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Red Notice Wie ich Putins Staatsfeind Nr. 1 wurde von Browder, Bill (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2015
  • Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
eBook (ePUB)
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Red Notice

Moskau nach dem Zerfall der Sowjetunion: Die Oligarchen sichern sich die Pfründe und machen ein Vermögen. Der Amerikaner Bill Browder nutzt die Gunst der Stunde und investiert in aufstrebende Unternehmen. Doch dann kommt er Putin und seiner Politik in die Quere: Er wird erpresst, verfolgt und bedroht. In einem Rechtsstaat kann man sich dagegen wehren. Aber nicht in einem Russland, wo Willkür und Tyrannei herrschen. Browders Anwalt Sergej Magnitski wird unter fadenscheinigen Vorwänden inhaftiert, gefoltert und schließlich im Gefängnis erschlagen. Aber Bill Browder gibt nicht auf. Als Menschenrechtsaktivist macht er international Druck auf Putin. Eine wahre Geschichte - packend geschrieben wie ein Thriller.

Bill Browder, Jahrgang 1964, wuchs in Chicago in einer Familie von amerikanischen Kommunisten auf, studierte Volkswirtschaft und machte an der Stanford Business School einen Abschluss als MBA. Nach beruflichen Stationen in der Unternehmensberatung und in der Finanzbranche ist Browder heute Menschenrechtsaktivist. Er lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 410
    Erscheinungsdatum: 23.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446443198
    Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
    Originaltitel: Red Notice
    Größe: 1136 kBytes
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Red Notice

Kapitel 1

Persona non grata

13. November 2005

Ich bin ein Zahlenmensch, deshalb nenne ich die wichtigsten Zahlen gleich am Anfang: 260, 1 und 4,5 Milliarden.

Die Zahlen bedeuten Folgendes: Jedes zweite Wochenende reiste ich von Moskau, der Stadt, in der ich lebte und arbeitete, in meine Heimatstadt London. In den vergangenen zehn Jahren hatte ich diese Reise 260-mal gemacht. Der Hauptgrund war mein Sohn David, damals acht Jahre alt, die Nummer eins in meinem Leben, der bei meiner Exfrau in Hampstead lebte. Bei der Scheidung hatte ich mich verpflichtet, ihn jedes zweite Wochenende zu besuchen, komme, was wolle. Ich hatte mein Versprechen nie gebrochen.

Für meine regelmäßige Rückkehr nach Moskau gab es 4,5 Milliarden Gründe. Das war der Gesamtwert des Vermögens in Dollar, das meine Investmentfirma Hermitage Capital verwaltete. Ich war ihr Gründer und CEO und hatte in den vergangenen zehn Jahren das Vermögen vieler Anleger gewaltig vermehrt. Im Jahr 2000 war Hermitage Capital zum Emerging-Markets-Fonds mit der besten Performance gekürt worden. Wir hatten für Anleger, die seit unserer Gründung 1996 mit von der Partie waren, Renditen von 1500 Prozent erzielt. Der Erfolg meiner Firma hatte selbst meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Russland bot nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einige der spektakulärsten Investitionsmöglichkeiten in der Geschichte der Finanzmärkte, allerdings war die Arbeit dort ebenso abenteuerlich (und gelegentlich auch gefährlich) wie lukrativ. Langweilig war sie auf jeden Fall nie.

Ich war schon so oft von London nach Moskau geflogen, dass ich den Ablauf in- und auswendig kannte: Wie lange man für die Sicherheitskontrollen in Heathrow benötigte; wie lange das Boarding der Aeroflot-Maschine dauerte; wie lange es brauchte, bis das Flugzeug in der Luft war und Kurs nach Osten in Richtung eines Landes nahm, wo es bereits Nacht war und wo Mitte November ein weiterer kalter Winter mit großen Schritten nahte. Die Flugzeit betrug 270 Minuten. Das genügte, um durch die Financial Times , den Sunday Telegraph , das Forbes Magazine und das Wall Street Journal zu blättern und wichtige E-Mails und Dokumente zu lesen.

Als das Flugzeug an Höhe gewann, öffnete ich meine Aktentasche und nahm meine Tageslektüre heraus. Neben den Akten, Zeitungen und Zeitschriften befand sich auch eine kleine Ledermappe in der Tasche. Darin waren 7500 Dollar in 100-Dollar-Noten. Sie verschafften mir bessere Chancen bei einer Flucht aus Moskau, beim sprichwörtlichen letzten Flug - wie damals denjenigen, die gerade noch rechtzeitig aus Phnom Penh oder Saigon herausgekommen waren, bevor das jeweilige Land im Chaos versank.

Aber ich floh nicht aus Moskau, ich kam zurück. Ich kehrte zurück an meine Arbeit. Und deshalb wollte ich mich über die neuesten Nachrichten vom Wochenende informieren.

Gegen Ende des Flugs stieß ich im Forbes Magazine auf einen Artikel, der mir zu denken gab. Es ging um einen Geschäftsmann, der wie ich seinen MBA in Stanford gemacht hatte. Er hieß Jude Shao, ein chinesischstämmiger Amerikaner, der ein paar Jahre nach mir studiert hatte. Ich kannte ihn nicht, aber er machte wie ich erfolgreich Geschäfte in einem fremden Land, in seinem Fall in China.

Er hatte sich mit einigen korrupten chinesischen Funktionären angelegt und im April 1998 wurde Shao verhaftet, nachdem er sich geweigert hatte, einem Steuereintreiber in Schanghai 60 000 Dollar Bestechungsgeld zu zahlen. Shao wurde schließlich aufgrund erfundener Anklagen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Einige ehemalige Studenten von Stanford hatten eine Kampagne zu seiner Befreiung organisiert, aber nichts erreicht. Als ich von Shaos Schicksal erfuhr, versauerte er gerade in einem elenden chinesischen Gefängnis.

Mir lief es eiskalt den Rücken herunter. China war zehnmal so sicher wie Russland

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