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Kampf der Kulturen Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert von Huntington, Samuel P. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Kampf der Kulturen

Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington stellt in seinem Buch die Frage nach den weltpolitischen Entwicklungen im 21. Jahrhundert. Statt eines harmonischen Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt sieht er neue Konflikte globalen Ausmaßes entstehen: Konflikte zwischen den Kulturen. Die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts wird nicht mehr von Auseinandersetzungen ideologischer oder wirtschaftlicher Natur bestimmt sein, so Huntingtons These, sondern vom Konflikt zwischen Völkern und Volksgruppen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit. Der Faktor Kultur wird folglich in der internationalen Politik massiv an Bedeutung gewinnen. Mit'Clash of Civilisations' hat Huntington eine neue Formel für die künftige Weltordnung formuliert. Provokant, spannend und international heftig diskutiert - ein Muss für jeden politisch interessierten Leser. Samuel P. Huntington war Professor für Politikwissenschaft und Leiter des John-M.-Olin-Instituts für Strategische Studien an der Universität Harvard. Darüber hinaus arbeitete der Mitbegründer der Zeitschrift "Foreign Affairs" als Berater des US-Außenministeriums. Huntington veröffentlichte circa 100 wissenschaftliche Artikel und knapp ein Dutzend, z.T. wegweisende Bücher wie "The Soldier and the State" und "American Politics". "The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order" wurde in 26 Sprachen übersetzt. Samuel P. Huntington starb im Dezember 2008 im Alter von 81 Jahren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641174965
    Verlag: Goldmann
    Größe: 6084 kBytes
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Kampf der Kulturen

KAPITEL 1

Die neue Ära der Weltpolitik

FLAGGEN UND KULTURELLE IDENTITÄT

A m 3. Januar 1992 fand im Hörsaal eines Moskauer Regierungsgebäudes eine Konferenz russischer und amerikanischer Wissenschaftler statt. Zwei Wochen zuvor hatte die Sowjetunion aufgehört zu bestehen, und die Russische Föderation war ein unabhängiges Land geworden. Aus diesem Grund war die Leninbüste, die bis dahin das Podium des Auditoriums geziert hatte, verschwunden; statt ihrer prangte jetzt die Flagge der Russischen Föderation an der Stirnseite des Saales. Das einzige Problem war - wie ein Amerikaner bemerkte -, daß die Flagge verkehrt herum hing. Nachdem man die russischen Gastgeber auf den Lapsus hingewiesen hatte, wurde er in der ersten Sitzungspause rasch und diskret korrigiert.

In den Jahren nach dem Kalten Krieg machten die Identität von Völkern, die Symbole dieser Identität und infolgedessen die globale Politik dramatische Veränderungen durch, die noch nicht beendet sind. Verkehrt hängende Flaggen waren ein Zeichen dieses Überganges. Aber mittlerweile wehen immer mehr Fahnen stolz und richtig, und die Russen und andere Völker sind dabei, sich zu mobilisieren und hinter diesen und anderen Symbolen ihrer neuen kulturellen Identität herzumarschieren.

Am 8. April 1994 versammelten sich in Sarajevo zweitausend Menschen und schwenkten Fahnen - nicht etwa die Fahnen der UNO, der NATO oder der USA, sondern die Fahnen Saudi-Arabiens und der Türkei. Sie zeigten im wahrsten Sinne des Wortes Flagge und demonstrierten der Welt, wer ihre wahren und wer ihre weniger wahren Freunde waren.

Am 16. Oktober 1994 protestierten in Los Angeles 70.000 Menschen in einem "Meer von mexikanischen Flaggen" gegen ein geplantes Referendum (Proposition 187), das vielen illegalen Einwanderern und ihren Kindern bundesstaatliche Vergünstigungen gestrichen hätte. "Warum", so fragten sich Beobachter,"laufen sie mit der mexikanischen Fahne durch die Stadt, wenn sie von den USA kostenlosen Schulbesuch verlangen? Sie sollten lieber die amerikanische Fahne schwenken!" Zwei Wochen später sah man auf der Straße noch mehr Protestmarschierer, die wirklich die amerikanische Fahne schwenkten - verkehrt herum. Diese Flaggendemonstration sicherte dem Referendum den Erfolg: 59 Prozent der kalifornischen Wähler stimmten dafür.

In der Welt nach dem Kalten Krieg zählen Flaggen und andere Symbole kultureller Identität wie Kreuze, Halbmonde und sogar Kopfbedeckungen; denn Kultur zählt, und kulturelle Identität hat für die meisten Menschen höchste Bedeutung. Die Menschen entdecken heute neue, aber oft eigentlich alte Identitäten und marschieren hinter neuen, aber oft eigentlich alten Fahnen im Kriege mit neuen, aber oft eigentlich alten Feinden.

Eine grimmige Weltanschauung für diese neue Ära formuliert der nationalistische venezianische Demagoge in Michael Dibdins Roman Dead Lagoon: "Ohne wahre Feinde keine wahren Freunde! Wenn wir nicht hassen, was wir nicht sind, können wir nicht lieben, was wir sind. Das sind die alten Wahrheiten, die wir heute, nach dem sentimentalen Gesülze von hundert Jahren, unter Schmerzen wieder entdecken. Wer diese Wahrheiten leugnet, der verleugnet seine Familie, sein Erbe, seine Kultur, sein Geburtsrecht, sein ganzes Ich! Das wird ihm nicht so leicht vergessen." An der betrüblichen Wahrheit dieser alten Wahrheiten können Staatsmänner und Wissenschaftler nicht vorbeigehen. Für Menschen, die ihre Identität suchen und ihre Ethnizität neu erfinden, sind Feinde unabdingbar, und die potentiell gefährlichsten Feindschaften begegnen uns an den Bruchlinien zwischen den großen Kulturen der Welt.

Das zentrale Thema dieses Buches lautet: Kultur und die Identität von Kulturen, auf höchster Ebene also die Identität von Kulturkreisen, prägen heute, in der Welt nach dem Kalten Krieg, die Muster von Kohärenz, Desintegratio

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