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Endspurt Wie Politik tatsächlich ist - und wie sie sein sollte. Begegnungen, Erlebnisse, Erfahrungen. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg von Bosbach, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Endspurt

Wolfgang Bosbach hat etwas zu sagen - notfalls auch gegen die Linie der eigenen Partei. Seine Geradlinigkeit kommt bei den Bürgern an, die im unübersichtlichen und manchmal auch als unehrlich wahrgenommenen Politikbetrieb nach Orientierung suchen. Welche Werte gilt es heute zu bewahren? Können wir christliche Grundwerte auch in einer multikulturellen Gesellschaft noch einfordern - oder wäre das ein Widerspruch? Schaffen wir das

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 14.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732529377
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 861 kBytes
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Endspurt

2. EINZELHÄNDLER, RECHTSANWALT, POLITIKER
Ich habe im Leben so viel Glück gehabt.

Wolfgang Bosbachs politischer Werdegang verlief im Rückblick wie im Lehrbuch. Er absolvierte das, was man in der Politik die "Ochsentour" nennt: 1972 Eintritt in die CDU; 1974 Vorsitzender der Jungen Union; 1975 bis 1979 Mitglied im Kreistag; 1979 bis 1999 Ratsmitglied in Bergisch Gladbach; 1994 erstmals Einzug in den Bundestag als direktgewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rheinisch-Bergischer Kreis, seitdem sechs Mal wiedergewählt; 2000 bis 2009 stellvertretender Fraktionsvorsitzender; von November 2009 bis September 2015 Vorsitzender des Innenausschusses.

Weniger geradlinig und eher untypisch war sein beruflicher Werdegang: Mittlere Reife, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, Supermarktleiter, Besuch der Rheinischen Akademie Köln mit Abschluss "Staatlich geprüfter Betriebswirt", Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Studium der Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln, 1988 erstes und 1991 zweites juristisches Staatsexamen, seit 1991 Rechtsanwalt in der Kanzlei Winter Rechtsanwälte in Bergisch Gladbach.

Zugleich gibt es im Leben von "WoBo", wie ihn seine Freunde nennen, zwei Konstanten: Er verkörpert geradezu idealtypisch den lebensfrohen "bergischen Jong" und wirft sich für seine CDU in jede Schlacht.

Wieso sind Sie 1972 im Alter von 20 Jahren in der CDU gelandet? Wäre eine andere Partei überhaupt in Frage gekommen?

Nein, definitiv nicht. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem die Politik immer eine große Rolle gespielt hat - und zwar unter der Überschrift "Nie wieder". Meine Eltern waren bis zu meinem Engagement in der CDU nie Mitglied einer Partei. Der Zweite Weltkrieg - und seine dramatischen Folgen, auch für meine Eltern und ihre Familien - war in der Erinnerung noch sehr lebendig. Meine Mutter hatte ihre beiden Brüder verloren, mein Vater seinen einzigen, das Elternhaus war ausgebombt. Meine ältere Schwester und ich haben natürlich gefragt, wie es zu dieser absoluten Katastrophe kommen konnte. Neben der Politik hat auch die Religion eine große Rolle gespielt. Das war deshalb interessant, weil mein Vater katholisch war und meine Mutter evangelisch ist. Wir haben als Kinder immer erlebt, dass die Mama mit dem Papa in den katholischen Gottesdienst gegangen ist und der Papa mit der Mama zusätzlich noch in den evangelischen.

Und die Kinder?

Wir sind beide katholisch. Mein Vater hat einmal in einer Fernsehsehsendung dazu gesagt: "Katholischer, als meine evangelische Frau die Kinder erzogen hat, hätte ich das auch nicht gekonnt."

Zurück zur Politik. Wie wurde aus politischem Interesse politisches Engagement.

Der Anfang der Siebzigerjahre war eine Zeit lebhaftester gesellschaftlicher Debatten: über den Paragrafen 218 Strafgesetzbuch, das Verbot der Abtreibung, oder die neue Ostpolitik Willy Brandts. Hinzu kam ein gescheitertes konstruktives Misstrauensvotum: Rainer Barzel gegen Willy Brandt. Es herrschte eine innenpolitisch unglaublich aufgeheizte Atmosphäre. Viele Menschen bekannten sich zu einer Partei. Auf jedem zweiten Auto befand sich ein Aufkleber mit einem politischen Slogan. Gerade viele junge Menschen traten damals in eine Partei ein, und so bin auch ich damals Mitglied der Jungen Union geworden.

Hat das "C" für ihre Hinwendung zur Union eine Rolle gespielt?

Ja, vor allem wegen des Lebensrechts ungeborener Kinder.

Die CDU, in die Sie eingetreten sind, war eine andere als die CDU, für die Sie jetzt im Bundestag sitzen: wertebewusster, konservativer, noch nicht so sozialdemokratisiert. Vermissen Sie manchmal Ihre gute alte Union?

Ja, es ist eine andere CDU als 1972 oder zu den sehr bewegten Zeiten des Kampfes um den NATO-Doppelbeschluss 1982/83. Nicht nur der Staat, auch die gesellschaftlichen Verhältnisse haben si

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