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Geschichte der Vereinten Nationen von Volger, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2011
  • Verlag: De Gruyter Oldenbourg
eBook (PDF)
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Geschichte der Vereinten Nationen

Wie ein Seismograph spiegeln die Vereinten Nationen seit ihrer Gründung 1945 die Situation der internationalen Beziehungen wider - in dem Wechsel zwischen großen Erwartungen und enttäuschten Hoffnungen in der Haltung der Regierungen und der öffentlichen Meinung in den Mitgliedstaaten. Sie zeigen die Fähigkeit oder Unfähigkeit der Staatenregierungen, Kriege zu verhüten, Konflikte zu schlichten sowie konstruktiv zusammenzuarbeiten und dies über die Grenzen verschiedener Kulturen, Wirtschaftssysteme und Ideologien hinweg. Um die Situation der Vereinten Nationen besser verstehen und ihre Handlungsfähigkeit realistisch einschätzen zu können, ist es hilfreich, einen Blick in ihre Geschichte zu werfen. Immer wieder entwickelten sie Lösungskonzepte für die internationale Zusammenarbeit in den verschiedenen Problembereichen. Im Laufe der Zeit haben sie mit dem Wandel in der Interpretation der völkerrechtlichen Normen ihrer Charta auf die Veränderungen im internationalen System reagiert, um in der Friedenssicherung, dem Schutz der Menschenrechte und in anderen wichtigen Arbeitsfeldern weiter ihre Aufgaben erfüllen zu können. Das Buch richtet sich an Politikwissenschaftler, Politiker und Interessierte.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 538
    Erscheinungsdatum: 01.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783486711226
    Verlag: De Gruyter Oldenbourg
    Größe: 35476 kBytes
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Geschichte der Vereinten Nationen

Kapitel 4 Die Vereinten Nationen 1964 - 1973: Universalität und Nord-Süd-Konflikt (S. 133-134)

Schwierige Vermittlungsaktionen im Vietnam-Konflikt

Die auffälligste Tatsache in der Arbeit der Vereinten Nationen in diesem Zeitraum liegt darin, daß sowohl der Sicherheitsrat als auch die Generalversammlung mit dem schwierigsten und brisantesten Konflikt dieses Zeitabschnitts, dem Vietnam-Konflikt, überhaupt nicht befaßt wurden, obwohl auf dem Höhepunkt des Konflikts sich rund eine halbe Million Soldaten der USA in Vietnam befanden und die Gefahr drohte, daß außer den beteiligten Staaten, nämlich Nord-Vietnam auf der einen Seite und die USA, Australien, Neuseeland, Südkorea, Philippinen und Thailand, auch Volksrepublik China und die UdSSR, welche Nordvietnam mit Waffen und Wirtschaftshilfe unterstützten, in den Konflikt direkt hineingezogen werden konnten.

Weil beide vietnamesischen Staaten aber nicht der UNO angehörten und USA kein Interesse hatten, sich bei ihrer militärischen Unterstützung Südvietnams durch den Sicherheitsrat und die Generalversammlung der UNO hereinreden zu lassen, wurden die Vereinten Nationen während des ganzen Krieges - auch in der Phase der Suche nach Friedenslösungen - nicht direkt eingeschaltet.

Dennoch versuchte Generalsekretär U Thant mehrere Male, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. 1964 endete sein erster Anlauf zur Vermittlung mit einer Enttäuschung: Anläßlich einer Einladung ins Weiße Haus schlug er am 6. August 1964 Präsident Johnson und seinen außenpolitischen Beratern vor, geheime Verhandlungen mit Nord-Vietnam aufzunehmen.

U Thant hatte den Eindruck, daß Außenminister Dean Rusk und Botschafter Averell Harriman für seinen Vorschlag waren. Er bat daraufhin seinen Untergeneralsekretär für politische und Sicherheitsratsangelegenheiten, Wladimir Suslow, Ho Chi Minh eine mündliche Botschaft von ihm via Moskau zu übermitteln, mit dem Vorschlag, vertrauliche Gespräche mit den USA aufzunehmen. Suslow, so schreibt U Thant in seinen Memoiren, "told me in late September that he had received, through Mos cow, a positive response from Hanoi to my proposal." Am 23. September informierte U Thant den UN-Botschafter der USA, Adlai Stevenson darüber, der ihm versprach, Washington sofort davon in Kenntnis zu setzen. Gleichzeitig informierte U Thant Suslow, daß er Hanois Antwort nach Washington weitergegeben hatte.

Als er aus Washington keine Reaktion auf seine Mitteilung erhielt und am 15. Oktober, d. h. mehr als drei Wochen später, nachfragte, vertröstete ihn Stevenson auf später. Im November schließlich teilte Stevenson U Thant mit, Washington habe durch seine eigenen Kanäle die Verhandlungsbereitschaft Hanois überprüft und hätte nicht den Eindruck gewonnen, daß Hanoi ernsthaft verhandeln wolle. Wie U Thant jedoch durch eigene Recherchen erfuhr, hatte ein kanadischer Diplomat lediglich mit einem Beamten des nordvietnamesischen Außenministeriums und nicht mit einem Mitglied der Regierung gesprochen.4 Am 30. Januar 1965 teilte ihm schließlich Botschafter Stevenson mit, daß Washington befürchte, derartige Verhandlungen ließen sich nicht geheimhalten und daß ein Durchsickern Südvietnam demoralisieren würde.

U Thant sprach über diese Entwicklung wenig später mit dem amerikanischen Journalisten Walter Lippmann, der vermutete, daß Washington nicht aus einer Position militärischer Schwäche heraus verhandeln wollte und erst die militärische Überlegenheit erreichen wollte, bevor es ernsthafte Verhandlungen in Erwägung zöge. Tatsächlich begannen die USA ab dem 7. Februar 1965 Nordvietnam zu bombardieren und die nordvietnamesische Regierung erklärte öffentlich, solange die USA Nordvietnam bombardieren würden, würde sie keine Gespräche mit den USA in Betracht ziehen. Am 25. Februar 1965 informierte U Thant, nachdem die Verhandlungsinitiative endgültig gescheitert war, die Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz übe

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