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Parteiensystem und Verfassung in Afrika Strukturen - Funktionen - Typen von Fleischhacker, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2010
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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Parteiensystem und Verfassung in Afrika

Helga Fleischhacker ist Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 293
    Erscheinungsdatum: 19.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531923055
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 1582 kBytes
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Parteiensystem und Verfassung in Afrika

5 Avantgardeparteien: Kongo und Benin (S. 138-139)

5.1 Kongo/Brazzaville

5.1.1 Übergang in die Unabhängigkeit (1957-1968)

5.1.1.1 Entfaltung des politischen Raumes unter kolonialer Herrschaft

Der Kongo ist bis auf die im fast unbesiedelten Norden verstreut lebende Pygmäen ethnisch homogen. Insgesamt werden über 70 der Bantu-Familie zugehörige Gruppen und Untergruppen gezählt, die zum Teil in früheren Jahrhunderten Königreiche bildeten, aber bereits vor der Kolonialisierung auf eine soziale Organisation in Clans und Sippen zurückgefallen waren und keine übergreifenden politischen Verbände formten. Aufgrund der seit 1910 herausgehobenen Stellung Brazzavilles als Verwaltungshauptstadt der Konföderation von Französisch Äquatorialguinea ergab sich für das dünnbesiedelte Territorium des Kongo122 eine im afrikanischen Vergleich außergewöhnliche sozioökonomische Ausgangsposition. Bereits in den 50er Jahren lebten bei einer Alphabetisierungsrate von 65% 40% der Kongolesen in urbanen Zentren, wobei 12,5% Lohn- und Gehaltsempfänger waren.

Eine städtische Mittelschicht aus Beamten und Regierungsangestellten der Kolonie stellte schon in den 50er Jahren die maßgebliche soziale Schicht. Traditionale Eliten spielten nach dem zweiten Weltkrieg keine politische Rolle mehr, im Gegenteil war ein gesellschaftlicher Hierarchisierungsprozess zu beobachten, der sich stark am Zugang zur französischen Kolonialverwaltung orientierte, wobei die Küstenbewohner, die 40% der Bevölkerung ausmachten, in der Mehrzahl die städtischen Eliten stellten.

Die Modernisierungskrisen, die sich in anderen frankophonen Gebieten Afrikas zwischen den mit der kolonialen Verwaltung kooperierendenden traditionalen Eliten und antikolonialen, modernen Massenbewegungen entluden, entwickelten so im Kongo unter anderen Kräfteverhältnissen eine spezifische Dynamik: Der hohe Anteil an urbaner Bevölkerung als Nutznießer und Verbündete der kolonialen Verwaltung vertraten den modernen Sektor, während eine sich früh unter der bäuerlichen Bevölkerung mit großer Dynamik ausbreitende, erste antikoloniale Emanzipationsbewegung religiös-messianische Formen annahm.

Diese in Geheimlogen organisierte und nach ihrem Inspirator André Matsoua benannte Bewegung verweigerte die Beteiligung am modernen politischen Prozess innerhalb der kolonialen Institutionen123 und blockierte eher eine politisch wirksame breite Mobilisierung der Bevölkerung. Trotz der nach modernisierungstheoretischen Kriterien eigentlich günstigen sozio-strukturellen Bedingungen standen so im Vorfeld der Unabhängigkeitsbemühungen keine sozialen Katalysatoren für eine nationale Bewegung bereit.

Die politische Arena blieb deshalb bis Mitte der 50er Jahre zwei Persönlichkeiten überlassen, die 1946 politische Parteien mit lediglich regionaler Bedeutung gründeten: Félix Tchicaya mit dem Parti Progressiste Congolaise (PPC) als territoriale Sektion des RDA im Süden und Jacques Opangault mit einer lokalen Sektion der Section Française de l'Internationale Ouvrière (SFIO) im Norden des Landes.

Die beiden organisatorisch wie programmatisch wenig profilierten Parteien beschränkten sich in ihrer Außenwirkung auf die Darstellung der jeweiligen Machtansprüche ihrer Führungspersönlichkeiten und konnten beide als nationale Kräfte kein Profil gewinnen. Erst nach der Implementierung des allgemeinen Wahlrechtes durch den Loi Cadre 1956 gelang es dem katholischen Priester Fulbert Youlou mit der im gleichen Jahre gegründeten Partei Union Démocratique de Défense des Interêts Africains (UDDIA) das bisher brachliegende Stimmenpotential der matsouanistischen Widerstandbewegung zu mobilisieren, und darüber hinaus selbst als ein neuer Typus des politischen Führers territoriale Bedeutung zu erlangen.

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