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Letzte Chance Der Nahe und Mittlere Osten am Scheideweg von Gardner, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Letzte Chance

Naher und Mittlerer Osten sind und bleiben auf absehbare Zeit ein Brennpunkt der Weltpolitik. David Gardner gibt einen fundierten Überblick über diese Krisenregion. Scharfsichtig, und vor unbequemen Wahrheiten nicht zurückschreckend, schöpft seine Analyse aus einer großen geschichtlichen Kenntnis und langjährigen persönlichen Erfahrung vor Ort. Mit der neuen US-Regierung und ihrer Politik im Nahen und Mittleren Osten muss es eine Neubewertung dessen geben, was Realpolitik im Nahen und Mittleren Osten bedeuten kann und soll. Die traditionellen politischen Muster - Israel unterstützen, ein Netzwerk verlässlicher Machthaber knüpfen, die Saudis besänftigen, den Islamismus unterdrücken - sind im 21. Jahrhundert, so Gardner, nicht mehr tragbar. David Gardner ist Chef-Leitartikler und Associate Editor der Financial Times. Von 1995 bis 1999 war er der verantwortliche Middle East Editor der Zeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 246
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896789778
    Verlag: Primus
    Größe: 1323 kBytes
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Letzte Chance

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Vorwort zur deutschen Ausgabe

Als Barack Obama Israel kundtat, dass "zu einer guten Freundschaft gehört, dass man ehrlich zueinander ist", dürfte den politischen Eliten des Landes gedämmert haben, dass die Jahrzehnte doppeldeutiger Botschaften hinsichtlich der Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern womöglich vorbei waren. Und als der US-Präsident später gar hinzufügte, die Israelis müssten "anerkennen, dass das Existenzrecht Palästinas genauso wenig verwehrt werden kann wie das Existenzrecht Israels", dürften die letzten Zweifel verflogen sein. Oder etwa nicht?

Mit seiner Rede an die islamische Welt im Auditorium der Universität von Kairo am 4. Juni 2009 - wo er mit stehenden Ovationen empfangen und unter donnerndem Applaus verabschiedet wurde - läutete Obama einen neuen Dialog innerhalb des Nahen und Mittleren Ostens sowie über diese Region ein.

Obama wiederholte öffentlich, was er dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu kurz zuvor bereits in privatem Rahmen in Washington gesagt hatte: "Die Vereinigten Staaten betrachten den fortgesetzten Bau israelischer Siedlungen nicht als legitim." Kann man das noch klarer ausdrücken?

Sein impliziter Vergleich der "unerträglichen" Situation der Palästinenser unter israelischer "Besatzung" mit derjenigen afrikanischer Sklaven in Amerika und mit der Lage südafrikanischer Schwarzer während der Apartheid signalisierte der nationalistischen Rechten in Israel und der Likud-Lobby in Washington, dass sie es nun mit jemandem zu tun hatten, dem die Sache ernst war. Derart klare Worte waren bislang, wenn überhaupt, nur selten aus dem Mund eines führenden amerikanischen Politikers zu vernehmen. Eine solche Sprache forderte jeden dazu auf, genau zu beobachten, wer in diesem öffentlichen Kräftemessen als Erster blinzeln würde.

Die Krise zwischen Israel und den Vereinigten Staaten, ausgelöst durch Netanjahus ostentative Weigerung, den Siedlungsbau im besetzten arabischen Ostjerusalem zu stoppen, während Washington sich um Wiederbelebung der erstarrten Friedensgespräche mit den Palästinensern bemühte, war eine entscheidende Krise. Wollte Präsident Obama seine Ambitionen für die Region nicht aufgeben, musste er sich hier durchsetzen.

Bei der Pattsituation zwischen Netanjahu und Obama 2009 war es der US-Präsident, der sozusagen zuerst blinzelte. In der zweiten Runde, im Frühjahr 2010, wartete die Regierung Netanjahu auf die Ankunft von US-Vizepräsident Joe Biden, um weitere Bautätigkeiten in Ostjerusalem anzukündigen. Anstatt einen neuen Ton in neuen Gesprächen anzuschlagen, erhielt der Vizepräsident einen Schlag ins Gesicht. Und Herr Netanjahu reiste nach Washington, um großtuerisch zu verkünden, Jerusalem sei keine Siedlung.

Obama kann und darf das nicht durchgehen lassen: Es geht um die Zukunft Israels und um die nationalen Interessen der USA. Von den Rechten der Palästinenser ganz zu schweigen.

Mag sein, dass die Chance, den israelisch-palästinensischen Konflikt auf friedlichem Wege zu lösen, vorüber ist. Dass eine Zweistaatenlösung - mit einem unabhängigen Palästina im Gebiet des Westjordanlands und Gazas mit Ostjerusalem als Hauptstadt - nicht mehr machbar ist, weil die israelische Siedlungspolitik die besetzten Gebiete inzwischen kantonisiert hat. Trotzdem gibt es keine logische politische Alternative. Denn wenn diese Möglichkeit ein für allemal vom Tisch ist, bleibt nur ein unberechenbarer Einzelstaat zwischen Jordan und Mittelmeer. Ein Staat mit zwei Klassen von Bürgern. Ein Staat, in dem der arabische Bevölkerungsanteil früher oder später den Juden zahlenmäßig überlegen sein und einen Anti-Apartheids-Kampf um Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit anzetteln wird. Wie die früheren Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Ehud Barak (heute Verteidigungsminister) bemerkt haben, wird dies zum graduellen Verlust der hart erkämpften Legitimität Israels führen.

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