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Der Begriff der Religion Interdisziplinäre Perspektiven

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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Der Begriff der Religion

Was ist Religion? Seit einigen Jahren beschäftigt sich die Politikwissenschaft zunehmend intensiver mit religiösen Phänomenen. Bislang fehlt jedoch eine substanzielle Annäherung an den Begriff der Religion. Ein solcher Versuch wird in diesem Band unternommen. Er bietet zunächst eine ideengeschichtliche Rekonstruktion des modernen Religionsbegriffs unter Berücksichtigung seiner antiken Ursprünge und mittelalterlichen Transformationen. Daran anschließend fragt er nach dem Potential zeitgenössischer religions-, rechts- und sozialwissenschaftlicher Religionsbegriffe. Weitere Beiträge konkretisieren die gewonnenen Befunde. Der Band liefert damit eine erste systematische Auseinandersetzung mit dem komplexen Begriff der Religion aus politikwissenschaftlicher Sicht.

Dr. Mathias Hildebrandt ist Privatdozent am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg.
Dr. Dr. Manfred Brocker ist Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 11.09.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531910055
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 17088 kBytes
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Der Begriff der Religion

II. Der Begriff der Religion: Perspektiven disziplinäre (S. 101-102)

Zum Religionsverständnis in Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam Hans-Michael Haußig

1. Vorbemerkungen

Sprechen wir heutzutage von Religion, so verstehen wir darunter meist recht unterschiedliche Dinge. Der Begriff Religion dient heutzutage als Oberbegriff far Vorstellungen, Einstellungen und Handlungen, die Menschen gegenüber höheren Mächten bzw. als höhere Mächte erfahrenen Wesen, Göttern, oder auch nur in Relation zu etwas, das in irgendeiner Weise als transzendent oder heilig erfahren wird, zum Ausdruck bringen. Daneben dient er aber auch zur Bezeichnung unter- schiedlicher Religionstypen, wie Stammesreligion, Nationalreligion, Universalreligion, monotheistischer Religion, polytheistischer Religion, prophetischer Religion oder Offenbarungsreligion. Alle diese Begriffe repräsentieren zugleich mannigfaltige Inhalte und Praktiken, die z. T. auch in einem Widerspruch zueinander stehen.

Bei aller Verschiedenheit im Einzelnen liegt in dem Gebrauch des Begriffs Religion jedoch zumindest die Annahme begründet, dass es Dinge gibt, die Religion sind und die unter einem einheitlichen Oberbegriff zusammengefasst werden können. Die einzelnen Religionen bzw. Religionsgemeinschaften, wie Judentum, Christentum, Islam und andere, werden dementsprechend als spezifische Ausformungen dieser mit dem Oberbegriff Religion bezeichneten Phänomene verstanden. Das Religionsverständnis der einzelnen Religionen sieht demgegenüber wesentlich komplexer aus.

Nicht alle als ,Religion` bezeichneten Gemeinschaften verfügen aber eine dem modernen Religionsverständnis vergleichbare Vorstellung von Religion, manche Religionen haben eine solche erst im Verlauf einer längeren Entwicklung ausgeprägt. Auch wenn heutzutage sich zumindest die großen Weltreligionen als ,Religion` bezeichnen, so zeigt sich auch hier, dass die mit diesem Begriff verbundenen Vorstellungen z. T. erhebliche Unterschiede aufweisen und sich dabei meist an einschlägigen Begriffen der jeweils eigenen Objektsprache orientieren. In den folgenden Ausfahrungen soll zunächst eine Charakterisierung der Terminologie der einzelnen Religionen im Hinblick auf ihr Religionsverständnis gegeben werden und dieses dann anhand von Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam erläutert werden.

2. Zur Charakteristik der Terminologie in den Religionen

Der Begriff Religion in seiner heutigen Verwendungsweise ist dem religiösen Vokabular des neuzeitlichen (protestantischen) Christentums entnommen. Sein heutiger Gebrauch ist allerdings erst das Resultat der Aufklärung. Im Mittelalter wurde der Begriff niemals auf andere Religionen übertragen und war auch nicht primär mit dem Bereich der Innerlichkeit verbunden, mit dem ihn die Religionswissenschaft in der Vergangenheit gerne in Verbindung gebracht hat. In der Folge der Aufklärung sah man die nichtchristlichen Religionen nicht mehr bloß als superstitio, als ,Aberglauben`, an, sondern als dem Christentum durchaus vergleichbare Formen der Gottesverehrung. Das Christentum verfügt heutzutage in Religion über einen Begriff, mit dem es nicht nur sich selbst definieren kann.

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