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Der deutsche Salafismus von Baehr, Dirk (eBook)

  • Erschienen: 06.06.2011
  • Verlag: GRIN Verlag
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Der deutsche Salafismus

Forschungsarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa, , Sprache: Deutsch, Abstract: Der Begriff 'salaf' bedeutet fortfahren oder fortschreiten. Salafisten fühlen sich berufen, auf dem Weg Mohammeds fortzufahren. Und nur dieser Weg wird von den Salafisten als der einzig wahre Weg zur richtigen Ausübung des islamischen Glaubens angesehen. Im Salafismus gilt nur die reine Glaubenslehre (aqidah) als bindend. Wahr ist nur der Islam, der von den rechtsschaffenden Altvorderen (al-salaf al-salih) in der Frühphase des Islams gelebt wurde, da diese unmittelbar Kontakt mit dem Religionsbegründer Mohammed hatten oder dessen Nachfolger kannten. Die drei Generationen der rechtschaffenden Altvorderen, die von 610 n. Chr. bis zum Tode Ibn Hanbals im Jahre 855 n. Chr. den islamischen Glauben maßgeblich prägten, gelten als die entscheidenden Vorbilder der Salafisten, weil sie angeblich die einzigen Gläubigen waren, die fromm und gottesfürchtig lebten. Alle, die dieser Form der Glaubensausübung nicht folgen, sind keine 'wahren' Muslime und müssen von den Salafisten auf den richtigen Weg zurückgebracht werden. Falls sie diesen salafistischen Weg nicht folgen, 'prophezeien [sie] ihnen, nach dem Tod in der Hölle zu landen.' Interessant ist, dass die Salafisten viele religiöse Veränderungen, die nach 855 n. Chr. in den Islam eingedrungen sind, als unislamische Neuerungen (bida) ansehen und deswegen konsequent ablehnen. Damit werden große Teile der islamischen Rechtsauslegung von den Salafisten nicht geduldet. Dies resultiert aus der strengen Betonung der Einzigkeit Gottes, die für alle Salafisten durch jegliche Art von Neuerungen verteidigt werden muss, um die Einheit des Glaubens (tawhid) aufrecht zu erhalten. Dabei schrecken Salafisten nicht zurück, Jahrhunderte alte Lehrmeinungen der islamischen Rechtsgelehrten, die zwischen dem 9. und dem 19. Jahrhundert den Islam geprägt haben, als unislamisch zu bezeichnen, weil diese angeblich zum Verfall des islamischen Glaubens und somit zum Niedergang der islamischen Herrschaft in der Welt geführt haben sollen.

Produktinformationen

    Größe: 3181kBytes
    Reihe (Teil): Akademische Schriftenreihe Bd.V173076
    Herausgeber: GRIN Verlag
    Untertitel: Vom puristisch-salafistischen Denken eines Hasan Dabbaghs bis zum jihadistischen Salafismus von Eric Breininger.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 37
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783640931941
    Erschienen: 06.06.2011
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Der deutsche Salafismus

2 Besondere Charakteristika des deutschen Jihadi-Salafismus

2.1 Keine Führungskader der Al-Qaida in Deutschland

1989 ist ein entscheidendes Jahr für das Entstehen des europäischen Jihadismus, da sich die sowjetische Armee aus Afghanistan zurückzieht und viele arabische Mudschahideen, die jahrelang gegen die russischen Invasoren kämpften, Afghanistan verlassen. Der Rückzug der Russen wird als ein großer Sieg der Taliban und der arabischen Mudschahideen angesehen. Die meisten arabischen Kämpfer sehen allerdings keinen Grund, weiterhin in Afghanistan zu verbleiben und kehren nach dem Sieg über die Russen in ihre Heimatländer zurück. Saudis, Jemeniten und Kuwaitis reisen problemlos in ihre Heimatländer zurück. Für die nordafrikanischen Mudschahideen ist die Rückreise in ihre Heimatländer jedoch mit Schwierigkeiten verbunden. Denn es droht ihnen die Verfolgung von den staatlichen Sicherheitsbehörden. Daher lebten bis 1992 noch 2800 Araber in Pakistan, die nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten. Ab 1992 planten die pakistanischen Sicherheitsbehörden alle "afghanischen Araber" aus ihrem Land abzuschieben. [32] Dadurch, dass die militanten Araber aus Pakistan gedrängt werden sollten, suchten sie nach einem Rückzugsort, in dem sie für ihre Sache weiter kämpfen konnten. Für die meisten Jihadisten blieb nur die Möglichkeit nach Europa zu fliehen, was sich als äußerst attraktiv erwies, weil genau zu diesem Zeitpunkt der Bürgerkrieg in Bosnien begann. Anfangs versuchten die meisten Afghanistan-Veteranen noch in Großbritannien und Frankreich Asyl zu bekommen. Seit dem Beginn des Bürgerkrieges auf dem Balkan lebten viele Jihadisten in Bosnien. Die Führungskader der "afghanischen Araber" zog es entweder nach Mailand/Italien oder London/Großbritannien. In den Jahren 1992 und 1993 entstanden in Mailand sowie London die Hauptquartiere des europäischen Jihadismus, von wo Netzwerke organisiert wurden, die für die zukünftige Herausbildung einer jihadistischen Bewegung entscheidend war.

Unter den Jihadisten, die sich in Europa organisierten, waren zahlreiche hochrangige Mitglieder der ägyptischen Bewegung al-Gamaa al-Islamiya. Zudem kamen Führungskader aus Ägypten nach Europa, weil al-Gamaa al-Islamiya Anfang der 1990er Jahre mehrere Anschläge in Ägypten verübte und daraufhin die staatlichen Sicherheitsbehörden eine großangelegte Fahndung gegen die militante Bewegung durchführte. [33] Alison Pargeter schreibt von über 150 Mitgliedern der al-Gamaa al-Islamiya-Bewegung, die in den frühen 1990er Jahren nach Europa kamen. [34] Insbesondere diese Mitglieder waren die Schlüsselfiguren, die in den folgenden Jahren in Europa mehrere europäische Netzwerke aufbauten, die entweder für die Organisation, Propaganda oder Logistik der Bewegung zuständig waren.

Entscheidend ist, dass zahlreiche Ägypter eine wesentliche Rolle in der Frühphase der Organisationsbildung der Al-Qaida spielten. Laut Evan Kohlmann bildete sich in den Jahren 1990 und 1991 das organisatorische Grundgerüst der Al-Qaida. Die Etablierung der jihadistischen Organisation von Osama bin Laden beruhte auf Plänen, die noch in Afghanistan vorgenommen worden sind. [35] Später gehörten einige der damaligen Organisatoren zu den wesentlichen Strippenziehern bei der Etablierung Al-Qaidas in Europa. Unter ihnen war Anwar Shaaban, ein hochrangiges Mitglied der al-Gamaa al-Islamiya, der eine zentrale Rolle spielte und als

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