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Die schleichende Revolution Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört von Brown, Wendy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
21,99 €
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Die schleichende Revolution

Der Neoliberalismus bestimmt spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges alle Gesellschaften der westlichen Welt. Aber was ist Neoliberalismus? Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Wendy Brown zeigt in ihrem scharfsinnigen Buch, dass er mehr ist als eine Wirtschaftspolitik, eine Ideologie oder eine Neuordnung des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft. Vielmehr handelt es sich um eine Neuordnung des gesamten Denkens, die alle Bereiche des Lebens sowie den Menschen selbst einem ökonomischen Bild entsprechend verändert - mit fatalen Folgen für die Demokratie. Ein kritisches, ein aufwühlendes Buch.

Wendy Brown, geboren 1955, ist Professor of Political Science an der University of California in Berkeley und eine der streitbarsten öffentlichen Intellektuellen der USA. Ihre Werke sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 06.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518741887
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Undoing the Demos: Neoliberalism's Stealth Revolution
    Größe: 4897 kBytes
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Die schleichende Revolution

Kapitel eins
Die Zerstörung der Demokratie: Die neoliberale Erneuerung von Staat und Subjekt

Dieses Buch ist eine theoretische Betrachtung der verschiedenen Möglichkeiten, wie der Neoliberalismus, eine eigentümliche Form der Vernunft, die alle Aspekte des Lebens in ökonomischen Begriffen faßt, stillschweigend Grundelemente der Demokratie aufhebt. Diese Elemente umfassen Begriffsinventare, Gerechtigkeitsprinzipien, politische Kulturen, staatsbürgerliche Gewohnheiten, Herrschaftspraktiken und vor allem demokratische Vorstellungsgebilde. Mein Argument ist nicht bloß, daß Märkte und Geld die Demokratie korrumpieren oder schwächen, daß politische Institutionen und Ergebnisse zunehmend vom Finanzwesen und Unternehmenskapital beherrscht werden oder daß die Demokratie durch die Plutokratie - die Herrschaft durch und für die Reichen - ersetzt wird. Vielmehr wandelt die neoliberale Vernunft, die heute in der Staatskunst und am Arbeitsplatz, in der Jurisprudenz, Bildung, Kultur und einem riesigen Bereich von Alltagstätigkeiten allgegenwärtig ist, den eindeutig politischen Charakter, die Bedeutung und Tätigkeit der wesentlichen Bestandteile der Demokratie in etwas Ökonomisches um. Liberal-demokratische Institutionen, Praktiken und Gewohnheiten werden diese Umwandlung vielleicht nicht überleben. Radikal-demokratische Träume vielleicht ebenfalls nicht. Daher verzeichnet dieses Buch sowohl einen beunruhigenden zeitgenössischen Zustand als auch die potentielle Unfruchtbarkeit zukünftiger demokratischer Projekte, die in dieser problembehafteten Gegenwart enthalten sind. Die Institutionen und Prinzipien, deren Ziel die Absicherung der Demokratie ist, die Kulturen, die für ihre Erhaltung erforderlich sind, die Energien, die zu ihrer Belebung notwendig sind, und die Bürger, die sie praktizieren, sich um sie kümmern oder sich nach ihr sehnen - all diese Dinge werden von der "Ökonomisierung" des politischen Lebens und anderer bislang nicht-ökonomischer Bereiche und Tätigkeiten in Frage gestellt.

Worin besteht der Zusammenhang zwischen der Aushöhlung der zeitgenössischen liberalen Demokratie durch den Neoliberalismus und seiner Gefährdung radikalerer demokratischer Vorstellungswelten? Liberal-demokratische Praktiken und Institutionen bleiben fast immer hinter ihrem Versprechen zurück und kehren dieses manchmal sogar auf grausame Weise um, doch liberal-demokratische Prinzipien erhalten Ideale von universell geteilter Freiheit und Gleichheit sowie der politischen Herrschaft durch und für das Volk aufrecht, und sie halten diese Ideale auch durch. Die meisten anderen Formulierungen von Demokratie teilen diese Ideale, wobei sie sie unterschiedlich interpretieren und sie häufig auf substantiellere Weise zu realisieren versuchen, als es der Formalismus, Privatismus, Individualismus und die relative Selbstzufriedenheit des Liberalismus mit Bezug auf den Kapitalismus gestattet. Wenn jedoch die neoliberale Vernunft, wie dieses Buch nahelegt, diese Ideale und Sehnsüchte aus den wirklich existierenden liberalen Demokratien vertreibt, von welcher Grundlage aus sollten dann ehrgeizigere demokratische Projekte gestartet werden? Wie würde der Wunsch nach mehr oder besserer Demokratie aus dem Aschehaufen ihrer bürgerlichen Form wieder angefacht werden? Warum würden Völker die Demokratie wollen oder anstreben, wenn sogar ihre dünne liberal-demokratische Realisierungsform fehlt? Und was würde sich in entdemokratisierten Subjekten und Subjektivitäten nach dieser politischen Herrschaftsform sehnen, eine Sehnsucht, die weder ursprünglich ist noch durch diesen historischen Umstand kultiviert wird? Diese Fragen erinnern uns daran, daß die Frage, welche Arten von Völkern und Kulturen eine Demokratie anstreben oder aufbauen würden, weit entfernt davon, hauptsächlich für den Nicht-Westen angemessen zu sein, im heutigen Westen von zunehm

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