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Die Plünderung Griechenlands und die Rückkehr der 'deutschen Frage' gleichheit 4/2015 von Anonym (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2015
  • Verlag: MEHRING Verlag
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Die Plünderung Griechenlands und die Rückkehr der 'deutschen Frage'

"Die deutsche Frage ist zurück", schrieb Anfang letzter Woche die New York Times. Sie meint damit die Frage, wie Deutschland unter Kontrolle gehalten und daran gehindert werden kann, Europa zu dominieren und wie im Zweiten Weltkrieg zu zerstören. Im Laufe der Woche häuften sich in der französischen, italienischen, britischen und der amerikanischen Presse Artikel, die der deutschen Regierung vorwerfen, sie wolle Europa beherrschen und ihrer Disziplin unterwerfen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 25.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783886349142
    Verlag: MEHRING Verlag
    Größe: 8002 kBytes
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Die Plünderung Griechenlands und die Rückkehr der 'deutschen Frage'

Die Rückkehr der "deutschen Frage"

Von Peter Schwarz - 22. Juli 2015
"Die deutsche Frage ist zurück", schrieb Anfang letzter Woche die New York Times . Sie meint damit die Frage, wie Deutschland unter Kontrolle gehalten und daran gehindert werden kann, Europa zu dominieren und wie im Zweiten Weltkrieg zu zerstören. Im Laufe der Woche häuften sich in der französischen, italienischen, britischen und der amerikanischen Presse Artikel, die der deutschen Regierung vorwerfen, sie wolle Europa beherrschen und ihrer Disziplin unterwerfen.

Das konservative französische Blatt Le Figaro schrieb, eine "antideutsche Turbulenzzone" überquere derzeit Frankreich: "Ein Teil der französischen politischen Klasse, der von den Souveränisten in der Linksfront über die Sozialisten bis zu Mitgliedern der Republikaner [der ehemaligen UMP] reicht, greift Deutschland wegen seiner Haltung in der Europäischen Union an." Linke wie Rechte attackierten wütend das "deutsche Diktat". Der Figaro selbst warf der deutschen Regierung vor, sie habe "einem kleinen Mitgliedsland Bedingungen aufgezwungen, die früher nur mit Waffengewalt hätten durchgesetzt werden können".

In italienischen Medien war von Staatsfolter und germanischem Machtwahn die Rede.

In der Londoner Financial Times warf Wolfgang Münchau "Griechenlands Gläubigern" vor, sie hätten "die Eurozone, wie wir sie kannten, und die Idee einer Währungsunion als Schritt zu einer demokratischen politischen Union zerstört" und seien "zu den nationalistischen europäischen Machtkämpfen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückgekehrt".

Im Telegraph meldete sich der Londoner Bürgermeister Boris Johnson vom rechten Tory-Flügel zu Wort und beschuldigte "die Deutschen", sie hätten "ein Papier vorgelegt, dessen Offenheit und Brutalität einem den Atem verschlägt". Wenn Griechenland im Euro bleiben wolle, müsse sich Athen "in einem Akt hündischer Selbsterniedrigung unterwerfen", warf er dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble vor. Seine Vorschläge seien "tyrannisch". "Man sollte ihnen heftigen Widerstand leisten."

Der Soziologe Jürgen Habermas sagte dem Guardian , die deutsche Regierung habe "in einer Nacht all das politische Kapital verspielt, das ein besseres Deutschland in einem halben Jahrhundert angesammelt hat". Mit "besser" meine er "ein Deutschland, dass sich durch größere politische Sensibilität und eine post-nationale Mentalität auszeichnet".
Drohung mit dem Grexit

Anlass für diese heftigen Attacken waren die demütigenden Bedingungen, die Deutschland der griechischen Regierung aufgezwungen hatte. Berlin war nicht bereit, ein drastisches Sparangebot über 13 Milliarden Euro zu akzeptieren, das Athen in Zusammenarbeit mit Paris ausgearbeitet und angeboten hatte. Es verlangte mehr, darunter die Übereignung von Staatseigentum im Wert von 50 Milliarden Euro an einen von Deutschland kontrollierten Treuhandfonds, und drohte mit dem vorübergehenden Ausschluss des Landes aus dem Euro.

Die jüngste Ausgabe des Spiegel berichtet, dass Wolfgang Schäuble die Bedingungen absichtlich so hart formuliert hatte, dass die griechische Regierung sie nicht annehmen konnte und ein Grexit unausweichlich wurde. Der deutsche Finanzminister hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass der griechische Regierungschef Tsipras trotzdem kapitulieren würde.

Der Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone stellte einen Tabubruch dar, den Paris und Rom nicht hinnehmen konnten. Ein Grexit hätte einen Präzedenzfall geschaffen, der den bisherigen Charakter der EU und des Euroraums völlig verändert hätte. Aus einer Staatengemeinschaft, die zumindest der Form nach auf einstimmigen oder Mehrheitsentscheidungen beruht, wäre ein loser, von Deutschland dominierter Verbund geworden. Berlin hätte fortan bestimmt, wer der Eurozone angehört und wer nicht.

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