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Politische Theorie der Prämoderne 1500-1800 von Nitschke, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Politische Theorie der Prämoderne 1500-1800

Der Zeitraum von 1500 bis 1800 ist nicht nur die Zeit des fundamentalen Schismas im christlichen Abendland und blutiger Konflikte in einer Reihe europäischer Länder. Sie ist auch die radikale Umbruchzeit für das politische Denken. Hier wurde ein Großteil dessen formuliert, was für das heutige Demokratieverständnis unumgänglich ist. Peter Nitschke ordnet den Stoff nach Diskursen, um die politisches Denken immer wieder kreist. Es geht um Christentum und Politik, um Macht und Utopie sowie um den Gesellschaftsvertrag und die republikanische Staatsform. Anhand dieser Kristallisationspunkte können die die wichtigsten Denker der Prämoderne vergleichend betrachtet werden: Luther, Francisco de Vitoria, Bodin, Leibniz, Möser, Machiavelli, Lipsius, Hobbes, Friedrich II., Morus, Müntzer, Bacon, Rousseau, Mercier, Grotius, Locke, Erasmus von Rotterdam, Montaigne, Spinoza, Bayle, Hume, Althusius, Harrington, Montesquieu und Kant.

Peter Nitschke, geb. 1961, ist Professor für die Wissenschaft von der Politik an der Universität Vechta. Zahlreiche Publikationen zur Politischen Ideengeschichte und Theorie, u. a. "Staatsräson contra Utopie? Von Thomas Müntzer bis zu Friedrich II. von Preußen" (1995) und bei der WBG "Politische Theorie der Prämoderne 1500-1800. Eine Einführung" (2. Aufl. 2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 01.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534716210
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 3553 kBytes
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Politische Theorie der Prämoderne 1500-1800

I. Die christliche Politik

Politica Christiana

Der Anfang der prämodernen Diskurse kennt eigentlich keinen Anfang . Vielmehr gibt es eine Fortführung von Theoremen, die allesamt schon seit dem Hochmittelalter, z. T. auch seit der Spätantike diskutiert worden sind und so etwas wie den Kern einer christlichen Politikauffassung zu umschreiben suchen. Insofern ist das, was im folgenden als politica christiana bezeichnet wird, keineswegs neu, sondern beruht auf der Fortsetzung eines tradierten Diskurses, wie er seit den Tagen eines Augustinus und der entscheidenden paradigmatischen Zuspitzung durch Thomas von Aquin in den institutionellen Foren und Formationen der katholischen Kirche mitunter sehr zelebrierend festgelegt worden ist. Dennoch ist die Suche und das Bemühen um eine dezidiert christliche Politikgestaltung nicht einfach nur als Abklatsch auf mittelalterliche Denkweisen und Schulbildungen zu betrachten. Dahinter steckt vielmehr auch ein Aufbruch zu neuen Ufern, allerdings ohne den alles verbindenden Strom der christlichen Naturrechtslehre und des Gottes-Prinzips je zu verlassen. Insofern ist es ein Kennzeichen der Politica Christiana der Prämoderne, dass sie die mittelalterlichen Theoreme nicht einfach nur kopiert oder unhinterfragt übernimmt, sondern dass sie vielmehr modifizierende Aspekte in die Lehre einer christlichen Politik einführt, die es in dieser Weise vorher nicht gegeben hat. Am stärksten wirkt die Neuformulierung von dezidiert christlicher Politik schließlich dort, wo sie nicht mehr den gleichen institutionellen Konfessionsrahmen hat wie im Mittelalter. Das heißt, mit dem Aufkommen reformatorischer Theologien bekommt der christliche Glaube nicht nur Heterodoxien, sondern auch veränderte sozialpolitische Bezugsapekte. Diese betreffen stets die Frage der konkreten Ordnungsgestaltung und ihrer Legitimation. Das impliziert eine Fortsetzung und Verschärfung der klassischen Konfliktsituation, wie sie spätestens seit dem Hochmittelalter zwischen Regnum und Sacerdotium bestanden hat. Durch den ultimativen Bruch, den reformatorische Theologien eines Huldrych Zwingli (1484-1531), eines Martin Luther (1483-1546) und eines Johannes Calvin (1509-64) mit der katholischen Kirche herbeigeführt haben, wird der Grundkonflikt in der Frage einer eventuellen Selbstlegitimation von politischer Herrschaft systematisch aktualisiert. Wer oder was legitimiert einen Herrscher auf welche Weise zu einer christlichen Politik? - Hierzu gibt es eine Reihe von Antworten, die nicht alle deckungsgleich sind, sondern vor dem Hintergrund einer jeweils anderen Konfessionsperspektive mit z. T. interessanten Variationen aufwarten. In der Endkonsequenz sind sich alle Antworten dieses Diskurses aber gleich: politische Herrschaft auf Erden wird durch Gottes Herrschaft manifestiert.
1. Martin Luther und die Zwei-Reiche-Lehre

Luthers Zwei-Reiche-Lehre

Die erste neue - und damit prämoderne - Formulierung des Politischen kommt vom deutschen Reformator, der die dichotomische Spannung zwischen Regnum und Sacerdotium einerseits formal gelöst, andererseits faktisch aber auch verschärft hat. Luthers berühmte Zwei-Reiche-Lehre ist zunächst nichts anderes als die formale Übernahme des paradigmatischen Konzepts, wie es schon der heilige Augustinus in seiner Unterteilung einer civitas terrena und einer civitas Dei vorgelegt hat. Demzufolge existiert ein Mensch-Sein auf zwei verschiedenen Ebenen: a) in einer irdischen Welt mit menschlichen Gesetzen und b) in einer göttlichen Welt mit universalen Gesetzen.

Die zweite Welt, die Welt Gottes existiert grundsätzlich immer schon und wird auch immer existieren, allein ihre Erfahrbarkeit kommt für den Menschen genau genommen erst im Jenseits zustande. Lediglich durch den wahren Glauben kann sich der Mensch im Diesseits eine Ahnung und vielleicht relative Ge

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