriffliche Wirrwarr bringen und eine grundlegende Orientierung vermitteln. Da es sich um die erste Einführung in das Themenfeld der Biopolitik handelt, kann sie für diese Aufgabe nicht auf Vorlagen oder einen etablierten Kanon der Auswahl und Einteilung zurückgreifen. Ebenso fehlt es an eindeutigen disziplinären Konturen. "Biopolitik" bezeichnet ein theoretisches und empirisches Feld, das Fächergrenzen überschreitet und etablierte akademische und intellektuelle Arbeitsteilungen unterläuft. Vor diesem Hintergrund verfolgt diese Einführung ein doppeltes Ziel. Sie soll einerseits einen systematischen Überblick über die Geschichte des Begriffs der Biopolitik liefern und andererseits dessen Bedeutung in aktuellen Theorie-Debatten erläutern.

Angestrebt wird allerdings keine neutrale Wiedergabe oder repräsentative Darstellung der verschiedenen historischen und zeitgenössischen Verwendungsweisen; die unterschiedlichen biopolitischen Konzepte werden im Gegenteil unter einer eigenständigen theoretischen Perspektive analysiert. Der Grund dafür ist systematischer Natur. Die Definition von Biopolitik und die Spezifizierung ihres Gegenstandsbereichs sind keine wertfreien Aktivitäten, die einer universellen und objektiven Forschungslogik folgen, sondern immer schon Bestandteile eines beweglichen und konflikthaften (theorie-)politischen Feldes. Jede Antwort auf die Frage, welche Prozesse und Strukturen, welche Rationalitäten und Technologien, welche Epochen und Zeitabschnitte durch genuin "biopolitische" Problemstellungen gekennzeichnet sind, ist das Ergebnis einer spezifischen Perspektive, der immer etwas Partikulares und Selektives anhaftet. Jede Bestimmung von Biopolitik muss daher ihr analytisches

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