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Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika Eine Einführung

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
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Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika

Das Buch enthält systematische Darstellungen politischer Systeme Nord- und Lateinamerikas. Behandelt werden jeweils historische Grundlagen, Verfassung und Verfassungsentwicklung, politische Institutionen und Prozesse, Staatsorganisationsstrukturen, Rechtssystem, Militär, Interessenverbände, Kirchen, Massenmedien sowie Aspekte der politischen Kultur. Neben einer vergleichenden Einleitung der Herausgeber umfasst der Band 22 Einzelbeiträge namhafter Historiker und Politikwissenschaftler zu den Ländern Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Prof. Dr. Klaus Stüwe lehrt Politische Systemlehre und Vergleichende Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Stefan Rinke ist Universitätsprofessor für Geschichte Lateinamerikas am Lateinamerika-Institut und am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 604
    Erscheinungsdatum: 10.07.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531908939
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 4649 kBytes
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Die politischen Systeme in Nord- und Lateinamerika

Das politische System Mexikos (S. 389-390)

Marianne Braig und Markus-Michael Müller

1 Überblick zur historischen Entwicklung seit der Unabhängigkeit:

Als sich am 1.1.1994, genau an dem Tag, als das nordamerikanische Feihandelsabkommen (NAFTA) in Kraft trat, im südlichen mexikanischen Bundesstaat Chiapas indianische Bevölkerungsgruppen gegen die mexikanische Regierung erhoben, war dies ein weithin deutliches Zeichen, dass auch in Mexiko das Regieren des Staates nur in begrenzter Reichweite stattfindet. Dabei hatte es viele Jahre so ausgesehen, als ob das politische Regime, welches über 70 Jahre an der Macht war, das Land im Griff hätte.

Geht man jedoch weiter in die Geschichte zurück, so wird deutlich, vor was für eine schwierige Aufgabe die Sieger der Mexikanischen Revolution gestellt worden waren. So war bereits das zum spanischen Kolonialreich gehörende Territorium nur partiell vom kolonialen Verwaltungsapparat durchdrungen worden. Die politische Kohäsion wurde in den Augen vieler Historiker weniger von einem zentralisierten politischen Herrschaftsapparat aus gewährleistet, sondern war das Ergebnis eines network of interests, welches die verschiedenen Regionen untereinander und mit dem Zentrum (Mexiko-Stadt) verband.

Dieses Interessensnetzwerk bestand auch nach der Unabhängigkeit im Jahre 1821 fort, gelang es doch auch danach nicht, eine das gesamte Land durchdringende staatliche Zentralmacht zu konstituieren. Wesentlich hierfür dürfte in den ersten Jahrzehnten die große politische Instabilität gewesen sein, von der diese Periode geprägt war. Sie manifestierte sich in: der Errichtung und dem Sturz eines mexikanischen Kaiserreichs unter Augustín de Iturbide (1822-1823), den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen, dutzenden von Regierungswechseln, im Krieg zwischen den USA und Mexiko (1846 - 1848), welcher mit dem Verlust der Hälfte des mexikanischen Territoriums an die USA endete, den militärischen Interventionen von Spanien (1829), Frankreich (1838) und Spanien, Frankreich und England im Jahr 1862, ab April 1862 bis 1867 von Frankreich alleine fortgesetzt, die zur Konstitution eines zweiten Kaiserreichs unter dem Habsburger Maximilian (1864-67) führten.

Dies alles und das Ende des Kaiserreichs von Napoleons Gnaden nach dem vollständigen Rückzug der französischen Interventionskräfte und der Einnahme von Querétaro und Mexiko-Stadt im Mai und Juni 1867 durch die liberalen Truppenkontingente von Mariano Escobedo und Porfirio Díaz sowie die Exekution von Maximilian am 19. Juni 1867 führten dazu, dass die politische Situation in Mexiko zu dieser Zeit gerne als "chaotisch" beschrieben wurde. Eine Änderung war erst mit der Konstitution eines liberal-oligarchischen Regimes unter Porfirio Díaz (1876 - 1911) in Sicht und der von ihm erreichten politischen Stabilisierung, der "Pax Porfiriana".

Dieser "Frieden" hatte zwar durchaus repressive und in Bezug auf die Möglichkeiten politischer Partizipation eindeutig exklusive Momente, nichtsdestotrotz stellte die simple Tatsache der Kontinuität von Regierungen sowie die weitgehende Abwesenheit größerer gewaltsamer politischer Konflikte eine neue, durchaus goutierte Erfahrung dar. Dabei war die politische Befriedung und Stabilisierung nach innen sowohl Voraussetzung wie auch Resultat einer Form kapitalistischer Modernisierung, die durch eine starke Orien tierung an Auslandsinvestitionen (vor allem in den exportorientierten Bereichen der Landwirtschaft und des Bergbaus, hier besonders der Erdölförderung), stetiges Wirtschaftswachstum und Ausbau der Infrastruktur (ab den 1880er Jahren im Bereich der Eisenbahnen), zugleich aber auch durch wachsende In- und Auslandsverschuldung charakterisiert war.

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