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Demokratie und Globalisierung Europa seit 1989 von Wirsching, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Demokratie und Globalisierung

Seit 1989 hat sich Europa fundamental verändert. Die Spaltung in Ost und West wurde überwunden, die ehemaligen Ostblockstaaten demokratisierten sich in atemberaubendem Tempo und öffneten sich in einer Art Schocktherapie der Marktwirtschaft. Zugleich stellte die Globalisierung die europäischen Gesellschaften vor ganz neue Herausforderungen, mit denen sie bis heute zu kämpfen haben. Der Kontinent ist abhängig geworden von den Finanzmärkten, und immer wieder lauern die dunklen Kräfte der Vergangenheit: imperiale Versuchungen und nationalistische Rückfälle, ethnisch-kulturell angetriebener Hass, Gewalt und Blutvergießen. Andreas Wirsching durchleuchtet in seinem meisterhaften Überblick die Paradoxien der europäischen Gegenwartsgeschichte. Dabei wird deutlich: Die Krise Europas besteht in nichts anderem als in seinem Zusammenwachsen. Andreas Wirsching ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 16.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406667008
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 6048 kBytes
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Demokratie und Globalisierung

Einleitung

/s/ rebrenica, 11. Juli 1995 : Bosnische Serben dringen in die von UN-Truppen besetzte "Schutzzone" im bosnischen Srebrenica ein und verüben ein Massaker, das Europa mit Grauen erfüllt. Fast 8000 bosnische Jungen und Männer fallen ihm zum Opfer. Es handelt sich um das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Singapur, Ende Februar 1995 : Der britische Investment-Banker Nick Leeson gerät an den fernöstlichen Wertpapierbörsen in Schwierigkeiten. Seit Jahren hat er hinter dem Rücken seines Arbeitgebers, der britischen Barings Bank, auf eigene Rechnung, aber mit fremdem Kapital spekuliert. Nach einer Serie von Rückschlägen steigt der von ihm akkumulierte Verlust auf ca. 619 Millionen britische Pfund. Die illegalen Machenschaften lassen sich nicht mehr verheimlichen, und Barings, die älteste Privatbank Europas, gegründet 1762, ist pleite - von einem einzigen ihrer leitenden Angestellten in den Ruin getrieben.

Athen, 10. April 2014: Griechenland kehrt wieder an den internationalen Anleihenmarkt zurück, nachdem es dem Staatsbankrott nur durch jahrelange Milliardenhilfen aus der Euro-Zone entgangen ist. Die griechische Regierung ist in der Lage, Staatsanleihen im Wert von ca. drei Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,75 Prozent zu begeben. Da die Nachfrage nach griechischen Papieren weitaus höher ist, bleibt auch der Zinssatz unter den eigentlich erwarteten 5,0-5,25 Prozent. Ist Griechenland nun gerettet, die Euro-Krise überwunden? Hierüber scheiden sich die Geister in Politik und Öffentlichkeit, auch wenn die meisten darin einen Erfolg für die finanzpolitische Stabilisierungsstrategie der Europäer erkennen.

Odessa, 2. Mai 2014 : Eine Auseinandersetzung zwischen pro-russischen Separatisten und ukrainischen Nationalisten eskaliert; die Polizei greift nicht oder nur zögerlich ein, vier Tote bleiben zurück. Pro-ukrainische Demonstranten attackieren daraufhin ein Zeltlager der Separatisten, von denen eine Vielzahl in ein nahes Gewerkschaftsgebäude flüchtet. Das Haus wird belagert, und mehr als 30 Menschen müssen sterben, als es in Brand gesteckt wird. Insgesamt zählt man an diesem Tag 48 Tote in Odessa, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Es bleibt unklar, wer welche Schuld trägt, aber die Gewalt schürt den Hass. Schon ist die Rede von einem "Genozid", während die Ukrainer umgekehrt dem russischen Geheimdienst Provokationen vorwerfen.

Die vier Episoden symbolisieren die Spannweite der jüngsten europäischen Geschichte: Der Kontinent ist abhängig geworden von den Finanzmärkten, auf denen sich hypermoderne Transaktionen vollziehen, möglich geworden nur auf der Basis fortgeschrittener Informationstechnologie - Betrug und Wirtschaftskriminalität inklusive. Zugleich aber lauern gleichsam dunkle Kräfte der Vergangenheit: imperiale Versuchungen und nationalistische Rückfälle, ethnisch-kulturell angetriebener Hass, Gewalt und Blutvergießen. Tatsächlich gehört all dies zur europäischen Gegenwart. Staat und Nation, Gewalt und Kommunikation, Wirtschaft und Kapital, Globalisierung und regionale Identität sind wichtige Leitmotive. Und sie treiben die Paradoxien der jüngsten Entwicklung an: fortschreitende Einheit bei fortbestehender Vielfalt, ja sogar gesteigerter kultureller Differenzierung. Europas jüngste Geschichte bewegt sich innerhalb dieses dialektisch zu verstehenden Spannungsfeldes, das den Rahmen für die folgende Darstellung abgibt.

Trotz aller fortbestehenden Unterschiede ist die europäische Geschichte aber doch von einem mächtigen historischen Trend zur Konvergenz geprägt. Das gemeinsame Europa speist sich aus wachsender Angleichung und steigenden Ähnlichkeiten, immer engeren Verflechtungen und gemeinsamen Erfahrungsschätzen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Krisen mag eine solche Auffassung überraschen. Aber man sollte Ang

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