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Problem Altersarmut? Reformperspektiven der Alterssicherung von Brosig, Magnus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.08.2014
  • Verlag: Campus Verlag
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Problem Altersarmut?

"Neue Altersarmut" ist seit einigen Jahren Gegenstand einer breiten Debatte. Inzwischen gilt als bewiesen, dass Sicherungsdefizite im Alter künftig häufiger auftreten werden, doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema ließ bislang eine Frage offen: Sie widmet sich zwar der Problemlösung, lässt aber die Sichtweisen der politischen Akteure außen vor. Magnus Brosig schließt diese Lücke: Basierend auf Ansichten von Parteien und Verbänden beschreibt er anhand von "Reformkorridoren", welche Ideen zur Begegnung des erwarteten Armutsproblems nicht nur als sinnvoll, sondern generell auch als politisch umsetzbar gelten können. Magnus Brosig, Dr. rer. pol., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen.

Produktinformationen

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Problem Altersarmut?

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren haben die möglichen Folgen zurückliegender Rentenreformen und vermehrt atypischer Beschäftigung zu einem deutlichen Wiedererwachen der wissenschaftlichen und politischen Diskussion über Altersarmut und über Leistungsniveau und Legitimität des deutschen Alterssicherungssystems geführt (Brettschneider 2012: 149f.). Doch während die Zahl entsprechender Problemdiagnosen und Politikvorschläge kontinuierlich steigt, fehlt bislang eine gründliche vergleichende Auseinandersetzung mit den spezifischen Ansichten der politisch relevanten Akteure, denen eine debattenkonforme Problemwahrnehmung und Handlungsbereitschaft eben nicht ohne Weiteres unterstellt werden darf. Ausgehend von der Erarbeitung eines allgemeinen Modells zur Erfassung ideeller ?Reformkorridore? soll die vorliegende Studie diese Forschungslücke schließen, etwaige, als wirkmächtige Differenz von Modell und Vorstellung verstandene Veränderungspotenziale eruieren und hinsichtlich ihrer mutmaßlichen Konsequenzen diskutieren.

Anknüpfend an Forschungs- und Debattenbeiträge zu neuer Altersarmut, zu einschlägigen Reformmodellen und zum abstrakten Problem der Reformfähigkeit ist das politikfeldspezifische Erkenntnisinteresse somit ein dreifaches: Was denken erstens wichtige Akteure mit Blick auf Alterssicherungspolitik in Deutschland, welche allgemeinen Möglichkeiten für Reformen ergeben sich zweitens aus ihren Ansichten, und wie verhalten sich drittens etwaige Korridore zu (vorab betrachteten) Reformmaßnahmen - welchen praktischen Wert haben sie also? Können unter jenen solche, die mutmaßlich der effektiven und effizienten Problembearbeitung dienen würden, jedenfalls abstrakt auf tatsächliche Umsetzung ?hoffen?? Oder steht die Akteurs- und Ideenkonfiguration der wirksamen Begegnung von Sicherungsdefiziten im Gegenteil sogar deutlich entgegen und kann damit die bisherige altersarmutspolitische Zurückhaltung plausibel machen, die angesichts des vermeintlichen Problemdrucks zunächst erstaunen muss?

1.1 Problemaufriss

Öffentliche Alterssicherungssysteme werden häufig grundsätzlich danach unterschieden, ob sie strukturell auf das Ziel der Armutsvermeidung oder auf das Ziel der Lebensstandardsicherung ausgerichtet sind (OECD 2009: 55). Während die meisten entwickelten Industriestaaten ihre Systeme im Zeitverlauf ergänzt haben - in ?Beveridge?-Ländern wurden die diesem Typus zugrundeliegenden Grundsicherungsmechanismen üblicherweise mit einer lebensstandardsichernden Schicht aufgestockt (Hinrichs 2001: 81), in den auf Sozialversicherungen bauenden ?Bismarck?-Ländern fand diese Schicht ihre Ergänzung umgekehrt in einer Einführung von Mindestsicherungsmaßnahmen (Bonoli/Shinkawa 2005: 5) - ist Deutschland als Vertreter der zweiten Länderkategorie heute ein Ausnahmefall: Die ?Grundsicherung im Alter? stellt sich nur nominell als eigenständige Mindestsicherung für Senioren dar, tatsächlich ist sie strukturell an die Institution der Sozialhilfe angelehnt (Riedmüller/Willert 2007: 141f.; Schludi 2005: 35; Strengmann-Kuhn 2004: 109) und erreicht dabei nicht das Sicherungsniveau der spezialisierten Leistungen in den meisten anderen OECD-Staaten (OECD 2011: 109).

Trotz dieses vergleichsweise rudimentären Sicherungsnetzes wurde Altersarmut in Deutschland jedenfalls in den vergangenen Jahrzehnten nicht (mehr) als "Kern der Armutsproblematik" (Gebhardt/Thiede 1997: 552) beziehungsweise "großes Problem" (Hinrichs 2008: 31) aufgefasst. Tatsächlich ging etwa die Sozialhilfebezugsquote älterer Menschen seit den 1960er Jahren zurück und lag schließlich deutlich unter dem Wert für die Gesamtbevölkerung (Schmähl 2006: 397; Gebhardt/Thiede 1997: 551). Ähnliche Ergebnisse zeigen Untersuchungen, die Armut vom Unterschreiten relativer Einkommensschwellen abhängig machen - hier liegen die Werte für ältere Personen ebenfalls unter dem Durchschnittswert (OECD 2011: 149; Leiber 2009: 4). Die auch im int

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