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Herrschen bis der Frühling kommt Profil der Machthaber in Tunesien, Ägypten, Jemen, Libyen und Syrien von Mirak-Weißbach, Muriel (eBook)

  • Verlag: Größenwahn Verlag
eBook (ePUB)
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Herrschen bis der Frühling kommt

Mubarak, Gaddafi, Ben Ali, Saleh und Assad. Stets tauchen diese fünf Herrschernamen in den Medien auf, wenn es um den Kampf für Demokratie und um den arabischen Frühling geht. Doch wer sind diese Männer, die über einen langen Zeitraum das Schicksal ihrer Länder bestimmt haben? Woher kamen sie, und wie kamen sie an die Macht? Was hinderte sie daran zu verstehen, dass ihre Zeit abgelaufen war - selbst dann, als sie sich mit der massiven Forderung nach sozialer und politischer Veränderung konfrontiert sahen? Die Journalistin Muriel Mirak-Weißbach hat sich spezialisiert auf wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungen in der arabischen und islamischen Welt. Während der Revolutionsprozesse untersuchte sie typische Reaktionen und Verhaltensweisen dieser Staatschefs, ihre politischen Maßnahmen und öffentlichen Auftritte. Sie analysiert die Traditionen der Herkunftsfamilien sowie Prägungen der Protagonisten durch Kindheitserfahrungen. Damit liefert sie einen Verständniskontext, in dem die Persönlichkeitsstruktur sichtbar wird: Der Wahnsinn hat Methode. Im Nachwort richtet sich der Blick auch auf die zeitgenössische US-Politik, zwei narzisstische Prominente: George W. Bush und Sarah Palin. Ein hochaktuelles Buch, das Einblicke liefert in die Verhaltensmuster machtbesessener Politiker mit der Disposition zum diktatorisch-autokratischen Handeln: Herrschen bis der Frühling kommt. Muriel Mirak-Weißbach geboren in den USA als Tochter armenischer Einwanderer, wuchs in Neu-England auf. Sie studierte englische Literatur und ging mit einem Fulbright-Stipendium nach Italien. 1971 begann sie ihre Lehrtätigkeit in Anglistik an der Universität Bocconi in Mailand. Als Journalistin konzentrierte sie sich auf politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in der arabischen und islamischen Welt. Sie nahm an internationalen Konferenzen und Seminaren mit eigenen Beiträgen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Politik und zum interkulturellen Dialog teil; sie besuchte Jordanien, Ägypten, den Irak, Sudan, die Türkei, Turkmenistan, Kasachstan, Pakistan, Malaysia, den Jemen und die Islamische Republik Iran. Nach dem Irak-Krieg von 1991 arbeitete sie zusammen mit hochrangigen Politikern im 'Komitee für die Rettung der Kinder im Irak'. Die Autorin lebt heute mit Ihrem Ehe-mann in Wiesbaden, zusammen gründeten sie 2012 die 'Mirak-Weißbach-Stiftung', die sich die Unterstützung und Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Ziel gesetzt hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 292
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942223959
    Verlag: Größenwahn Verlag
    Größe: 2191 kBytes
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Herrschen bis der Frühling kommt

EINFÜHRUNG

Fast zwei Jahre nach Ausbruch der Unruhen in Tunesien ein Buch über die arabische Revolution zu schreiben, das ist ungefähr so, als würde man versuchen, das Wesen eines Flusses zu erfassen, indem man die Hand hineinsteckt und in der hohlen Hand etwas Wasser herausschöpft. Die nassen Hände bestätigen einem, dass man es versucht hat, aber der Fluss fließt unbeirrt weiter. Die Realität im Jahr 2014, so wie sie in dem Konflikt im gesamten Nahen und Mittleren Osten – der sich jederzeit zu einen weltweiten Konflikt ausweiten kann – zum Ausdruck kommt, ist völlig anders als 2011. Doch so unterschiedlich die Lage damals und heute auch erscheint, es gibt Verbindungen zwischen beiden, die einer umfassenden Analyse unterzogen werden können.

Der junge Tunesier Mohammad Bouazizi, der sich selbst verbrannte und damit jenes Feuer entzündete, das dann auf ganz Nordafrika bis in den Nahen Osten übergriff, reagierte mit diesem extremen Schritt auf seine unerträgliche Lage. Er hatte trotz Abitur keine andere Möglichkeit gefunden, für seine verwitwete Mutter und sieben Geschwister zu sorgen, als auf der Straße Gemüse zu verkaufen. Eines Tages kontrollierte eine Polizistin seine Papiere und erklärte, er habe keine "Lizenz". Sie ohrfeigte ihn, beleidigte seinen verstorbenen Vater und untersagte ihm den weiteren Verkauf. Die Darstellung des Streits mit der Polizistin wird angezweifelt, unbestritten ist aber, dass Bouazizi einige Tage später im Büro des Gouverneurs vorsprach, um Schadensersatz zu verlangen, dort jedoch schroff abgewiesen wurde. Daraufhin übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. 18 Tage später erlag er seinen schweren Verbrennungen. Was fälschlich als Geste eines verzweifelten Individuums hätte ausgelegt werden können, war in Wahrheit ein tragisches Geschehen, in dem die Misere eines ganzen Volks zum Ausdruck kam. Es war die Tat eines Mannes, der beschlossen hatte, sich selbst zu opfern und damit den Machthabern zu demonstrieren, er sei, um seine Würde als Mensch zu wahren, eher zu sterben bereit als solch eine Erniedrigung zu erdulden. Bei einer Analyse aus psychologischer Sicht zeigt sich der Zwischenfall zwischen Bouazizi und der Polizistin als narzisstischer Affront gegen seine Menschenwürde, den die Menschen im Land als Beleidigung für sie alle, nicht nur für den Betroffenen, auffassten. 2 Präsident Ben Ali besuchte den Mann sogar im Krankenhaus, doch keine noch so väterliche Geste konnte die Wut in der Bevölkerung mehr eindämmen. 3

Bouazizis hoch symbolische Tat verkörperte das wirtschaftliche und soziale Elend großer Schichten der arabischen Bevölkerung: Hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter der Jugend, die in diesen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung stellt, und außerdem die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den sehr Reichen – die vorher zumeist von der Korruption der regierenden Despoten und Mafia-ähnlichen Wirtschaftsstrukturen profitiert hatten – und den sehr Armen, die beispielsweise in Ägypten oft genug von nicht einmal zwei Dollar am Tag leben müssen. Schließlich die jahrzehntelange Diktatur mit Notstandsgesetzen, willkürlichen Festnahmen, langjährigen Haftstrafen ohne Anklage und der Folterung politischer Häftlinge, Schätzungen zufolge Zehntausende an der Zahl. 4

Doch es war nicht die wirtschaftliche Misere an sich, die arabische Jugendliche zunächst in Tunesien, später auch in Ägypten auf die Straße brachte, sondern es war die soziale und psychische Erniedrigung, die ihre Generation erlitten hatte. Mohammed Seyyed Selim, ein befreundeter ägyptischer Professor u

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