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Die große Entwertung Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind von Lohoff, Ernst (eBook)

  • Verlag: UNRAST Verlag
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Die große Entwertung

Was Marx anhand der Krisen des 19. Jahrhunderts nachgewiesen hat, gilt erst recht für das Weltwirtschaftsbeben unserer Tage. Nichts ist analytisch so naiv und ideologisch so gemeingefährlich wie die Dolchstoßlegende, eine gesunde Realwirtschaft sei der grenzenlosen Habgier einer Handvoll Banker und Spekulanten zum Opfer gefallen. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Das historisch beispiellose Abheben des Finanzüberbaus in den letzten 35 Jahren war selber schon das Ergebnis und zugleich die provisorische Überwindung einer fundamentalen Krise der kapitalistischen Gesellschaft. Eine Produktionsweise, die auf der Vernutzung lebendiger Arbeitskraft beruht, muss angesichts des ungeheuren Produktivkraftschubs der mikroelektronischen Revolution an ihre strukturellen Grenzen stoßen. Ernst Lohoff und Norbert Trenkle zeichnen die Geschichte und das Ende des finanzkapitalistischen Krisenaufschubs nach und zeigen, warum die Weltgesellschaft für die armselige kapitalistische Produktionsweise längst zu reich ist und warum sie auseinanderbrechen und in Elend, Gewalt und Irrationalismus versinken muss, wenn sie dies nicht überwindet.

Ernst Lohoff, geb. 1960, lebt in Nürnberg. Studierte Soziologie, und sammelte über viele Jahre Erfahrungen als ?Sozialschmarotzer?. Er gehörte zu den Gründervätern der Theoriezeitschrift Krisis und reproduziert sich derzeit als (vogel)freier Publizist. Er ist der Autor von "Der Dritte Weg in den Bürgerkrieg. Jugoslawien und das Ende der nachholenden Modernisierung", Bad Honnef 1996. Ko-Autor des "Manifest gegen die Arbeit", hg. von der Gruppe Krisis 1999. Mitherausgeber von "Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit", Hamburg 1999. Er hat einen erwachsenen Sohn. (Stand 2012) Norbert Trenkle, geb. 1959, aufgewachsen in Lateinamerika und schon seit vielen Jahren in Nürnberg lebend. Durch ein Ökonomiestudium geschädigt, wurde er in die Ökonomiekritik getrieben. Er ist Redakteur der Zeitschrift Krisis, publiziert gelegentlich in anderen Zeitschriften und Zeitungen wie iz3w, ist Ko-Autor des "Manifest gegen die Arbeit", hg. von der Gruppe Krisis 1999 sowie Mitherausgeber von "Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit", Hamburg 1999. Durch seine Kinderlosigkeit trägt er zum Aussterben der Deutschen bei. (Stand 2012)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 277
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954050475
    Verlag: UNRAST Verlag
    Größe: 757 kBytes
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Die große Entwertung

Einleitung

Selten klang Walther Rathenaus fast hundert Jahre altes Diktum "Die Wirtschaft ist unser Schicksal" so bedrohlich wie heute. Die Ökonomie, das Allerheiligste dieser Gesellschaft und zugleich ihr praktischer Dreh- und Angelpunkt, ist außer Rand und Band geraten. Bis vor Kurzem galt sie noch als Hort einer höheren Vernunft, heute fühlt sich der gesunde Menschenverstand bei der Lektüre der Wirtschaftsnachrichten regelmäßig in eine Irrenanstalt versetzt. Seitdem im Herbst 2008 die Subprime-Krise die globalen Finanzmärkte an der Rand des Zusammenbruchs brachte, hat sich die Weltkonjunktur immer nur kurzfristig stabilisiert. Kaum hatten die politischen Macher und ihre Wirtschaftsauguren zweckoptimistisch das "Ende der Krise" verkündet, standen sogleich neue Hiobsbotschaften ins Haus. Sobald ein Brandherd unter neuen Frischgeldmassen begraben wurde, loderte das Feuer schon an zwei, drei anderen Ecken des kapitalistischen Weltsystems wieder auf. Zwar gelang es den Regierungen und Notenbanken, durch die Notverstaatlichung fauler Kredite, eine Politik des billigsten Geldes, und das massive Hochfahren der Staatsverschuldung den drohenden globalen Wirtschaftskollaps zunächst einmal abzuwenden; doch damit haben sie nur den nächsten, noch größeren Krisenschub vorbereitet. Jetzt droht das Platzen der Staatsblasen die Weltwirtschaft in den Abgrund zu ziehen.

Ein kakophonisches Stimmengewirr begleitet diese dramatische Entwicklung. Heerscharen von Rezeptblockzückern erklären dem werten Publikum, an welchem Punkt "unsere Wirtschaft" vom Pfad marktwirtschaftlicher Tugend abgewichen sei und mit welchen Therapien ihr die abhandengekommene ökonomische Vernunft wieder eingetrichtert werden könne. Die Autoren dieses Buchs beteiligen sich nicht an diesem Geschäft. Schon die der laufenden Debatte zugrunde liegende Basisannahme, die derzeitige Krise ließe sich auf dem Boden der kapitalistischen Produktionsweise lösen, halten sie für grundverkehrt. Die vermeintliche "Entartung" der glorreichen Marktwirtschaft, die für den verheerenden gegenwärtigen Zustand des kapitalistischen Weltsystems verantwortlich gemacht wird, ist in Wirklichkeit als ein Entpuppungsprozess zu fassen. Es zeigt sich, dass die kapitalistische Produktionsweise eine zutiefst irrationale Form der Reichtumsproduktion darstellt, die auf Selbstzerstörung hin programmiert ist. Die Entfesselung der Finanzmärkte, die Spekulation, die überbordende Staatsverschuldung oder was sonst noch auf dem Markt der Meinungen als Ursache der gegenwärtigen Malaise angeboten wird, sind in Wahrheit nur Symptome eines viel tiefer reichenden Krisenprozesses. Wir haben es nicht mit irgendwelchen "Fehlentwicklungen" zu tun, die sich wieder rückgängig machen ließen, vielmehr sind die Grundlagen des kapitalistischen Weltsystems selbst in Auflösung begriffen.

Dieser Gedanke ist in der öffentlichen Debatte tabu. Und zwar nicht trotz, sondern wegen der marktschreierischen "Kapitalismuskritik", die uns aus allen Medien entgegenschallt. Denn diese beschränkt sich weitgehend auf plumpe Finanzmarktschelte - mal mehr, mal weniger unterfüttert mit personifizierender Hetze gegen "Banker und Spekulanten" - und verdrängt gerade damit die naheliegende Einsicht, dass das System der kapitalistischen Reichtumsproduktion selbst unhaltbar werden könnte. Die Wirklichkeit drängt zum Gedanken einer fundamentalen Krise, das herrschende Bewusstsein aber drängt mit aller Kraft von dieser Wirklichkeit weg. Freilich liegt die Angst vor einer großen Katastrophe in der Luft. Doch diese bleibt diffus und kanalisiert sich entweder in esoterischen Weltuntergangsphantasien wie einer angeblichen Prophezeiung der Maya, wild-wuchernden, teils antisemitischen Verschwörungsphantasien und individuellen Fluchtversuchen aus dem Alltag, oder sie wird von den notorischen Gesundbetern, die nic

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