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Demokratie Geschichte, Formen, Theorien von Vorländer, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Demokratie

Was macht eine Demokratie aus? Das Buch zeigt, wie die Demokratie in der Antike erfunden wurde und wie sie sich in der Moderne verändert hat. Unmittelbare, direkte Demokratie dort, mittelbare, repräsentative Demokratie hier – das sind die Grundformen. Darüber hinaus unterscheiden sich theoretische Modelle und gelebte Demokratien erheblich voneinander. Der Band erörtert alle zentralen Bedingungen, die Voraussetzungen und die Chancen der Demokratie.

Hans Vorländer ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden und Mitherausgeber der Zeitschrift für Politikwissenschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406693380
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2434 kBytes
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Demokratie

II. Die Entstehung der Demokratie

Als der attische König Theseus vom Herold aus Theben gefragt wird, wem er die Botschaft des thebanischen Königs Kreon überbringen könne - "Wer ist hier der absolute König?" -, da setzt Theseus zu einem Loblied auf Athen an:

"Nichts ist dem Volke so verhasst wie ein Tyrann.

Dort gelten nicht als Höchstes die gemeinsamen

Gesetze; einer schaltet als Gesetzesherr

Ganz unumschränkt, und das ist keine Gleichheit mehr.

Doch werden die Gesetze schriftlich festgelegt,

genießt der Arme wie der Reiche gleiches Recht;

die freie Rede steht dem Armen zu wie dem

vom Glück Gesegneten, wenn er beleidigt wird,

und hat er recht, besiegt der kleine Mann den großen.

So klingt der Ruf der Freiheit: 'Wer will einen Rat,

der unsrem Staate nützt, vor die Versammlung bringen?'

Und wer es wünscht, der erntet Ruhm, wer nicht,

kann schweigen.

Wo gibt es größere Gleichheit noch in einem Staat?"

Die Rede des Theseus findet sich bei Euripides, in dessen Drama Hiketiden (Die Schutzflehenden - 424 v. Chr.). Hier werden die Grundlagen der Demokratie Athens genannt: Gleichheit vor dem Gesetz, das Recht der freien Rede, die gemeinsame Beratung, schriftlich festgelegte Gesetze. Das Erstaunen des thebanischen Herolds über die Verhältnisse in Athen zeigt sich, als er in seiner Gegenrede das Loblied auf die Monarchie singt: "... in der Stadt, die mich entsandte, wird die Herrschaft von einem Manne, nicht vom Pöbel ausgeübt; und keinen gibt es, der das Volk durch eitles Schwatzen - zum eigenen Vorteil nur! - bald hier, bald dorthin lenkt. ... Wie kann überhaupt das Volk den Staat beherrschen, wo es nicht die Redekunst beherrscht? Und ein armer Bauersmann mag zwar nicht unvernünftig sein - im Drange seiner Arbeit kann er jedoch kaum den Blick auf das Gemeinwohl richten! " - Euripides macht den thebanischen Herold zum Sprachrohr der Demokratiekritik: das Volk als "Pöbel", Demokratie als Veranstaltung der Demagogen und Schwätzer, der einfache Mann zur Politik nicht fähig. Das Unverständnis des Thebaners änderte indes nichts daran, dass Athen für knapp zwei Jahrhunderte eine funktionsfähige Demokratie gewesen ist.

Nach athenischer Auffassung war demokratia eine Verfassungsform, in der das Volk (demos) die Macht (kratos) in der Polis inne hatte. Darunter wurde verstanden, dass das Volk die volle Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt ausübte. Allein das Volk beschloss Gesetze und Dekrete, es wählte die Beamten, es übte die Kontrolle der gewählten und erlosten Amtsträger aus, es prüfte die Amtsführung und es bestimmte die Richter. Damit war die Demokratie in Athen ein Regime direkter, unmittelbarer Herrschaft des Volkes, das auf umfassender Beteiligung aller männlichen Bürger beruhte und das keine Unterschiede zwischen arm und reich kannte. Die Demokratie Athens zeichnete sich durch ein Maß an Bürgerbeteiligung aus, das seitdem kaum wieder erreicht worden ist.

Die Reformen von Kleisthenes (508/507 v. Chr.) begründen die athenische Demokratie, mit der erfolgreichen Zurückweisung der beiden persischen Einfälle in Griechenland (490 u. 480 v. Chr.) beginnt das goldene Zeitalter der Demokratie, das vor allem mit dem Namen Perikles verbunden ist. Während des Peloponnesischen Krieges, der 431 v. Chr. ausbrach und sich bis 404 hinzog, zeigten sich Krisen der Demokratie, die aber, nach oligarchischen Intervallen, überwunden werden konnten. Die Demokratie wurde wieder neu eingerichtet und erlebte im Zeitalter des Demosthenes bis etwa 322 v.Chr. eine neue Blüte. Nach dem Tod Alexanders des Großen endet die klassische Epoche der attischen Demokratie.

Wenn die Verfassung Athens von den Reformen des Kleisthenes von 508/7 an bis zur Niederlage im so genannten Lamischen Krieg 322 eine demokratia war, so lassen sich die

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