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Nicht einmal bedingt abwehrbereit Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine von Kraus, Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2019
  • Verlag: FinanzBuch Verlag
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Nicht einmal bedingt abwehrbereit

Die Bundeswehr pfeift aus dem letzten Loch, personell stark ausgedünnt, die Gerätschaften verkommen. Ausgehend von dem desaströsen Status quo der Bundeswehr werfen Spiegel-Bestsellerautor Josef Kraus und Oberst a. D. Richard Drexl einen Blick auf ihre gut sechzigjährige Geschichte und legen dar, wie sie seit der Wiedervereinigung nahezu systematisch kaputtgespart wurde. Sie zeigen aber nicht nur, wie sich Funktion und Zustand unserer Armee seit ihrer Gründung gewandelt haben, sondern werfen auch einen Blick auf brennende Fragen der Zukunft: Welche Rolle nimmt die Bundeswehr ein zwischen den europäischen Armeen und der NATO? Welchen Rückhalt hat die Bundeswehr noch in unserer Gesellschaft? Welchen Einfluss auf die sicherheitspolitische Lage haben neue Machtfaktoren wie der Expansionskurs Chinas, das aggressive Auftreten Russlands und die Neuorientierung der USA? Und wie ist die Bundeswehr im Hinblick auf Cyber-Bedrohungen und den globalisierten Terrorismus des 21. Jahrhunderts aufgestellt? Mit einem exklusiven Vorwort von Prof. Dr. Rupert Scholz, Verteidigungsminister a. D. Richard Drexl, Jahrgang 1952, ist Oberst a.D. Von 1972 bis 2013 war er Berufssoldat, davon 15 Jahre im Bundesministerium der Verteidigung. Als Abteilungsleiter im Waffensystemkommando der Luftwaffe trug er Verantwortung für die Rüstungsvorhaben des fliegenden Gerätes der Bundeswehr. Über elf Jahre war er Chef und Kommandeur verschiedener Einheiten. Seit 2014 ist er ehrenamtlicher Präsident des Bayerischen Soldatenbundes von 1874 e.V. Mit weit über 60.000 Angehörigen eine der größten Veteranen- und Reservistenorganisationen Deutschlands. Als ehrenamtlicher Stadtrat in Kaufbeuren im Allgäu hat er auch politische Verantwortung übernommen. Josef Kraus, Jahrgang 1949, Oberstudiendirektor a.D., Diplom-Psychologe, leitete von 1995 bis 2015 ein Gymnasium in Bayern und war von 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL). Über 20 Jahre gehörte er dem Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung an. Kraus ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. 2009 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Josef Kraus hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht: Spaßpädagogik (1998), Der PISA-Schwindel (2005), Ist die Bildung noch zu retten? (2009); den Spiegel-Bestseller Helikopter-Eltern (2013), Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt (2017) und 50 Jahre Umerziehung - Die 68er und ihre Hinterlassenschaften (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 17.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960923312
    Verlag: FinanzBuch Verlag
    Größe: 3780 kBytes
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Nicht einmal bedingt abwehrbereit

Kapitel I

Gesellschaftliche und politische Umstände : Armee in einer postpatriotischen Gesellschaft

Deutschland ist ein friedliches Land. Das Volk fühlt sich wohl, seit 1990 ist es nur noch "von Freunden umgeben." Grundsätzlich ist das - zumal vor dem jüngeren Hintergrund unserer Geschichte - gut so. Das Problem ist nur, dass ab 1990 weltweit keineswegs ausschließlich liberale Ordnungen gesiegt haben. Das Problem ist ferner, dass die Fremd- und Selbst-Pazifizierung Deutschlands um den Preis einer fortschreitenden Selbstaufgabe geschieht. Insofern ist es nicht nur ein Kalauer, wenn gesagt wird: Es ist mittlerweile typisch deutsch, nicht deutsch sein zu wollen. Unsere Nachbarländer und Verbündeten sehen diese Entwicklung durchaus mit Skepsis. Wer mag schon einen Nachbarn, der sich selbst nicht mag? Solches gilt ebenso im Privaten wie im Internationalen.

Der aktuelle Zustand "dieses unseres Landes", wie Helmut Kohl Deutschland zu nennen pflegte, kann historisch, politisch oder auch (tiefen)psychologisch betrachtet werden. Das folgende Kapitel ist der Versuch, alle drei Aspekte zu vereinen und einen historisch sowie politisch untermauerten mentalitäts- beziehungsweise identitätspsychologischen Befund zu skizzieren. Es geht dabei um ein Syndrom - also um ein Bündel an Symptomen, als da sind: gescheiterte Versuche der Nationwerdung; die Übersteigerung des Nationalen mit ihren katastrophalen Folgen; die Umerziehung der Deutschen nach 1945; die wiederkehrende Dominanz des Romantischen gegenüber dem Aufklärerisch-Rationalen; der Schuldkomplex; die permanente Diskreditierung nationaler Interessen; das öffentlich gepflegte Post-Heroische und Post-Patriotische. Kurz: Die Deutschen wissen eigentlich gar nicht, wer sie sein wollen.
Die "verspätete" Nation auf dem Weg in die NATO

Wiewohl ab dem frühen 19. Jahrhundert als Volk der Dichter und Denker apostrophiert und eine wirkmächtige Sprachgemeinschaft, ist Deutschland eine "Verspätete Nation." Bis zum Ende der "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" im Jahr 1806 war Deutschland in rund 300 Kleinstaaten zersplittert, die mit dem Westfälischen Frieden von 1648 entstanden waren - mit einem spätestens ab 1701 übermächtigen Preußen. "Verspätete" Nation also? Helmuth Plessner (1892-1985) hat dieses Phänomen in einem gleichnamigen Buch analysiert. 1 Plessners Kernthese war: England und Frankreich hatten bereits ab dem 18. Jahrhundert ihre moderne Gestalt angenommen, die deutsche Reichsgründung von 1871 indes brachte nur einen "Machtstaat ohne humanistisches Rechtfertigungsbedürfnis" hervor, eine "Großmacht ohne Staatsidee".

Jahre später folgte der Erste Weltkrieg: Aus Plessners Sicht verstärkte sich mit der Niederlage von 1918 Deutschlands "Protest gegen den politischen Humanismus Westeuropas". Der Nationalsozialismus war mit seiner Auflehnung gegen den Humanismus des Westens der Nutznießer. Ein in sich ruhendes, gereiftes und ausgewogenes Nationalgefühl war nicht vorhanden, von 1933 bis 1945 war es nur in extremer, rassistischer Übersteigerung zu haben.

Mittlerweile haben die Deutschen ihre Lektion gelernt. Einen entscheidenden Anstoß dazu gaben ab 1945 die Westalliierten. Schon kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges hatten die USA und England ein "Changing of Germany" gewollt. 2 Die historische Schuld sollte sich zum markantesten Identitätsfaktor der Deutschen entwickeln. Auschwitz wurde zum quasi alleinigen Gründungsmythos der Bundesrepublik stilisiert. Bei dieser Betrachtung sollte der US-Philosoph und Pädagoge John Dewey (1859-1952) mit seiner zwischen 1914 und 1942 verfassten Schrift "Deutsche Philosophie und deutsche Politik" eine Rolle spielen. Vor allem der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts warf Dewey vor, die Ideen für Hitlers Rassenhass, für seinen Wahn von der Auserwähltheit des

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