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Nach Irak und Afghanistan Was kommt, wenn die westlichen Truppen gehen? von Dyer, Gwynne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2008
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Nach Irak und Afghanistan

Die westlichen Truppen werden nicht ewig im Irak und in Afghanistan bleiben. Doch was geschieht, wenn sie gehen? Für Nahostexperte Gwynne Dyer hat der Umsturz in der krisengeschüttelten Region gerade erst begonnen und was immer auch kommt: Der Westen hielte sich am besten heraus.

Gwynne Dyer ist Historiker und promovierte in London über Militärgeschichte und die Geschichte des Nahen Ostens. Er lehrte an der Royal Military Academy in Sandhurst, bevor er in den siebziger Jahren als freier Experte und Journalist für führende Zeitungen, Radio und Fernsehsender tätig wurde. Seine Kolumnen zur internationalen Politik werden in 45 Ländern veröffentlicht. Er lebt und arbeitet in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Erscheinungsdatum: 11.08.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593404813
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2367 kBytes
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Nach Irak und Afghanistan

Einleitung Der Nahe Osten, wie wir ihn die letzten neunzig Jahre kannten, ist in Auflösung begriffen, weil sich die Amerikaner bald von dort zurückziehen werden. Präsident Bush ist so entschlossen, sich diesem Ende zu widersetzen, dass es vor seinem Ausscheiden aus dem Amt keinen endgültigen Abzug der amerikanischen Legionen geben wird, doch danach werden die Truppen abrücken, das ist so sicher, wie die Sonne im Westen untergeht. Obwohl Bush geschlagen und blamiert aus dem Amt scheidet, hat er Ereignisse in Gang gesetzt und Emotionen geweckt, die diese Region verwandeln werden - wenn auch nicht ganz in der Art, wie er es beabsichtigt hatte. Ali Allawi, Verteidigungsminister der ersten amerikanischen Marionettenregierung in Bagdad, traf den Nagel exakt auf den Kopf, als er kürzlich in einem Friedensvorschlag für die Region erklärte: 'Der irakische Staat, der im Gefolge des Ersten Weltkriegs gebildet wurde, ist untergegangen. Sein Nachfolgestaat ringt in einem Umfeld von Krisen und Chaos um seine Geburt. Nun, wo das Durcheinander im Irak in der Region Kräfte entfesselt hat, deren Virulenz in den letzten Jahrzehnten angewachsen ist, droht der Zusammenbruch der gesamten Ordnung im Nahen Osten.' Allawi übertreibt nicht. Die Zerstörung des irakischen Staats und die darauf folgende Niederlage der US-Militärmacht dort haben den Nahen Osten - eine Region, die unter dieser Bezeichnung erst nach dem Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches 1918 in Erscheinung trat, wenn sie auch bis zum Zweiten Weltkrieg kaum so genannt wurde - schließlich destabilisiert. Die Region wurde anfänglich vom britischen und französischen Kolonialreich beherrscht, die dort die meisten Grenzen zogen, doch in den vierziger und fünfziger Jahren brachte eine Welle von Revolutionen den arabischen Ländern Unabhängigkeit. Mittlerweile jedoch war die Region aufgrund ihrer Ölvorkommen und der Gründung Israels von großem Interesse für die Vereinigten Staaten, die seit den sechziger Jahren dort die beherrschende Rolle übernahmen. Und unter dieser amerikanischen Führung gab es, abgesehen von der Revolution im Iran 1978 und der US-Invasion im Irak 2003, vierzig Jahre lang keine weiteren Regimewechsel: Die undemokratischen Regimes, die 1967 an der Macht waren, sind es bis heute geblieben, in jenen Grenzen, die 1918 von den europäischen Mächten gezogen wurden. Es ist dieser Nahe Osten, der nun seinem Ende entgegensieht. Er geht unter, weil die Niederlage und Demütigung der USA im Irak bedeuten, dass es in Amerika bald keinen politischen Willen mehr geben wird, den Status quo in der Region zu bewahren, und weil die Kräfte, die durch die Zerstörung des Irak entfesselt wurden, den Status quo beseitigen werden. Alles steht nun zur Disposition: Regimes, ethnische Hackordnungen innerhalb von Staaten, und sogar die 1918 gezogenen Grenzen könnten sich verschieben. In fünf Jahren könnte es eine Islamische Republik von Arabien geben, ein unabhängiges Kurdistan, fast alles, was man sich ausmalen kann. Was also sollte der Rest der Welt unternehmen? Nichts. Er sollte einfach zurücktreten und es geschehen lassen. Fremde Mächte haben für die Region keine Lösungen mehr in petto, um sich noch weiter einzumischen (und selbst wenn sie welche hätten, würde ihnen jede Glaubwürdigkeit fehlen), und sie haben nicht mehr die Macht oder den Willen, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Zum ersten Mal in einem Jahrhundert wird die Region ihre Zukunft selbst bestimmen - und sie kann dabei natürlich einen fürchterlichen Schlamassel anrichten. Selbst dann sollten Außenstehende nicht eingreifen, weil ausländische Interventionen allgemein alles nur noch schlimmer machen - aber auch, weil es sie nichts angeht. Mehrere Generationen lang hat der Westen darauf bestanden, dass der Nahe Osten ihn sehr wohl etwas angeht, weil sich dort die Hälfte der Welterdöllagerstätten befindet. Man meinte, dass radikaler Wandel dort nicht erlaubt werden dürfe, weil er den Ölstrom unt

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